BBQ & Bushwalking & ein Känguruh

Meetup nennt sich diese wunderbare Erfindung, die Menschen mit ähnlichen Interessen eine Plattform bietet und hier in Sydney besonders intensiv genutzt wird. Die Grundidee ist denkbar einfach: Auf einer Internet-Plattform können sich Hunde-BesitzerInnen, Kaffee-LiebhaberInnen, wandernde RaucherInnen, und was es sonst noch so gibt vernetzen, und regelmäßige Treffen organisieren. Nachdem es in Sydney alles andere als einfach ist, einfach so australische Freunde und Freundinnen zu finden (dazu folgt ganz bestimmt auch nochmal ein Eintrag), haben wir uns vor einigen Monaten bei Meetup registriert. Die Gruppe International Friends in Sydney hat derzeit 988 Mitglieder, ein Teil davon trifft sich alle zwei Wochen auf ein Feierabendbier in einem Pub in der Stadt. Mit einigen unserer „Internationalen Freunde“ haben wir heute einen Ausflug in den Royal National Park unternommen. Und international war es tatsächlich, oder wohl eher europäisch: Mit dabei waren der Deutsche Mario, der Niederländer Bart, der Slovake Thomas und die Italienerin Valeria.

Es war ein sehr schöner Sonntag, nicht nur wettermäßig (wir genießen derzeit einen wunderbaren Winter mit Temperaturen um 23 Grad), sondern vor allem auch dank lustiger Momente, ernster Gespräche und einem hervorragenden BBQ – und natürlich einem Bushwalk, der uns in eine uns ganz neue Gegend im Nationalpark geführt hat.

Auf der Hinfahrt hat Ingrid übrigens ihre erste Begegnung mit der australischen Polizei und eine Alkohol-Schwerpunktkontrolle hinter sich gebracht. Sehr freundlich hat der Polizist erklärt, wie das Gerät funktioniert. Dass man einfach nur laut bis 10 zählen muss während er dem Fahrer/der Fahrerin das kleine Kästchen vor das Gesicht hält, hat uns dann doch überrascht.

Am Wattamolla Beach, den unsere fleißigen LeserInnen ja schon aus vorherigen Berichten zur Genüge kennen, haben wir den Tag mit einer frühen Mittags-Grillerei eröffnet. Wer hätte gedacht, dass Känguruh tatsächlich so gut schmeckt (haben wenigstens die Männer behauptet)? Es kommt richtig Ozzie-Feeling auf, wenn man mitten im Winter in der Sonne steht, kühles Bier trinkt, die Zucchini, Zwiebeln und Würstchen auf dem Grill bruzzeln. Zum Ozzie-Feeling gehört auch, dass man sich Sorgen um einen eventuellen Sonnenbrand macht, weil man die Sonnencreme vergessen hat, und man recht bald in den Schatten muss, obwohl die UV-Gefahr heute als moderate eingestuft wurde, und hier ja Winter ist.

Nach dem BBQ haben wir einen wunderbaren Rundweg bewältigt, der uns zuerst die Klippen entlang, dann durch einen Palmen-Dschungel und schließlich durch den Wald zurück zu den Autos geführt hat. Was gibt’s zum Walk zu sagen? Entlang des Weges haben hunderte weiße wilde Callas geblüht. Der Life Saving Club Burning Palms dürfte das wohl gemütlichste Clubhaus in New South Wales haben. Einsame Strände sind immer wieder der Wahnsinn und verführen Kinder wie Erwachsene zum Springen. Es gibt Känguruhs im Royal National Park, ein besonders hübsches Exemplar lässt sich auch von unseren lauten Entzückungsschreien nicht beim Fressen stören. Ein Palmenwald ist ungewöhnlich, vor allem weil es in den trockenen Palmenfächern unheimlich knistert. Irgendwo im Palmendschungel gibt es Diamantpythons – was uns davon abhält, beim Gehen nach den von den Bäumen hängenden Lianen zu greifen. Die Ausblicke von oben sind die besten, und man sieht an klaren Tagen wirklich weit die Küste entlang. Lustiger als eine Wanderung alleine ist eine Wanderung in der Gruppe. Abendsonne macht das schönste Licht. Und wir sind mal wieder verliebt in den Royal National Park.

