Alles hat ein Ende…

Über 8.500 gefahrene Kilometer, 37 Tage, 2 australische Bundesstaaten, sieben Nationalparks, 3 “Camping-Pausen-Übernachtungen” in Hotels und 11.117 Fotos (unsortiert)…
Unsere Reise durch Western Australia und das Northern Territory geht dem Ende zu, und in neun Tagen haben wir schon wieder europäischen Boden unter den Füßen. Noch ist es zu früh, die Eindrücke zusammen zu fassen (und im Moment sind wir auch ganz damit beschäftigt, unseren viertägigen Zwischenstop in Singapur zu planen).
Aber soviel ist gewiss: Diese Reise war ein einmaliges Erlebnis, eine Reise die uns bereichert hat, auf der wir viel über uns und diesen wunderbaren Kontinent Down Under gelernt haben, und eine notwendige Auszeit vom Alltag.
Wir werden unsere Reise von Perth nach Darwin natürlich noch einmal zusammenfassen in den nächsten Wochen, aber zuerst brauchen wir Zeit unsere Fotos, Notizen und Gehirne zu ordnen.

Deshalb ist dieser Bericht auch ganz den Tagen gewidmet, die hinter uns liegen.
Wir haben nach unserer wunderschönen Bootstour mit Greg am Lake Argyle die Grenze überquert. Seltsam für uns verwöhnte Europäer, die in fünf Stunden fünf Grenzen überqueren können, ohne einmal nach dem Pass gefragt zu werden. Denn plötzlich steht da mitten im Nirgendwo ein Grenzposten (der jetzt in der Wet Season allerdings nicht besetzt ist), an dem man anhalten und sich zwar nicht ausweisen, aber alle frischen Lebensmittel – sprich: Obst und Gemüse – entsorgen muss. Wir essen zwar Salat und Äpfel brav auf bevor wir Western Australia verlassen, schmuggeln aber unwissentlich einen Pfirsich über die Grenze. Um der gefürchteten Fruchtfliege, die es im Northern Territory noch nicht gibt, keine Chance zu geben, wickeln wir den Pfirsich in Katherine in ein Plastiksackerl und werfen ihn in den Müll (der Pfirsich wäre allerdings ohnehin bereits ungenießbar gewesen – die Hitze im Camper hat ihn einfach dorren lassen).

Danke für die schöne Zeit Western Australia! Und ab geht's über die "Grenze" in's Northern Territory...
Danke für die schöne Zeit Western Australia! Und ab geht’s über die „Grenze“ in’s Northern Territory…

Unser erster Stopp im Northern Territory ist Katherine. Doch leider sind die Hot Springs, von denen die Krankenschwestern in Derby so geschwärmt haben, geschlossen. Nicht wegen Dürre, Überflutung oder Krokodilen – nein, die Quellen werden gereinigt! Wir sind inzwischen ja an CLOSED Schilder allerorten gewöhnt, und nachdem wir schon tausende Kilometer auf dem Buckel haben, machen diese paar auch nichts mehr aus. Und so fahren wir eine Stunde nach Süden Richtung Alice Springs, um in Mataranka in den Hot Pools zu plantschen. Diese sind spektakulär blau und spektakulär vereinsamt. Wo in der Dry Season hunderte Touristen aufeinander sitzen, sind wir schon wieder ganz alleine und nutzen die Zeit um Sprung- und Schwimmbilder zu machen.

Blau, blau, blau ist der Pool im Wald... Und wir haben das Schwimmbecken wieder einmal ganz für uns allein!
Blau, blau, blau ist der Pool im Wald… Und wir haben das Schwimmbecken wieder einmal ganz für uns allein!

Doch noch besser als der Pool sind die Bitter Springs: Ein Bach mitten im Wald, der auf den ersten Blick zwar schwarz ausschaut  (wegen des Seegrases, das am Grund wächst), sich bei genauerem Hinschauen aber als unglaublich klarer Wasserlauf entpuppt. Und das beste? Man steigt in den Fluss ein, lässt sich rund 300 Meter von der Strömung treiben, und kann dann über Treppen wieder aus dem Bach klettern. Wunderbar!

