Aus der Vogelperspektive

Das Land der Pitjantjatjara ist beeindruckend, vor allem aus der Vogelperspektive. Wir haben die Gelegenheit genutzt und im menschenleeren Zentrum Australiens Stefans neue Drohne ausprobiert. Auf den ersten Blick scheint es ein Nachteil zu sein wenn man nicht sieht, was genau die an der Drohne montierte Kamera gerade filmt. Aber wie früher beim Entwickeln von analogen Foto-Filmrollen ist die Überraschung – und die Freude – danach dann doppelt so groß. Und wir wollen euch die unglaubliche Landschaft, rote Erde, blühende Desert Heath Myrtle Sträucher und den Sonnenaufgang natürlich nicht vorenthalten. Genießt die Show! :-)

Im roten Herzen Australiens

Der größte freistehende Monolith der Welt ist eigentlich grau, für die unverkennbare rote Farbe sorgt simpler Rost. 348 Meter hoch ist er, doch einem Eisberg ähnlich ist das nur die Spitze des, nun ja: Felsbrockens. Vier bis fünf Kilometer des Berges sollen unter der Erde liegen. Die Felsen auf der linken Seite sind 15 Millionen Jahre älter ist als auf der rechten, und insgesamt ist der Berg rund 500 Millionen Jahre alt.

Und dann sind da die Schlange, die ihre Eier als Perlenkette um den Hals getragen hat, zurück an ihren Geburtsort schlängelte und die Eier am Fuß des Felsens ablegte. Die Höhlen im Stein, die man nicht fotografieren darf, weil sie auch heute noch als Heilige Stätten für Frauen fungieren. Die Malereien am Felsen, die Wasserlöcher und die Wüste symbolisieren und seit Jahrhunderten Wind und Wetter trotzen.

Wir sind im roten Zentrum Australiens, und am symbolträchtigen Wahrzeichen des Kontinents, dem Uluru (die Betonung liegt auf der letzten Silbe), prallen zwei Welten aufeinander: Die der Aboriginal, die seit Jahrtausenden diese rote Erde bevölkern, und die der weißen Eroberer, die den Kontinent modernisiert und den Uluru in Ayers Rock umbenannt haben. Wenige Kilometer entfernt vom Felsen liegt Yulara, mit 700 ständigen Einwohnern die fünftgrößte Stadt im Northern Territory.

300.000 Touristen kommen jährlich hierher (vor der Weltwirtschaftskrise vor einigen Jahren waren es doppelt so viele), und viele von ihnen wohnen so wie wir im Ayers Rock Resort, einem Komplex der aus vier Hotels, neun Restaurants, einem “Shopping Center” und einigen Reiseanbietern und Mietwagenfirmen besteht. In den Restaurants gibt es neben den üblichen Klassikern auch Kamel-, Känguru- und Emuburger. Jeden Morgen vor Sonnenaufgang karren Busse die Touristen zu Aussichtsplattformen, von denen aus man den Uluru bei Sonnenaufgang beobachten kann. Bevor die Sonne untergeht, und sich der Berg violett, orange, rot färbt, machen sich die Menschen auf den Weg zu Sunset-Touren. Im Ayers Rock Resort gibt es ein Health Center (also Spital), eine Feuerwehr und eine Polizeiwache.

Nur wenige Kilometer entfernt gibt es die Parallelwelt der Aboriginals, die sich im Kata Tjuta National Park, zu dem auch der Uluru gehört, Anangu nennen, “Menschen, die zu diesem Land gehören”. Die Anangu siedelten sich hier vor 23.000 Jahren an, und es gibt heute 23 Communities (Dörfer oder Stämme). Relativ spät, erst in den 1930er Jahren kamen diese Communities in Kontakt mit den weißen Siedlern. Obwohl sich seitdem viel getan hat, und die Anangu sich teilweise der “modernen” Lebensweise angepasst haben, ist das Leben nach wie vor bestimmt von uralten Riten und Traditionen. In der Kultur der Anangu wird nicht viel geredet, und auch Augenkontakt wird wenn möglich vermieden. Fotografieren sollte man vor allem die älteren Anangu nicht, und auch Heiligen Stätten und Orte dürfen nicht gefilmt oder fotografiert werden (das gilt auch für die Höhlen oder bestimmte Steinformationen beim Uluru). Es gibt eine strenge Trennung von Men’s Business und Women’s Business. Die Frauen üben ihre Traditionen am Uluru aus, für die Männer gelten die rund 16 Kilometer entfernten Kata Tjutas (oder Olgas) als heilige Berge, an deren Fuß auch heute noch Zeremonien – zum Beispiel die Initiation der jungen Burschen zu Männern – abgehalten werden. Anangu-Frauen ist der Zugang zu Kata Tjuta deshalb nach wie vor verboten (umgekehrt dürfen Männer keinen Blick auf die Frauen-Höhlen im Uluru werfen).

Die Anangu leben nach einem strengen Regelwerk, das sich aber einfach zusammenfassen lässt: Du nimmst und du gibst, im Zusammenleben mit den anderen, mit den Tieren, mit Mutter Erde. Respekt ist das wichtigste Gebot.