BBQ leichtgemacht: In Australien kann man wirklich immerzu und überall grillen, die nötigen Vorrichtung stehen in den meisten öffentlichen Parks kostenlos zur Verfügung.
BBQ leichtgemacht: In Australien kann man wirklich immerzu und überall grillen, die nötigen Vorrichtung stehen in den meisten öffentlichen Parks kostenlos zur Verfügung.
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Das Clubhaus des Burning Palms Life Saving Clubs liegt wirklich idyllisch. Und von hier eröffnen sich Blicke bis hinunter nach Wollongong.
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Da gehen Herzen auf – entlang des Weges blühen hunderte wilde Calla.
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Wie kann man denn am Boden bleiben, wenn der Himmel strahlend blau und der Strand ganz einsam ist?
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Und siehe da, unser Känguruh-Flüsterer Mario bringt uns Glück! Dieser kleine Kerl lässt sich jedenfalls nicht stören beim Fressen… wir begutachten ihn lange, und er begutachtet uns ebenso ausführlich zurück.
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What a Sunday! Da fällt es nicht schwer, an den Lachfältchen zu arbeiten.
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Der Weg führt durch unterschiedlichste Vegetation – diese Büsche sind besonders beliebt bei Schlangen, die sich darin gut verstecken können und trotzdem viel Sonne abbekommen. Wichtigste Regel deshalb: immer auf den Wegen bleiben!
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Mitten hinein in die Abendsonne. Und wieder neigt sich ein wunderbares Wochenende dem Ende zu… Auf in eine neue Arbeitswoche, wenn auch in eine kurze! Am Freitag fliegen wir für’s Wochenende nach Cairns.

Buschwanderung: Von Wattamolla zum Marley Beach

„Es gibt nur wenige unberührte und natürlich belassene Strände rund um Sydney, aber Marley Beach ist einer davon. Die Brandung hier ist gefährlich, und die Sanddünen, die hinter Marley Beach liegen, werden vom Wind unentwegt verschoben und verändert.“

Diese Beschreibung in unserem Wanderführer klingt so, als würde uns unser heutiges Ausflugsziel sehr gut gefallen. Und tatsächlich: Wir entdecken neue Lieblingsplätze im Royal National Park und verbringen einen wunderschönen, sonnigen, warmen Wintertag im Freien. Doch von vorne…

Es ist noch früh als wir in Wattamolla ankommen – das ist der Strand, über den wir schon mehrfach berichtet haben. Heute wollen wir aber nicht hier bleiben, sondern zum Marley Beach wandern. Der Ausdruck „Bushwalk“, den die Australier liebend gerne benutzen, beschreibt die erste Hälfte unserer Wanderung tatsächlich perfekt. Wir wandern durch Buschland, schauen über niedrige Banksiasträucher mit ihren dicken orangen Dolden hinaus auf scheinbar unendliche Wälder und fragen uns angesichts des tiefblauen Himmels und der milden Temperaturen, wo denn der Winter geblieben ist. Alles scheint zu blühen: Die Sträucher tragen neongelbe, zartviolette, schneeweiße Blüten. Fuchsien, Wachsblumen und Buschiris säumen den Weg. Die Blütendüfte erfreuen natürlich auch die vielen Vögel. Noch nie haben wir so viele Honeyeater (Honigfresser) auf einem Fleck gesehen!

Wir marschieren einen staubigen Fire Trail entlang, bis an einer Abzweigung der Deer Pool (Rotwild Schwimmbecken) ausgeschildert sind. Zwar liegt er nicht auf unserer Route, aber weil’s so schön ist, nehmen wir den Umweg gerne in Kauf. Und es lohnt sich – wir können uns ein erfrischendes Bad im Sommer lebhaft vorstellen. Es gibt hier, inmitten von Buschland und Wald, sogar einen kleinen Sandstrand, an dem man ganz hervorragend grillen oder sogar zelten könnte. Und weil wir gerade auf Inspirationssuche sind (immerhin haben sich inzwischen einige Besucher angemeldet, denen wir unsere schöne neue Heimat natürlich von der besten Seite zeigen wollen), landet dieser Platz auf unserer „Unbedingt Anschauen!“-Liste.