Einfach so in einen Bach im Urwald zu schwimmen ist schon etwas unheimlich. Aber sobald wir im Wasser sind so schön!
Einfach so in einen Bach im Urwald zu schwimmen ist schon etwas unheimlich…

Am folgenden Tag machen wir Touristenprogramm und eine eher langweilige Bootstour durch die Katherine Gorge, bevor es weiter geht hinauf in den Kakadu National Park. Als wir am Morgen aufwachen, regnet es, und die Wolken scheinen ziemlich permanent: Kakadu Schnürlregen…

In Katherine ist das Wetter noch schön und wir tuckern durch die lokale Gorge, die zwar ganz nett ist, uns aber nach den Schluchten die wir bereits erwandert haben, nicht mehr vom Hocker stößt.
In Katherine ist das Wetter noch schön und wir tuckern durch die lokale Gorge, die zwar ganz nett ist, uns aber nach den Schluchten die wir bereits erwandert haben, nicht mehr vom Hocker stößt.
Schwarze Wolken, Regenzeit. Zum Glück haben wir wie die Schnecke unser Haus immer mit dabei...
Und dann Kakadu. Schwarze Wolken, Regenzeit. Zum Glück haben wir wie die Schnecke unser Haus immer mit dabei…
Unangenehme Nebenerscheinung des Regens: Die herrliche Abkühlung weckt die Lebensgeister in den Schlangen. Und wenn die Campingplatz-Verwaltung von Schlangen spricht, dann meint sie meterlange Pythons...
Unangenehme Nebenerscheinung des Regens: Die herrliche Abkühlung weckt die Lebensgeister in den Schlangen. Und wenn die Campingplatz-Verwaltung von Schlangen spricht, dann meint sie meterlange Pythons…

Wir setzen uns ins Auto und tun, was man am besten tut bei Regen, nämlich einfach mal weiter fahren Richtung Sonnenschein. Pünktlich zum Mittagessen kommen wir in Darwin, der Hauptstadt des Northern Territory, an und genehmigen uns in einem asiatischen Restaurant erstmal eine wärmende Laksa (nicht dass es kalt wäre! Hier hat es trotz Regen Temperaturen um ca. 30 Grad, aber die malaysische Kokosnuss-Suppe gehört zu unseren absoluten Lieblingsspeisen.). Dann decken wir uns mit Kaffee, Schokolade und einem Singapur Reiseführer ein, und machen es uns im Camper gemütlich.

Ein Fläschchen Wein muss her um uns den verregneten Nachmittag im Camper zu versüßen. Und so schaut ein australischer "Drive Through Bottle Shop" aus. Wer genau weiß was er will kann einfach nur im Auto sitzen bleiben...
Ein Fläschchen Wein muss her um uns den verregneten Nachmittag im Camper zu versüßen. Und so schaut ein australischer „Drive Through Bottle Shop“ aus. Wer genau weiß was er will kann einfach nur im Auto sitzen bleiben…

Darwin muss erst noch entdeckt werden, wir haben ja noch drei Tage dort, aber das was wir sehen, ist ziemlich ambivalent. Die Parap Märkte sind ein Hit – wir fühlen uns zurückversetzt nach Indonesien, und wenn wir es nicht besser wüssten würden wir schwören dass wir in Ubud sind. Hier gibt’s exotische Früchte, südostasiatische Essensstände, nicht identifizierbare Süßspeisen aus klebrigem Reis und eine alte thailändische Oma, die die seltsamsten Gewürze in ihrem Mörser verarbeitet.

Australien oder Indonesien? Die Nähe zu Bali ist hier unübersehbar...
Australien oder Indonesien? Die Nähe zu Bali ist hier unübersehbar…

Sehr surreal auch die Fischfütterung: Hunderte Fische schwimmen um unsere Beine als wir Brotstücke ins Wasser halten, mondförmige Fische tauchen plötzlich aus der Tiefe auf und wir wissen nicht recht was wir von dieser Institution Darwins (Fish Feeting at Doctor Gully) halten sollen.

