Die Suche nach unserem heiligen Gral

Zum ersten Mal kamen wir 2009 mit unserem „Heiligen Gral“ in Berührung. Wir wanderten mit offenen Augen und Mündern durch die Blue Mountains, bestaunten Farnwälder und oberschenkeldicke Lianen und streichelten fasziniert über die glatte Rinde der Eukalyptusbäume. Plötzlich raschelte es im dichten Unterholz und ein Vogel mit wunderschönen langen Schwanzfedern lief über den schmalen Pfad. Stefan war zwar geistesgegenwärtig genug die Kamera zu zücken, mit unserer damaligen Ausrüstung hatten wir im Dämmerlicht des Waldes keine Chance: Auf dem Foto kann man mit Müh und Not einen braunen, länglichen Fleck erkennen. Aber wir wussten, dass wir ihn gesehen hatten, den sagenumwobenen Lyrebird, den Wappenvogel der New-South-Wales-Nationalparks, dessen Gesang zu 80% aus Geräuschen besteht, die er erlernt und nachahmt. Um die Weibchen zu beeindrucken, imitiert der Lyrebird Kettensägen, Automotoren, Kameraauslöser oder ganz beliebig jede andere Vogelart, die in den Blue Mountains lebt. Obwohl die Begegnung mit diesem Imitationskünstler damals nur wenige Sekunden dauerte, hinterließ er tiefen Eindruck.

Doch so sehr wir seit damals auch suchten und hofften – der Lyrebird ließ sich nicht mehr blicken. Vor ein paar Monaten dann begegneten wir ihm ein weiteres Mal, an beinahe derselben Stelle im Unterholz der Blue Mountains auf einer Wanderung mit Freunden. Wieder war der Vogel zu schnell (oder unsere Kamera nicht schnell genug zur Hand). Vor wenigen Wochen dann die völlig unverhoffte Sichtung eines Lyrebirds auf einer Forststraße im südlich von Sydney gelegenen Farmland. Die Kamera lag sicher und gut verstaut im Kofferraum unseres Autos.

Nun hatten wir Torschlusspanik. Unsere Zeit in Australien neigt sich dem Ende zu, und dieser Vogel, der es uns so angetan hat, scheinte mit uns Verstecken zu spielen. „Letzte Chance“, sagten wir uns gestern, stellten den Wecker auf 5 Uhr morgens und machten uns mit voller Aufrüstung auf den Weg nach Katoomba. Was für ein Erlebnis, frühmorgens schon durch den Wald zu wandern. Die Vögel zwitscherten in hundert verschiedenen Tonarten, die Baumwipfel strahlten in der Morgensonne, Katoomba wie ausgestorben.

Wir hatten kaum einen Kilometer zurückgelegt, als wir über das wunderbar kreative Nest eines Bowerbirds (zu deutsch: Laubenvogel) stolperten. Dieser Vogel, den es nur auf Papua Neuguinea, den benachbarten Inseln und in Australien gibt, baut, um die Weibchen anzulocken, ausgefallene „Lauben“ (daher auch der Name). Der Laubenbau variiert von Art zu Art: Unser Seidenlaubenvogel hatte blaue Plastikteile aus dem Touristenmüll-Fundus zusammengetragen und aus Flaschenverschlüssen, Eislöffeln und blauen Plastikbändern eine beeindruckende „Tenne“ gebaut.

Doch weiter ging’s, immerhin waren wir auf der Suche nach dem „Gral“, auch Lyrebird genannt. Wir hörten es zwar immer wieder im Unterholz rascheln, aber sehen konnten wir leider nichts. Enttäuscht machten wir uns auf den Rückweg (nachdem wir einige Kakadus bewundern konnten), schnauften aus dem Talkessel die Treppen hinauf Richtung Klippenrand, als völlig unverhofft – ein Lyrebird aus dem Gebüsch schoss, vor uns über den Weg rannte und sich panikartig in’s Unterholz vertschüsste. Und wir natürlich: Zu perplex, um die Kamera überhaupt anzuschalten. Was für eine Enttäuschung!