Zurück auf dem Hauptpfad, wo die Ausblicke besser und vor allem weiter sind, entdecken wir mit Schrecken einige gar nicht so harmlose Wolkenberge gar nicht so weit entfernt. Zudem ist ein Wind aufgekommen, der die dunkelgrauen Gewitterschwaden direkt in unsere Richtung zu treiben scheint. Von Blitz, Donner und Niederschlag war im Wetterbericht gar keine Rede – vorausgesagt war ein bewölkter Tag, allerdings mit einer Regenwahrscheinlichkeit von nur 20%. Doch wenn die Temperaturen im Juli 8 Grad über dem Durchschnitt liegen, dann passt ein Sommergewitter natürlich auch gut in einen allzu sommerlichen Tag.

Und so kommt’s, dass wir wie geplant genau um die Mittagszeit Marley Beach erreichen, unser Picknick aber unter den überhängenden Felsen am Ende des Strands verspeisen müssen. Aber wer will sich denn beklagen – immerhin kommt gleich nach der rund viertelstündigen Pause schon wieder die Sonne raus. Wir nutzen die Gelegenheit und erkunden die Lagune, die hinter dem Strand liegt. Hohe Sanddünen laden geradezu zum Herumrennen und Hüpfen ein. Wir schießen Foto um Foto und genießen die außergewöhnliche Landschaft – und machen uns dann um einen „Unbedingt Anschauen!“-Listeneintrag reicher auf den Rückweg.

Der soll uns nicht durch’s Buschland im Landesinneren, sondern den Klippen entlangführen. Fazit: Dieser Walk wird mit jedem Meter spektakulärer! Das Panorama ist wirklich atemberaubend, die Vielfalt der Landschaften – Pools im Wald, hohe Sanddünen, unberührte Strände, tiefrot gefärbte Sandsteine, hohe ins Meer abfallende Klippen – ist unglaublich. Als wir nach rund 5 Stunden Wanderung wieder am Auto ankommen, sind wir erschöpft, nicht nur körperlich, sondern vor allem auch mental. Die Eindrücke müssen erst mal verarbeitet werden. Zur Entspannung machen wir auf der Rückfahrt nach Sydney noch Stopp bei unseren besonderen Freunden, den Gelbhaubenkakadus in Audley. Die scheinen im Winter definitiv ausgehungerter als im Sommer und im Herbst, und beharren darauf, dass wir eine halbe Packung Toast an sie verfüttern (obwohl wir uns sehr wohl bewusst sind, dass das den Tieren nicht gut tun kann, können wir uns gegen Schnäbel, die uns in Hände, Schultern und Ohren picken, einfach nicht anders wehren). Ausgehungerte freche Kakadus: definitiv auch ein „Unbedingt Anschauen!“

Es ist wirklich schwer, so viel Schönheit auf einem Foto einzufangen… Das merkt man auch an der Auswahl der heutigen Bilder – wir konnten uns einfach nicht entscheiden, und laden deshalb einfach ein paar mehr hoch. In diesem Sinne: Viel Spaß beim Bilder-Schauen!

