Monkey Mia, oder: Pure Paradise

Drei Tage lang waren wir von der Außenwelt abgeschnitten, und diese drei Tage haben wir wahrlich im Paradies verbracht. Die Shark Bay zieht sich von Kalbarri nach Carnarvon, und besteht im Wesentlichen aus einem Marineschutzgebiet, in das zwei Halbinseln hineinragen. Auf einer dieser Halbinseln liegt das Städtchen Denham, und rund 26 Kilometer davon entfernt der Touristenmagnet Monkey Mia. Hier kommen seit über 50 Jahren Indo-Pazifische Große Tümmler, sprich: Delfine, ganz nahe ans Ufer und nehmen dankbar jeden Fisch an, den sie von Menschen gefüttert bekommen. Während die Geschichte relativ harmlos begonnen hat (nämlich damit, dass an diesem wirklich wunderschönen Fleckchen ein Campingplatz errichtet wurde, und die hellauf begeisterten Touristen im Shop Kübel voll Fisch zum Verfüttern an die Delfine kaufen konnten), hat sich über die Jahre natürlich entwickelt – zum Positiven für die Delfine, zum Negativen (auch wenn dieses Wort hier nicht wirklich angebracht ist) für den Menschen.

Denn heute ist die Fütterung der Meeressäuger streng reglementiert, es bekommen nur fünf ältere Weibchen Fressen, und auch diese nur einen kleinen Snack. Fünf bis sieben Fische werden täglich an die Delfinweibchen verfüttert, das ist wirklich nur ein Häppchen wenn man bedenkt dass die Tiere am Tag zwölf Kilo Fisch zum Überleben brauchen! Diese Maßnahmen dienen natürlich dem Schutz der Delfine – denn wenn sich diese zu sehr an den Menschen und an den „easy snack“ gewöhnen, nehmen sie völlig unnatürliche Verhaltensweisen an und lungern stundenlang am Strand herum, obwohl sie zum Säugen der Jungen alle zehn bis fünfzehn Minuten ins tiefere Wasser hinausschwimmen müssen.

Nichtsdestotrotz ist die tägliche Delfinfütterung ein Erlebnis, das jährlich tausende Schaulustige anlockt. Und mit den Touristenmassen kam natürlich die Kommerzialisierung und Weiterentwicklung der Infrastruktur. Das „Monkey Mia Tourist Resort“ ist ziemlich groß, überteuert, nicht gerade idyllisch (wenigstens die Facilities, also Klos, Stellplätze, Bungalows) und vor allem zur ersten Delfinfütterung um 7:45 Uhr morgens drängen sich bis zu 150 Menschen am Ufer. Seltsamerweise hält sich trotz der „Nationalparksgebühr“ (Eintritt!) von 8,50 Dollar kaum einer bis zur zweiten und dritten Fütterung auf. Diese ist dann schon viel intimer, und Ingrid hat sogar das Glück, bei der Fütterung ausgewählt zu werden, und der Delfindame Puck einen Fisch reichen zu dürfen.

Aber die wahre Attraktion offenbart sich uns am späten Nachmittag (wir beschließen nämlich, ein oder zwei Nächte hier zu verbringen – das Meer ist wirklich ein Traum). Als wir nichtsahnend hinuntergehen zum Strand, schwimmen dort nur wenige Meter vom Ufer entfernt drei Delfine entlang. Gekonnt jagen sie kleine Fische ins seichte Wasser, wo sie sie dann verspeisen. Wir gehen zum Baden ins Meer, und die Delfine? Bleiben einfach da, begutachten uns, begleiten uns sogar auf unserem Spaziergang den Strand entlang. Dann sehen wir Meeresschildkröten, trinken ein Gläschen Wein auf einem Segelboot zum Sonnenuntergang und versuchen nachts an einem unglaublichen Sternenhimmel, das Sternbild Orion zu identifizieren. Solche Erlebnisse sind es, die Freudentränen in die Augen treiben, Münder offen stehen lassen und uns wieder mal vor Augen führen, wie wunderwunderschön der Planet ist, auf dem wir leben!