Bis… plötzlich zwei Lyrebird-Weibchen angesaust kamen, zwar ohne die charakteristischen langen Schwanzfedern, aber nicht weniger beeindruckend. Die Vogeldamen lieferten sich einen Kampf/Tanz/Fangenspiel, und volle 15 Minuten schossen wir ein Foto nach dem anderen. Um euch nicht länger auf die Folter zu spannen: Die zwei Weibchen wurden von einem Männchen verfolgt (das tatsächlich von einem Felsen rund 15 Meter auf den Boden sprang – was für ein Schauspiel, das wir einfach genießen mussten ohne Kamerasucher zwischen uns und der Realität), dann eine Weile herumstolzierte, im Gebüsch verschwand, dann kam ein anderes Männchen, das vor uns den Weg entlang spazierte, im trockenen Laub nach Insekten und Maden suchte, und sich auch nicht stören ließ als Stefan sich bis auf  drei Meter näherte.

Ja, wir haben ihn gefunden, den Gral der Blue Mountains, den scheuen Lyrebird. Und damit eine Suche abgeschlossen, die vor 5 Jahren begonnen hatte.

Der Bowerbird, Gefieder unscheinbar, dafür hat er pinkblaue Augen.
Der Bowerbird, Gefieder unscheinbar, dafür hat er pinkblaue Augen.
...und hat ein ziemlich spektakuläres Nest, die so genannte "Allee" mit einem Vorhof in Blau.
…und hat ein spektakuläres Nest, die so genannte „Allee“ mit einem Vorhof in Blau.
"Was? Nach mir habt ihr gesucht, all die Jahre?"
„Was? Nach mir habt ihr gesucht, all die Jahre?“

 

Schaut gar nicht so besonders aufregend aus aus?
Schaut gar nicht so besonders aufregend aus?
Naja, kommt ganz auf die Perspektive drauf an... Von der Seite nicht schlecht,...
Naja, kommt ganz auf die Perspektive drauf an… Von der Seite nicht schlecht,…
...von hinten wunderschön! Diese Federn (die jahrzehntelang übrigens zum Schmücken von Damenhüten verwendet wurden)!
…von hinten wunderschön! Diese Federn (die jahrzehntelang übrigens zum Schmücken von Damenhüten verwendet wurden)!
Und hier noch einmal in groß - Detailansicht unseres Grals!
Und hier noch einmal in groß – Detailansicht unseres Grals!

Mit dem Tele in der Hand…

…schleichen wir durch’s ganze Land! Unser wöchentlicher Sonntagsausflug hat uns wieder einmal in den Royal National Park geführt, allerdings  haben wir die Wälder heute nicht zu Fuß, sondern auf dem Wasserweg erkundet. Unsere Oberarmmuskeln  wurden bei der Kanufahrt auf dem Hacking und auf dem Kangaroo River ziemlich beansprucht, nicht nur vom Rudern, sondern auch vom Stemmen unseres großen Objektivs.

Doch was für eine wunderbare Art von Morgensport: Immer wieder sichten wir am Ufer Kingfisher, Schwalben fliegen tief über unseren Köpfen hinweg und wir lernen, dass sich Kormorane kurz vor dem Abheben buchstäblich „ansch***“ wenn man ihnen zu nahe kommt. Rings um uns der Wald, es scheint ein nahezu undurchdringlicher Dschungel zu sein. Palmen, Farne und Eukalyptusbäume bilden ein dichtes Blätterdach, und der Fluss wälzt sich gemütlich und nahezu ohne Strömung durch die wunderbare Landschaft.

Als wir nach vier Stunden Rudern unser Kanu wieder abgeben beim „Historical Boatshed“ in Audley (wenn es um Historie geht, neigen die Australier etwas zur Übertreibung. Es handelt sich bei dieser historischen Einrichtung um eine alte Bootshütte, die architektonisch rein gar nichts wertvolles oder besonderes aufzuweisen hat.), knurrt unser Magen, und wir freuen uns auf ein gemütliches Barbeque mit Freunden, die wir gleich am Wattamolla Beach treffen wollen.

