Frühlingszeit ist Drachenzeit

Fliegende Wale, zwei Aliens, unzählige Regenbögen tummeln sich am Himmel über Bondi Beach. Bunte Oktopusse wackeln mit ihren Tentakeln, ein pinkes Schweinchen schaut hinaus auf das Meer. Hier in Sydney ist nicht der Herbst, sondern der Frühling die Zeit zum Drachen-Steigen-Lassen. Jedes Jahr im September findet das Festival of the Winds statt, und wir freuen uns bereits seit Wochen darauf. Leider ist heute auch der erste Tag seit Wochen, an dem sich der Himmel nicht strahlendblau und wolkenlos zeigt. Doch wenigstens bringen die Drachen in allen Farben und Formen etwas Farbe in den grauen Tag. Am Ende zeigt sich Bondi so, wie wir es lieben: bunt, sonnig und voll mit gut gelaunten Menschen (und die Gewitterwolken haben sich auch verzogen…).

IMG_5616

IMG_5583

IMG_5604

IMG_5585

IMG_5582

IMG_5534

IMG_5574

IMG_5569

Der Winter ist da… und magisch

Lange hat der Winter auf sich warten lassen, bei nahezu ungetrübtem Sonnenschein und ungewöhnlich hohen Temperaturen – aber jetzt sind wir mittendrin in der kalten Jahreszeit. Auf Blättern und Fenster glitzert der Morgentau, es wir schon gegen 5 Uhr abends finster und in unserer Wohnung ist es wirklich eiskalt. Die Häuser hier sind nicht isoliert, die einfachen Fenster schützen nicht vor der Kälte und wir haben auch keine Heizung. So kommt’s, dass wir hier auf der Couch sitzen, ein Elektroheizkörper steht vor Stefan und Ingrid hält ihre Wärmflasche fest umklammert. Damit auch keiner auf falsche Gedanken kommt: nein, hier schneit es nicht. Zur Zeit hat es nachts zwischen 7 und 8 Grad Celsius, untertags klettert das Barometer auf 14 bis 16 Grad.

Gestern haben wir beschlossen, dem Winter unsere Ehre zu erweisen und sind nach Katoomba gefahren, der größten Stadt in den Blue Mountains (und Ausblickspunkt auf die Three Sisters, wir haben den Ort in unserem 2009 Reiseblog schon mal beschrieben). Das dort alljährlich abgehaltene Blue Mountains Winter Magic Festival ist im Wesentlichen ein großer Jahrmarkt, oder auf gut österreichisch Kirtag. Es gibt Zuckerwatte, geröstete Mandeln, Paella, nepalesische Dumplings, Burger, Chips on a Stick (eine Kartoffel, die auf einen Spieß gesteckt, in Scheiben geschnitten und frittiert wird), Cupcakes und allerlei unaussprechliche Köstlichkeiten. Am allerbesten aber hat der heiße Chai Tee geschmeckt – in Katoomba ist nämlich wirklich Winter. Verkaufsstände säumen die Hauptstraßen, angeboten werden Kleidungsstücke (sehr alternativ), Schmuck, Honig, Windspiele aus alten Teekannen und Besteck, Lederwaren, Strickhauben/Strickschals/Strickhandschuhe, Teppiche, gefilztes Spielzeug und allerlei Krimskrams.

So weit, so gut – aber worin sich das Festival in Katoomba hier wirklich von einem Kirtag in Österreich unterscheidet, ist das Publikum. Ohne es genau zu wissen, würden wir darauf tippen, dass in Katoomba vor allem alternative ältere Menschen und aufgeschlossene junge Familien wohnen. Die Einheimischen scheinen zu 90 Prozent verkleidet zu sein (was bei den Temperaturen sehr praktisch ist. Wenn man einen Wetsuit anzieht, und darüber zwei, drei, vier Schichten bunte gefilzte Umhänge, und dazu eine sehr ausgefallenen Strickmütze, dann friert man garantiert weniger). Die Community wird hier großgeschrieben. An der Parade, einem Umzug durch die Stadt, beteiligen sich der Kinderhort, die Bauchtanzgruppe, die Inhaber eines neuen Restaurants, die Gegner von Jagd im Nationalpark, die Grundschule, die Jugendlichen, die Steampunk Bewegung Katoombas, die Polizeimusikkapelle, die Omas, die Eltern, die Kinder, die Alleinstehenden. Es ist bunt und lustig. Jeder hat sich in Kostüme gezwängt, die auch zur Persönlichkeit zu passen scheinen. Und jeder ist hier willkommen.

Der Winter wird magisch, scheint die Botschaft zu sein. Der Winter kann kommen und wir sind bereit. Auch wenn’s im Winter neblig und grau wird, wir hellen die Tage auf. Und überhaupt: es geht ja schon wieder aufwärts, die Sonnenwende war vorgestern, und ab jetzt scheint die Sonne wieder jeden Tag länger.

Verkaufsstände säumen die Hauptstraßen von Katoomba, und tausende Menschen genießen den (eiskalten) Tag.
Verkaufsstände säumen die Hauptstraßen von Katoomba, und tausende Menschen genießen den (eiskalten) Tag.
Hier wird jede Menge Krimskrams verkauft, zum Beispiel diese Windspiele aus altem Besteck und blechernen Teekannen. Doch die wahre Attraktion beim Magic Winter Festival sind die Menschen.
Hier wird jede Menge Krimskrams verkauft, zum Beispiel diese Windspiele aus altem Besteck und blechernen Teekannen. Doch die wahre Attraktion beim Magic Winter Festival sind die Menschen.
Wenn die Blue Mountains im Winter grau und neblig sind, dann übernehmen es halt die Menschen, Farbe in den Alltag zu bringen. Diese Gruppe hier singt und spielt für ein Community-Café, das in Kürze eröffnet wird.
Wenn die Blue Mountains im Winter grau und neblig sind, dann übernehmen es halt die Menschen, Farbe in den Alltag zu bringen. Diese Gruppe hier singt und spielt für ein Community-Café, das in Kürze eröffnet wird.
IMG_2258
Das coolste Kostüm des Tages: Das Mädchen, das sich als Bender aus Futurama verkleidet hat, nimmt zwar nicht an der Parade teil. Aber alle Paradeteilnehmer wollen ein Foto mit dem selbstverliebten, unmoralischen Roboter aus der in Australien sehr beliebten Fernsehserie machen.
IMG_2316
Die Zwei sind nicht nur super verkleidet, sondern auch sehr gute Schauspieler.
IMG_2368
Ich glaub, mich tritt ein Pferd…
Ein Regenbogen in Violett. Es bleibt die Frage: wo kann man nur so viele pinke, violette, lila Kleider kaufen?
Ein Regenbogen in Violett. Es bleibt die Frage: wo kann man nur so viele pinke, violette, lila Kleider kaufen?
IMG_2396
Irgendjemand muss das Ganze ja ernst nehmen. Dieser Herr schaut keine Sekunde lang fröhlicher drein. Aber die Mimik passt ja auch ganz wunderbar zum Zylinder und den supercoolen Sonnenbrillen.
IMG_2410
Steampunk ist eine Subkultur, die moderne und futuristische Technik mit Materialien und Kleidungsstücken aus dem viktorianischen Zeitalter verknüpft. Dieses Paar ist etwas extrem – die Steampunker ohne Gesichtsstrumpf schauen sehr viel freundlicher aus!