Eine Bootsfahrt, die ist lustig…

Etwas mulmig ist uns schon, als wir zum ersten Mal mitten im See vom Boot springen. Denn hier leben hier nicht nur 27 verschiedene Fischarten, sondern auch 25.000 Süßwasserkrokodile. Deren Kiefer ist zwar anscheinend zu schwach, um einen Menschen zu töten (weil sie im Gegensatz zu Salzwasserkrokodilen eine relativ kleine und schmale “Schnauze” haben), aber dank des perfekten Lebensraums werden die Freshies im Lake Argyle bis zu vier Meter lang. Doch kaum sind wir unter- und wieder aufgetaucht, schieben wir unsere Bedenken beiseite – das Wasser ist viel zu angenehm (die Temperatur liegt im Sommer bei badewannenwarmen 32-34 Grad Celsius), das Panorama viel zu bezaubernd, und unser Bootskapitän Greg viel zu entspannt und sorglos, als dass wir uns Sorgen machen könnten.

Unser Boot wartet auf uns, als wir auf einer Insel unterm Wasserfall duschen (kein Schmäh!).
Unser Boot wartet auf uns, als wir auf einer Insel unterm Wasserfall duschen (kein Schmäh!).

Eher zufällig haben wir die Sunset Cruise über den größten von Menschenhand geschaffenen See Australiens gebucht. Aber bereits nach wenigen Minuten ist klar, dass das ein toller und sehr informativer Ausflug werden wird. Seit 16 Jahren bietet Greg die Bootstouren an, und in dieser Zeit hat er sich unglaublich viel interessantes Wissen um die Geschichte des Sees und der Gegend angeeignet.

Greg macht seinen Job offenbar gerne - und sehr sehr gut! Er hat wirklich auf all unsere Fragen eine Antwort.
Greg macht seinen Job offenbar gerne – und sehr sehr gut! Er hat wirklich auf all unsere Fragen eine Antwort.

Lake Argyle bedeckt 703 Quadratkilometer und fasst 21 Mal das Wasservolumen des Sydney Harbour.

Lake Argyle ist riesig, soviel war uns schon auf der Bootsfahrt klar. Aber die Dimensionen werden erst so richtig bewusst, wenn man sich dieses Foto vom Scenic Flight anschaut, den Ingrid am nächsten Morgen über den See gemacht hat.
Lake Argyle ist riesig, soviel war uns schon auf der Bootsfahrt klar. Aber die Dimensionen werden erst so richtig bewusst, wenn man sich dieses Foto vom Scenic Flight anschaut, den Ingrid am nächsten Morgen über den See gemacht hat.

Das Wasser wird zur Stromgewinnung genutzt, aber vor allem zur Bewässerung der Felder um Kununurra, wo werden unter anderem Sandelholz, Mangos, Wassermelonen und Zuckerrohr angebaut werden. Um den Ord River zu stauen, den Hauptzufluss des Sees, wurde Ende der 60er Jahre ein Damm gebaut, und das Land, das einer Familie (den Duracks aus Irland) gehört hatte, geflutet. Damals ging man davon aus, dass es sechs Wet Seasons brauchen würde, bis der See so voll sei, wie man sich das für die ersten Jahre vorgenommen hatte. Doch dank einsichtiger Wettergötter war der See nach zweieinhalb Sommern so gut wie voll. Von Politikern wird der See auch jetzt immer noch als Vorzeigeprojekt gelobt – auch weil seine Schaffung nur 22 Millionen Dollar gekostet hat? Doch genug der technischen Fakten, was uns wirklich beeindruckt, ist wie gut sich der See in die Landschaft einfügt.

Was für ein wunderschöner See - hunderte Inseln ragen aus dem Wasser, und jetzt in der Regenzeit ist alles so schön in sattes Grün getaucht.
Was für ein wunderschöner See – hunderte Inseln ragen aus dem Wasser, und jetzt in der Regenzeit ist alles so schön in sattes Grün getaucht.