Eine Darwiner Institution: die Fischfütterung bei High Tide (Flut).
Eine Darwiner Institution: die Fischfütterung bei High Tide (Flut).
Und plötzlich taucht er aus der Tiefe aus...
Und plötzlich taucht er aus der Tiefe auf…
Der MONDFISCH! Wenigstens nennen wir ihn so, weil er uns wirklich etwas an den Vollmond erinnert :-)
Der MONDFISCH! Wenigstens nennen wir ihn so, weil er uns wirklich etwas an den Vollmond erinnert :-)

Am Nachmittag fahren wir in den Crocodylus Park, und während die Croc Show, Fütterung und die Baby-Crocs ganz cool sind, ist der Rest des Parks ein Schock. Hier hat der Besitzer einer Krokodil-Farm, auf der Krokodile gezüchtet werden zur Fleisch- und Lederherstellung, wohl versucht, ganz nebenbei auch einen Zoo aufzuziehen. Zu Krokodilhaltung kann man stehen wie man will (im Prinzip gleicht das Ganze sehr einem Kuhstall, nur dass diese Tiere halt etwas gefährlicher sind). Aber dass hier Strauße auf engstem Raum gehalten werden, Tiger in ganz kleinen Gehegen vegetieren und eine majestätische Hawksbill Schildkröte in einem lächerlich kleinen und seichtem Schwimmbecken ein sehr trauriges Bild abgibt, veranlasst uns dazu, den Park auf der Stelle zu verlassen.

Tags darauf versuchen wir unser Glück nochmal im Kakadu National Park. Leider ist hier während der Regenzeit tatsächlich fast jede Zufahrt geschlossen. Die zugänglichen Felsmalereien sind aber der Hit – hier haben sich tatsächlich Aboriginal-Künstler ausgetobt.

Felsmalereien aus unterschiedlichen Epochen: Während diese Jagdszene sehr einfach gehalten ist...
Felsmalereien aus unterschiedlichen Epochen: Während diese Jagdszene sehr einfach gehalten ist…
...finden wir in dieser Darstellung von Figuren aus verschiedenen Legenden immer wieder neue Details.
…finden wir in dieser Darstellung von Figuren aus verschiedenen Legenden immer wieder neue Details.
Herrlich, so ein weiter Horizont!
Der Blick vom Lookout ist auch nicht von schlechten Eltern. Herrlich, so ein Horizont!

Für den nächsten Morgen buchen wir eine Yellow Waters Boat Tour. Aboriginal Guide Dennis ist eine Fundgrube an altem Wissen, kennt alle Tiere und Geschichten, weiß wie man Lotuswurzeln in krokodilverseuchten Gewässern sammelt, erzählt uns vom Punishment Tree (als Kind wurden er und seine Freunde von den Community-Ältesten oft dorthin geschickt zum Spielen, und seltsamerweise plagte die Kinder nach diesen Ausflügen ein beinahe unerträglicher Ausschlag. Erst als junger Erwachsener und frischgebackener Vater wurde Dennis eingeweiht: Die Blätter dieses Baums verursachen ein starkes Jucken, und wenn Kinder ungehorsam sind, werden sie als Strafe zum Baum “zum Spielen” geschickt) und vom Gelbhauben-Kakadu, der auf seinem Seitenspiegel sitzend mit ihm nach Hause gefahren war.

Ein perfekter Start in den Morgen! Nach mehreren eher grauen Erwachen lacht pünktlich zu unserer Bootstour die Sonne vom Himmel und auf das Yellow Water Billabong.
Ein perfekter Start in den Morgen! Nach mehreren eher grauen Erwachen lacht pünktlich zu unserer Bootstour die Sonne vom Himmel und auf das Yellow Water Billabong.
Wir gleiten durch scheinbar endlose Lotusfelder...
Wir gleiten durch scheinbar endlose Lotusfelder…
...und dieser Jabiru, der australische Storch, lässt sich von unserem Boot auch nicht aus der Ruhe bringen (das ist übrigens ein Weibchen, identifizierbar durch die "Goldaugen". Die Augen der Männchen sind ganz schwarz.)
…und dieser Jabiru, der australische Storch, lässt sich von unserem Boot auch nicht aus der Ruhe bringen (das ist übrigens ein Weibchen, identifizierbar durch die „Goldaugen“. Die Augen der Männchen sind ganz schwarz.)