Dieses Buschland durchqueren wir - wenigstens 10 Kilometer davon. Und fühlen uns schon gleich beim Start wie die Könige der Welt!
Dieses Buschland durchqueren wir – wenigstens 10 Kilometer davon. Und fühlen uns schon gleich beim Start wie die Könige der Welt!
Über Stock und Stein und Bäche führt der Wanderweg durchs Hinterland. Gut für die Fitness, gut für die Laune!
Über Stock und Stein und Bäche führt der Wanderweg durchs Hinterland. Gut für die Fitness, gut für die Laune!
Viele Büsche und Sträucher stehen in voller Blüte. Auch wo man es nicht vermutet - nämlich auf staubtrockener Erde - wachsen Blumen, hier eine Busch-Iris.
Viele Büsche und Sträucher stehen in voller Blüte. Diese Busch-Iris wächst aus staubtrockener Erde.
Die Deer Pools bieten im Sommer sicher willkommene Gelegenheit für eine Abkühlung. Im Winter genießt man am besten einfach die Stille und die warmen Sonnenstrahlen.
Der Deer Pool bietet im Sommer sicher willkommene Gelegenheit für eine Abkühlung. Im Winter genießt man am besten einfach die Stille und die warmen Sonnenstrahlen.
Ständige Begleiter auf dem Weg: die New Holland Honeyeater. Das beeindruckendste an diesen Nektarfressern sind ihre glasblauen Augen - und die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der sie sich auf den nächsten Banksia-Strauch stürzen.
Ständige Begleiter auf dem Weg: die New Holland Honeyeater. Das beeindruckendste an diesen Nektarfressern sind ihre glasblauen Augen – und die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der sie sich auf den nächsten Banksia-Strauch stürzen.
Aber auch zahlreiche andere Vogelarten tummeln sich in den Büschen entlang des Weges. Leider konnten wir noch nicht herausfinden, wie dieser kleine Geselle heißt.
Aber auch zahlreiche andere Vogelarten tummeln sich in den Büschen entlang des Weges. Leider konnten wir noch nicht herausfinden, wie dieser kleine Geselle heißt.
Nach rund zweieinhalb Stunden erreichen wir Marley Beach, einen kleinen unberührten Sandstrand, der nur zu Fuß erreichbar ist.
Nach rund zweieinhalb Stunden erreichen wir Marley Beach, einen unberührten Sandstrand, der nur zu Fuß erreichbar ist.
Hinter dem Strand liegen Sanddünen, die vom Wind immer wieder verschoben und neu geschichtet werden. Die dunklen Wolken im Hintergrund sorgen für eine viertelstündige "Regenzeit", genau als wir unser Mittagessen auspacken.
Hinter dem Strand liegen Sanddünen, die vom Wind immer wieder verschoben und neu geschichtet werden. Die dunklen Wolken im Hintergrund sorgen für eine viertelstündige „Regenzeit“ beim Mittagessen.
Nach dem Essen herrscht dann wieder eitel Sonnenschein, und wir können gar nicht genug bekommen von der Wüstenlandschaft unterm tiefblauen Himmel.
Nach dem Essen herrscht dann wieder eitel Sonnenschein, und wir können gar nicht genug bekommen von der Wüstenlandschaft unterm tiefblauen Himmel.
Am frühen Nachmittag machen wir uns auf dem Heimweg, der uns an der Küste entlang führt.
Am frühen Nachmittag machen wir uns auf dem Heimweg, der uns an der Küste entlang führt.
Die Landschaft ist höchst abwechslungsreich: Flüsse, die ins Meer fließen...
Die Landschaft ist höchst abwechslungsreich: Flüsse, die ins Meer fließen…
...und Blumenteppiche, die den Sand am Little Marley Beach, also der kleinen Schwester unseres neuentdeckten Traumstrandes, bedecken.
…und Blumenteppiche, die den Sand am Little Marley Beach, also der kleinen Schwester unseres neuentdeckten Traumstrandes, bedecken.
Dann wieder Felsen, die dem Übernamen Australiens alle Ehre machen: Der Rote Kontinent zeigt sich hier im Royal National Park von seiner besten Seite.
Dann wieder Felsen, die dem Übernamen Australiens alle Ehre machen: Der Rote Kontinent zeigt sich hier im Royal National Park von seiner besten Seite.
Der Kakadu-Flüsterer. Ein paar Scheiben Toastbrot machen's möglich!
Der Kakadu-Flüsterer. Ein paar Scheiben Toastbrot machen’s möglich!