Und wo Menschenhand meist Natur zerstört, hat sich die Fauna hier erstaunlich gut entwickelt: Es gibt 27 Fischarten (unter anderem den Archer Fish, auf Deutsch: Schützenfisch, der Insekten vom Himmel schießt, indem er einen Wasserstrahl auf sie spukt. Was für ein Spaß, die Fische vom Boot aus zu füttern! Wir halten Brotstücke über das Wasser, die Fische spuken – mal auf’s Brot, mal daneben, mal in unsere Gesichter.), Felsen-Wallabies (Short-Eared Rock Wallabies, Wallaroos (die hier auf einer der zahlreichen Inseln ausgesetzt wurden, um erfolgreich ein Experiment durchzuführen. Wallaroos können nämlich ihren Bestand selbst regulieren, und zwar durch natürliche Geburtenkontrolle. Wird die Population zu groß, dann leiten schwangere Weibchen sogar eine gewollte Abtreibung ein.), zahlreiche Wasservögel und eben – 25.000 Süßwasserkrokodile.

Schaut es nicht süß aus, dieses Freshie-Baby? Wir sind jedenfalls ganz froh darüber, dass wir kein ausgewachsenes 4-Meter-Exemplar, sondern nur dieses kleine (aber schon zwischen 15 und 20 Monate alte) Ding zu Gesicht bekommen!
Schaut es nicht süß aus, dieses Freshie-Baby? Wir sind jedenfalls ganz froh darüber, dass wir kein ausgewachsenes 4-Meter-Exemplar, sondern nur dieses kleine (aber schon zwischen 15 und 20 Monate alte) Ding zu Gesicht bekommen!

Wir sehen allerdings nur Krokodilbabies an diesem Tag, und dieser Umstand mag auch dazu beitragen, dass wir die Schwimmpausen umso ausgiebiger und ausgelassener nutzen. Dank Regenzeit (und deshalb Nebensaison) sind wir nur zu sechst an Bord, und die Gesellschaft könnte besser nicht sein!

Die Freunde Paul und Martin kommen aus London und reisen durch Australien, Faye und Steven aus Queensland genießen ihren ersten Urlaub seit 21 Jahren und unser Guide Greg ist ein Schatz an Wissen, Humor und Professionalität.

Ein gemütlicher, unterhaltsamer, lustiger Nachmittag am Boot. Wie wunderbar sich unterschiedlichste Menschen unterhalten können, wenn alle interessiert am anderen sind...
Ein gemütlicher, unterhaltsamer, lustiger Nachmittag am Boot. Wie wunderbar unterschiedlichste Menschen sich unterhalten können, wenn nur jeder interessiert am anderen ist…

Und so wasserbomben die Männer wie 14-Jährige ausgelassen und laut schreiend immer wieder vom Boot in den See, Faye genießt die Show und plaudert mit Greg und Ingrid macht Fotos.

BOMBE! Stefan ist erster, aber anscheinend ist Spaßhaben ansteckend...
BOMBE! Stefan ist erster, aber anscheinend ist Spaßhaben ansteckend…
Deshalb versuchen sich die Männer nach kurzer Zeit schon im Quadriple (ist das ein Wort? Naja, jedenfalls springen sie zu viert, fast synchron).
Deshalb versuchen sich die Männer nach kurzer Zeit schon im Quadriple (ist das ein Wort? Naja, jedenfalls springen sie zu viert, fast synchron).

Wie es sich gehört, wird die Tour besser, desto später der Abend wird. Als Greg uns kurz vor Sonnenuntergang vom Boot aus zuruft: “Was ist euch lieber, Bier oder Champagner?”, halten wir das für einen Scherz. Doch kurz darauf schwimmen wir von Noodles (Schwimmhilfen) unterstützt mit einem Glas Sekt in der Hand im warmen Wasser, dippen Crackers in Hummus und genießen die Abendstimmung.

Die Bar ist geöffnet. Und Greg hat einen anscheinend ewig fließenden Vorrat an süffig-süßem Sekt an Bord.
Die Bar ist geöffnet! Und Greg hat einen anscheinend ewig fließenden Vorrat an süffig-süßem Sekt an Bord.
Und damit der Alkohol nicht zu schnell zu Kopf steigt, gibt's Cracker mit Dip. Alles Ingrids ;-)
Und damit der Alkohol nicht zu schnell zu Kopf steigt, gibt’s Cracker mit Dip: ALLES MEINS! ;-)

Das aufziehende Gewitter, das etwas entfernt mit Blitzen und schwarzen Wolken für laute “Ah” und “Oh” Rufe sorgt, sorgt für noch bessere Atmosphäre und auch dafür, dass wir das Wasser dann doch irgendwann verlassen und glücklich zurück Richtung Ufer tuckern.

Daumen hoch für Greg und sein Unternehmen Lake Argyle Cruises (lakeargylecruises.com) und danke für ein unvergessliches Erlebnis!