Als wir dort ankommen, wartet eine böse Überraschung: Tomas sind die Autoschlüssel in einen schmalen Spalt zwischen zwei Mauern im Klo gefallen. Und Stefan geht erst mal nach Schlüsseln fischen, bevor wir uns ans Grillen machen können. Dank Anglerschnur und Haken gibt’s 30 Minuten später Entwarnung. Die Schlüssel sind gerettet und unser Nachmittag auch. Wir genießen gegrillte Pilze, Zucchini und Lammwürstchen mit Mango, sowie einen entspannten Nachmittag am Strand. Wie gut das Sonnentanken nach zwei verregneten Wochenenden tut!

Dabei haben wir auch den Samstag sehr gemütlich in der Sonne (wenigstens zeitweise) verbracht, genauer gesagt beim Vögel- und Menschenbeobachten. Doch dazu gibt’s Mitte der Woche mehr – wir müssen zuerst noch für uns analysieren, was wir von unseren Beobachtungen halten sollen. Inzwischen ein paar Eindrücke des heutigen Tages – Viel Spaß beim Schauen!

Auf dem Hacking River wagen wir uns immer tiefer in die Wildnis, und versuchen im Dickicht all die Tiere zu entdecken, die sich dort verstecken. Glücklicherweise sichten wir ausnahmsweise Vögel und Waterdragons, aber keine der Diamantpythons, die in dem Wald (und im Fluss?) ebenfalls beheimatet sein sollen.
Auf dem Hacking River wagen wir uns immer tiefer in die Wildnis, und versuchen im Dickicht all die Tiere zu entdecken, die sich dort verstecken. Glücklicherweise sichten wir ausnahmsweise Vögel und Waterdragons, aber keine der Diamantpythons, die in dem Wald (und im Fluss?) ebenfalls beheimatet sein sollen.
Der Azure Kingfischer strahlt in leuchtendem Orange und tiefem Blau - trotzdem kann man ihn fast nur entdecken, wenn er sich bewegt oder man genau weiß, auf welchem Ast er sitzt.
Der Azure Kingfischer strahlt in leuchtendem Orange und tiefem Blau – trotzdem kann man ihn fast nur entdecken, wenn man genau weiß, auf welchem Ast er sitzt.
Glücklicherweise bekommen wir auch eine zweite Eisvogelart, den Forest Kingfisher, vor die Linse.
Glücklicherweise bekommen wir auch eine zweite Eisvogelart, den Sacred Kingfisher, vor die Linse. Beeindruckend, wie mühelos der Vogel nach Nahrung tauchen kann!
Der Australien Darter genießt die Sonnenstrahlen auf dem nassen Gefieder, doch völlig entspannt ist er nicht. Argwöhnisch beobachtet er das Kanu mit den seltsamen Gestalten, die sich langsam nähern.
Der Australien Darter genießt die Sonnenstrahlen auf dem nassen Gefieder, doch völlig entspannt ist er nicht. Argwöhnisch beobachtet er das Kanu mit den seltsamen Gestalten, die sich langsam nähern.
Schaut ähnlich aus, ist aber kein Darter, sondern ein kleiner schwarzer Kormoran. Und wir wissen seit heute, woher der Ausdruck "sich vor Angst in die Hosen sch***" kommt: Ausnahmslos alle Kormorane, denen wir uns nähern, entleeren ihren Darm ins Wasser, bevor sie hektisch abheben.
Schaut ähnlich aus, ist aber kein Darter, sondern ein kleiner schwarzer Kormoran. Und wir wissen seit heute, woher der Ausdruck „sich vor Angst in die Hosen sch***“ kommt: Ausnahmslos alle Kormorane, denen wir uns nähern, entleeren ihren Darm ins Wasser, bevor sie hektisch abheben.
Der häufig vorkommende New Holland Honeyeater ist in Kombination mit den orangen Blüten besonders fotogen - Merkmal sind die stechend hellblauen, beinahe weißen Augen.
Der häufig vorkommende New Holland Honeyeater ist in Kombination mit den orangen Blüten besonders fotogen – Merkmal sind die stechend hellblauen, beinahe weißen Augen.