Dennis erzählt auch von den Krokodilen, die in diesem Billabong leben, zwischen 70 und 90 Jahre alt werden, und jede Vibration im Umkreis von Kilometern sofort mitkriegen. Vier Menschen wurden im letzten Jahr nur im Kakadu National Park von Krokodilen getötet, und alle seien selbst Schuld gewesen, stellt Dennis trocken fest. Denn in von Salzwasserkrokodilen bewohnten Gewässern zu Fischen, und den Fisch direkt auf dem Bootsrand zu säubern sei Selbstmord. Ebenso wie einfach am Wasser zu sitzen. Als neben unserem Boot plötzlich Maxi auftaucht, ein sehr sehr sehr großes, sehr altes, sehr mächtiges Krokodil, erstarren wir in Ehrfurcht, und beschließen auf der Stelle, hier nie neben einem Krokodilgewässer zu parken oder Rast zu machen.

Ja was taucht denn da auf, Auge in Auge mit Stefan?
Ja was taucht denn da auf, Auge in Auge mit Stefan?
MAXI, das große Krokodil! Aus sicherer Entfernung beobachtet ein sehr faszinierendes Tier.
MAXI, das große Krokodil! Aus sicherer Entfernung beobachtet ein faszinierendes Tier.
Doch zu nahe in's Auge blicken wollen wir Maxi ganz bestimmt nicht!
Doch zu nahe in’s Auge blicken wollen wir Maxi ganz bestimmt nicht!

Auf dem Weg zurück nach Darwin machen wir Halt im Litchfield National Park. Dieser Nationalpark ist für die Bevölkerung Darwins, was der Royal National Park in Sydney für uns war: wunderschönes, weitläufiges, friedliches Naherholungsgebiet. Hier gibt es Rockpools und Wasserfälle, riesige Termitenhügel, Blüten in den kräftigsten Farben, Vögel en masse und Spaß und Entspannung. Wir plantschen in den Felsenbecken des Buley Rockholes, schwimmen durch das Becken der Florence Falls hin zu den Wasserfällen, genießen die Ausblicke auf unendliche Wälder. Wieder mal ein Lieblingsort auf unserer Reise…

DAS ist mal ein Termitenhügel! Beeindruckend, wie diese kleinen Tiere durch Teamarbeit so was GROSSartiges schaffen können!
DAS ist mal ein Termitenhügel! Beeindruckend, wie diese kleinen Tiere durch Teamarbeit so was GROSSartiges schaffen können!
Ein erster Blick auf die Florence Falls. Und wenn wir diesen Pool sehen, dann müssen wir natürlich runter und eine Runde schwimmen :-)
Ein erster Blick auf die Florence Falls. Wenn wir diesen Pool sehen, dann müssen wir natürlich runter und eine Runde schwimmen :-)
WOW - nicht schlecht und die Wasserfälle haben definitiv mehr Power als eine Massagedusche!
WOW – nicht schlecht und die Wasserfälle haben definitiv mehr Power als eine Massagedusche!
Auf dem Rückweg zum Auto begegnen wir diesem süßen Geschöpf, das so überrascht von uns ist, dass es sich erst einmal keinen Meter weit bewegt.
Auf dem Rückweg zum Auto begegnen wir diesem süßen Geschöpf, das so überrascht von uns ist, dass es sich erst einmal keinen Meter weit bewegt.

Jetzt sind wir wieder zurück in der Stadt (die auch ihre Vorteile hat, zum Beispiel köstlichen Soy Latte to go, thailändische und indische Köstlichkeiten, Internet!) und planen unsere letzten Tage. Bevor wir von Darwin aus nach Singapur fliegen, muss der Camper geputzt, die Wäsche gewaschen, neue T-Shirts für zu Hause gekauft, Transport zum Flughafen und definitiv ein Hotel für die letzte Nacht organisiert werden. Wir melden uns dann wieder aus Singapur!