Auf unserer Sunrise-Tour zum Uluru gibt uns Ned, ein humorvoller Guide mit Aboriginal-Wurzeln, Einblick in die lokale Tier- und Pflanzenwelt. Er zeigt uns den Wattle-Tree, der für die australischen Nationalfarben Grün und Gold verantwortlich ist. Er erklärt uns, dass die Desert Heath Myrtle ein Segen ist wenn man das Land gezielt abbrennen will um es wieder fruchtbar zu machen, weil sie jedes “langsame” Feuer erstickt. Wenn aber ein “heißer” Buschbrand ausbricht, dann sind die Myrtesträucher aufgrund der ätherischen Öle ein Fluch, weil sie in Nullkommanichts Feuer fangen. Ned weist uns auf die Desert Oaks hin, kleine unscheinbare, kerzengerade nach oben wachsende Stämmchen, die ausschauen wie Flaschenputzer. Ein zwei Meter hohes Bäumchen kann bis zu 50 Jahre alt sein – so lange brauchen nämlich die Wurzeln, um zum Grundwasser vorzudringen, das hier zwischen 13 und 25 Meter tief liegt. Erst wenn die Wurzeln das Wasser erreicht haben, bilden sich bei den Desert Oaks ein Stamm und Äste aus, die dem der Desert Oak das Aussehen eines Baumes verleihen. Und dann gibt es noch die Pflanzen und Tiere, die als Bush Tucker (Busch-Lebensmittel) gelten: Die Native Fig, die um ein Vielfaches mehr Vitamin C hat als Orangen. Die Honey Ants (Honigameisen) oder Tjala, die unter der Erde leben und deren Hinterteil aus einer großen Blase gefüllt mit Honig besteht. Oder die fingerdicken Grubs (Maden), die man in den Wurzeln des Wittechy Buschs findet und die lebendig verzehrt nach Mandeln schmecken sollen.

Ned erzählt uns die seit Jahrtausenden überlieferten Dreamtime Stories, die Legenden die sich um den Uluru ranken. Er schüttelt voller Unverständnis den Kopf über die Touristen, die – entgegen dem ausdrücklichen Wunsch der Anangu – den Uluru erklettern. Ned versorgt uns unterm Sternenhimmel mit Kaffee, Damper (Brot, das in der Asche gebacken wird) und Geschichten aus seinem Leben als Touristenguide im Kata Tjuta National Park. Er ermutigt uns, den Uluru nicht nur zu fotografieren, sondern zu berühren und eine Verbindung mit dem Felsen aufzubauen. Er entdeckt zwei Frogmouth Eulen im Baum und einen schwarzen Dingo (Wildhund) am Straßenrand. Und sorgt für einen unvergesslichen Morgen im roten Herzen Australiens. Denn egal wieviele Fotos vom Uluru man schon gesehen hat: Nichts kann einen wirklich auf den Moment vorbereiten, in dem der rote Berg dann tatsächlich vor einem steht.