Die Delfine von Monkey Mia - egal wieviele Meeressäuger morgens an den Strand kommen, gefüttert werden immer die gleichen fünf älteren Weibchen (die bereits "geschädigt" sind durch die Fütterung durch Menschenhand).
Die Delfine von Monkey Mia – egal wieviele Meeressäuger morgens an den Strand kommen, gefüttert werden immer die gleichen fünf älteren Weibchen (die bereits „geschädigt“ sind durch die Fütterung durch Menschenhand).
Bis zu drei Fütterungen gibt es über den Vormittag verteilt. Während bei der ersten bis zu 150 Schaulustige auf die Meeressäuger warten, klingt das Zuschauerinteresse bei der zweiten und dritten Fütterung seltsamerweise merklich ab.
Bis zu drei Fütterungen gibt es über den Vormittag verteilt. Während bei der ersten bis zu 150 Schaulustige auf die Meeressäuger warten, klingt das Zuschauerinteresse bei der zweiten und dritten Fütterung seltsamerweise merklich ab.
Haialarm? Für uns schauen die Flossen beinahe identisch aus - jedenfalls würden wir das Wasser sehr schnell verlassen, wenn aus dem Nichts plötzlich eine solche Flosse auftauchen würde...
Haialarm? Für uns schauen die Flossen beinahe identisch aus – jedenfalls würden wir das Wasser sehr schnell verlassen, wenn aus dem Nichts plötzlich eine solche Flosse auftauchen würde…
Aber nein, keine Angst - ich bin's nur, die freundliche Delfindame Puck! :-)
Aber nein, keine Angst – ich bin’s nur, die freundliche Delfindame Puck! :-)
Und nachmittags, einfach so... schwimmen wir plötzlich mit den Delfinen, beziehungsweise sie mit uns. Denn nachkommen würden wir den sehr wendigen Tieren bestimmt nicht. Aber für ein Delfinselfie nehmen sie sich Zeit!
Und nachmittags, einfach so… schwimmen wir plötzlich mit den Delfinen, beziehungsweise sie mit uns. Denn nachkommen würden wir den sehr wendigen Tieren bestimmt nicht. Aber für ein Delfinselfie nehmen sie sich Zeit!
Was gibt's denn sonst noch so für Getier hier? Meeresschildkröten, die sich ab und zu an die Wasseroberfläche bequemen.
Was gibt’s denn sonst noch so für Getier hier? Meeresschildkröten, die sich ab und zu an die Wasseroberfläche bequemen.
Und auf dem ganzen Campingplatz: Emus. Wir haben diese riesigen Vögel ja bereits in freier Wildbahn gesehen, aber hier auf dem Campingplatz sind sie allgegenwärtig...
Und auf dem ganzen Campingplatz: Emus. Wir haben diese riesigen Vögel ja bereits in freier Wildbahn gesehen, aber hier auf dem Campingplatz sind sie allgegenwärtig…
Und frech obendrein! Gibt's was zum Fressen bei euch da drinnen? Wie reagiert man denn bloß, wenn auf einmal ein Emu einfach mal im Wohnwagen vorbeischaut?
Und frech obendrein! Gibt’s was zum Fressen bei euch da drinnen? Wie reagiert man denn bloß, wenn auf einmal ein Emu einfach mal im Wohnwagen vorbeischaut?

Was sonst noch geschah…

Tierisch... In Kalbarri, einem netten kleinen Küstenstädtchen weiter südlich, stolzieren Pelikane zur morgendlichen Fütterung. Ingrid hält Abstand, denn die Viecher sind zwar nicht gefährlich, aber sooo groß!
Tierisch… In Kalbarri, einem netten kleinen Küstenstädtchen weiter südlich, stolzieren Pelikane zur morgendlichen Fütterung. Ingrid hält Abstand, denn die Viecher sind zwar nicht gefährlich, aber sooo groß!
Hier zum Vergleich: Der nicht gerade klein geratene Stefan und ein männlicher Pelikan. Perspektive spielt hier (fast) keine Rolle...
Hier zum Vergleich: Der nicht gerade klein geratene Stefan und ein männlicher Pelikan. Perspektive spielt hier (fast) keine Rolle…
Manchmal muss es abgeschieden sein... Wie hier, als wir auf einer Steilklippe, dem Eagle Bluff in Shark Bay, in der Wildnis campen. Windböen, keine Toiletten oder Duschen, aber dafür der unglaublichste Sternenhimmel inklusive Milchstraße!
Manchmal muss es abgeschieden sein… Wie hier, als wir auf einer Steilklippe, dem Eagle Bluff in Shark Bay, in der Wildnis campen. Windböen, keine Toiletten oder Duschen, aber dafür der unglaublichste Sternenhimmel inklusive Milchstraße!
Abendessen gibt's wegen des Windes auf dem Fahrer- und Beifahrersitz, dafür aber mit Blick auf den Sonnenuntergang. Und morgens Kaffee direkt auf den Dünen, und Sonnenaufgang auch.
Abendessen gibt’s wegen des Windes auf dem Fahrer- und Beifahrersitz, dafür aber mit Blick auf den Sonnenuntergang. Und morgens Kaffee direkt auf den Dünen, und Sonnenaufgang auch.
Das nennen wir camping with a view! Und das Beste: Wir haben diese Ausblicke ganz für uns alleine!
Das nennen wir camping with a view! Und das Beste: Wir haben diese Ausblicke ganz für uns alleine!