On the road again…

Karijini National Park – Port Hedland – 80 Miles Beach – Port Smith Caravan Park – Broome

Mit einem lauten Schrei springen wir in’s kühle Wasser, lauschen dem Echo, drehen uns auf den Rücken, paddeln mit den Füßen. Nur ein kleines Stück blauer Himmel ist sichtbar, der natürliche Pool in der Weano Gorge ist eingeschlossen von 30 – 40 Meter hohen Felswänden. Der Weg hierher führt herunter von der Anhöhe durch Spinifex-Gras und über heiße Felsen (wider Erwarten sind wir keiner Schlange begegnet), dann durch eine enge Schlucht. Während die Luft oben in der Hitze zu flimmern scheint, ist es hier in der Gorge angenehm kühl.

Wir sind im Karijini National Park im Landesinneren, haben die erste Nacht in Tom Price verbracht – einer Stadt, die von Minenarbeitern und Lastwagenfahrern lebt -, haben dort unsere Benzin-, Wasser- und Essensvorräte aufgestockt, und uns dann aufgemacht um den National Park zu erkunden. Unser Reiseführer verspricht eine der schönsten Gegenden Westaustraliens, und nach nur wenigen Stunden können wir diese Einschätzung bestätigen. Das hier ist Australien Pur: Rote Erde, tiefblauer Himmel, goldenes Spinifex-Gras, Sandsteinschluchten, Papageien, Einsamkeit. Immer wieder herrlich erfrischende natürliche Schwimmbecken im Felsen, mit Wasser so klar wie aus der Leitung. Wir erwandern die Weano Schlucht, bewundern Spiegelungen im Bach, Farne und Würgefeigen, Bäume mit zahlreichen verschlungenen Wurzeln die hier wachsen. Und wir sehen – zum Glück! – erstaunlich wenige Reptilien. Nur die zahlreichen Eidechsen und die “Kopfnicker-Lizards” (Achtung, dieser Name ist nicht von Biologen bestätigt!), aber zu Ingrids großer Erleichterung keine Schlangen.

Postkartenkitsch Australien: Der rote Kontinent macht hier im Karijini NP seinem Namen alle Ehre.
Postkartenkitsch Australien: Der rote Kontinent macht hier im Karijini NP seinem Namen alle Ehre.
Bevor man zur Gorge kommt, muss man erst durch Spinifexgräser wandern... und hier oben auf der Anhöhe ist es heiß!
Bevor man zur Gorge kommt, muss man erst durch Spinifexgräser wandern… und hier oben auf der Anhöhe ist es heiß!
Unten in der Schlucht sorgen die Wasserläufe für "Kühle", sprich: rund 30 Grad (immerhin 8-10 Grad kälter als oben).
Unten in der Schlucht sorgen die Wasserläufe für „Kühle“, sprich: rund 30 Grad (immerhin 8-10 Grad kälter als oben).
Auf der Suche nach einem natürlichen Pool wandern wir durch enge Schluchten. Suchbild: Wer findet Ingrid (im Kopfstand)?
Auf der Suche nach einem natürlichen Pool wandern wir durch enge Schluchten. Suchbild: Wer findet Ingrid (im Kopfstand)?
Liegt das Schwimmbad nach dem wir suchen etwa hinter der nächsten Wand?
Liegt das Schwimmbad nach dem wir suchen etwa hinter der nächsten Ecke?
Ja! Wenn das nicht einladend ausschaut...
Ja! Wenn das nicht einladend ausschaut…
Nix wie rein in's Wasser! Zum Glück sind wir noch nicht in der Gegend, in der man sich vor Krokodilen fürchten muss... (die würden sich auch schwer tun, durch die Schluchten zu wandern).
Nix wie rein in’s Wasser! Zum Glück sind wir noch nicht in der Gegend, in der man sich vor Krokodilen fürchten muss… (die würden sich auch schwer tun, durch die Schluchten zu wandern).
Ach wie schön ist ein Plantscher im Pool bei den Fortescue Falls.. Wir sind ganz alleine und genießen das Wasser, die Sonne, die wunderschöne Gorge.
Ach wie schön ist ein Plantscher im Pool bei den Fortescue Falls.. Wir sind ganz alleine und genießen das Wasser, die Sonne, die wunderschöne Gorge.