So sieht er aus, auf hunderten Bildern die wir schon gesehen haben. Der Uluru ist ein riesiger Felsen inmitten der flachen Wüste.
So sieht er aus, auf hunderten Bildern die wir schon gesehen haben. Der Uluru ist ein riesiger Felsen inmitten der flachen Wüste.
Das mag abgedroschen klingen, aber sieht man den Felsen mit eigenen Augen, dann versteht man die Mythen, die den Berg umranken. Roter Sand, blühende Myrtensträucher und Sonnenuntergang sind eine unschlagbare Kombination...
Das mag abgedroschen klingen, aber sieht man den Felsen mit eigenen Augen, dann versteht man die Mythen, die sich um den Berg ranken. Roter Sand, blühende Myrtensträucher und Sonnenuntergang sind eine unschlagbare Kombination…
Weit vor Sonnenaufgang geht unser Abenteuer los. Unser Guide Ned kutschiert uns zu einem Lagerfeuer in der Wüste, und tischt uns dort nicht nur Kaffee, sondern auch ein Brot mit Spiegelei und gebratenem Speck auf. Und etwas Warmes braucht es auch im Magen, es ist nämlich wirklich eiskalt in der Wüste.
Weit vor Sonnenaufgang geht unser Abenteuer los. Unser Guide Ned kutschiert uns zu einem Lagerfeuer in der Wüste, und tischt uns dort nicht nur Kaffee, sondern auch ein Brot mit Spiegelei und gebratenem Speck auf. Und etwas Warmes braucht es auch im Magen, es ist nämlich wirklich eiskalt in der Wüste unterm Sternenhimmel.
Neds Mutter ist Aboriginal, sein Vater stammt von Engländern ab. Aufgewachsen ist unser Guide nicht in der Umgebung des Uluru, sondern weiter nördlich in der Nähe von Alice Springs. Dass er den Kata Tjuta National Park zu lieben gelernt hat, glauben wir Ned aber sofort.
Neds Mutter ist Aboriginal, sein Vater stammt von Engländern ab. Aufgewachsen ist unser Guide nicht in der Umgebung des Uluru, sondern weiter nördlich in der Nähe von Alice Springs. Dass er den Kata Tjuta National Park zu lieben gelernt hat, glauben wir Ned aber sofort – er passt einfach zu gut hierher.
Ned kennt die Pflanzenwelt hier gut, und wir haben das Glück, dass wegen außergewöhnlich starken Niederschlägen vor drei Monaten abertausende Myrtensträucher in Blüte stehen. Was für ein Anblick!
Ned kennt die Pflanzenwelt hier gut, und erklärt uns geduldig die Flora. Wir haben Glück: Wegen außergewöhnlich starken Niederschlägen vor drei Monaten stehen in der Wüste abertausende Myrtensträucher in Blüte. Was für ein Anblick!
Den Aboriginal dient die Wüste als Handwerkermarkt, Apotheke und Lebensmittelladen: Die Honey Grevillea produziert süßen Nektar, den die Aboriginal einfach vom Blütenkolben absaugen (aufgrund des Respekts vor Mutter Erde natürlich ohne die Blüten abzureißen und wie Lollipops vor sich her zu tragen, stellt Ned klar!).
Den Aboriginal dient die Wüste als Handwerkermarkt, Apotheke und Lebensmittelladen: Die Honey Grevillea produziert süßen Nektar, den die Aboriginal einfach vom Blütenkolben absaugen (aufgrund des Respekts vor Mutter Erde natürlich ohne die Blüten abzureißen und wie Lollipops vor sich her zu tragen, stellt Ned klar!).
Nach dem Frühstück geht's in unserem kleinen orangen Bus weiter hinein in die Wüste, dem Uluru entgegen.
Nach dem Frühstück geht’s in unserem kleinen orangen Bus weiter hinein in die Wüste, dem Uluru entgegen.
348 Meter hoch ist der Heilige Berg, und auf der linken Seite 15 Millionen Jahre älter als auf der rechten.
348 Meter hoch ist der Heilige Berg, und auf der linken Seite 15 Millionen Jahre älter als auf der rechten.
Was wir nicht erwartet haben, sind all die Bäume und Sträucher im Outback. Noch überraschter sind wir allerdings, als wir erfahren, dass es sich bei diesen unscheinbaren, mit nadelartigen Blättern bewachsenen Sträuchern um Desert Oaks handelt. Das Stämmchen neben Stefan dürfte auch ungefähr sein Alter haben (30!). Der Baum im Hintergrund ist rund 100 Jahre alt.
Was wir nicht erwartet haben, sind all die Bäume und Sträucher im Outback. Noch überraschter sind wir allerdings, als wir erfahren, dass es sich bei diesen unscheinbaren, mit nadelartigen Blättern bewachsenen Sträuchern um Desert Oaks handelt. Das Stämmchen neben Stefan dürfte auch ungefähr sein Alter haben (30!). Der Baum im Hintergrund ist rund 100 Jahre alt.
Ein wunderbares Erlebnis für uns Vogelfreunde: Das Frogmouth Pärchen in einem Baum direkt am Fuße des Ulurus. Diese scheuen Vögel sieht man tagsüber höchstens im Zoo...
Ein wunderbares Erlebnis für uns Vogelfreunde: Das Frogmouth Pärchen in einem Baum direkt am Fuße des Ulurus. Diese scheuen Vögel sieht man tagsüber höchstens im Zoo…
Am Uluru gibt es heilige Stätten, die nicht fotografiert werden dürfen. Diese Felsformationen gehören zum Glück nicht dazu - und bieten ein wunderbar fotogenes Motiv.
Am Uluru gibt es heilige Stätten, die nicht fotografiert werden dürfen. Diese Felsformationen gehören zum Glück nicht dazu – und bieten ein wunderbares Motiv.
Diese Felsmalereien sind zwar sehr interessant, die Höhle ist aber nicht heilig, und darf deshalb besucht und fotografiert werden. Die Kreise stellen Wasserlöcher dar.
Diese Felsmalereien sind zwar sehr interessant, die Höhle ist aber nicht heilig, und darf deshalb besucht und fotografiert werden. Die Kreise stellen Wasserlöcher dar.
Doch nicht jeder Tourist ist einsichtig genug, der jahrtausendealten Tradition der Anangu mit Respekt zu begegnen. Weil über 40 Menschen beim Versuch einer Besteigung des Berges abgestürzt sind, hat die Regierung 1964 einen Handlauf verlegen lassen. Und das, obwohl die Anangu eindrücklich darum beten, wegen seiner spirituellen Bedeutung nicht auf den Berg zu klettern.
Nicht jeder Tourist ist einsichtig genug, der jahrtausendealten Tradition der Anangu mit Respekt zu begegnen. Weil über 40 Menschen beim Versuch einer Besteigung des Berges abgestürzt sind, hat die Regierung 1964 einen Handlauf verlegen lassen – obwohl die Anangu eindrücklich darum beten, wegen seiner spirituellen Bedeutung nicht auf den Berg zu klettern.
...und dieser ist von unten nun wirklich eindrucksvoll genug, oder?
…und dieser ist auch von unten wirklich eindrucksvoll genug, oder?