Müde und glücklich kommen wir abends in unserem “Buschcamp” an, dem Eco Retreat Karijini, das von lokalen Aboriginal geführt wird und ein Musterbeispiel für nachhaltigen Tourismus ist. Hier gibt es nur die notwendigste Stromversorgung und Grundwasser. Wir sitzen in unseren Campingstühlen, nippen am kühlen Cider aus unserem (noch nachkühlenden) Kühlschrank und schauen der Sonne beim Sinken zu. Das Abendlicht taucht die ohnehin schon rote Landschaft um uns in noch kräftigere Rot- und Orangetöne.

Was für eine fantastische Landschaft! Vor allem im Abend- und Morgenlicht. Schattenspiele auf einem Termitenhügel...
Was für eine fantastische Landschaft! Vor allem im Abend- und Morgenlicht. Schattenspiele auf einem Termitenhügel…

Am nächsten Tag nehmen wir die zweite Etappe durch den Nationalpark in Angriff, wandern drei Stunden in der Dales Gorge am Fluss entlang, begegnen einem Goanna (einer sehr großen Echse), baden wieder in einem Pool und laufen durch die Hitze zurück zum Auto. Leider reicht das Benzin nicht für weitere Erkundungsfahrten – die Nadel steht schon auf unter einem Viertel und das nächste Roadhouse ist 80 Kilometer entfernt. Also machen wir uns auf den Weg Richtung Norden, Port Hedland, was auch nicht zu schlimm ist, immerhin wartet dort wieder das Meer.

Bei den Reptilien denen wir begegnen handelt es sich zum Glück um freundliche, wunderschöne Goannas, und nicht um Schlangen.
Bei den Reptilien denen wir begegnen handelt es sich zum Glück nicht um Schlangen, sondern um große, aber sehr freundliche und wunderschöne Goannas.

Die Fahrt dorthin ist lang und wäre relativ eintönig (250 Kilometer nichts), wären da nicht die vielen vielen Roadtrains. Roadtrains sind ausgewachsene Lastwagen und werden bis zu 300 Meter (auf privaten Straßen) lang… Nicht die, die auf dieser Strecke fahren, aber es ist tatsächlich auch ein Abenteuer, mit einem Camper 50-Meter-LKWs mit drei oder vier Anhängern zu überholen!

Roadtrain, der erste: Wir stehen nichtsahnend an der Tankstelle, als plötzlich dieser grüne Koloss einbiegt... WOW!
Roadtrain, der erste: Wir stehen nichtsahnend an der Tankstelle, als plötzlich dieser grüne Koloss einbiegt… WOW!
Auf der Fahrt Richtung Norden gibt es Unterhaltung in Form von Roadtrains und ziemlich coolen Gewitterwolken!
Auf der Fahrt Richtung Norden gibt es Unterhaltung in Form von Roadtrains und ziemlich coolen Gewitterwolken!
Auf der Fahrt Richtung Norden gibt es Unterhaltung in Form von Gewitterwolken und Roadtrains.
Regnet es hier ab oder wird die Luft von unten nach oben gezogen? Wir sind uns nicht ganz sicher, sind aber froh dass die Wolke sich neben, und nicht direkt auf der Straße bewegt.

Von Port Hedland fahren wir an der nördlichen Küste Australiens weiter Richtung Osten, Richtung Eighty Mile Beach. Und wieder – kilometerlange Einsamkeit (auf einer Strecke von 464 Kilometern gibt es genau zwei Tankstellen). Und wenn wir von “Hier gibt es nichts” sprechen, dann meinen wir das so: Hier gibt es keine Häuser, keine Dörfer, keine Stromleitungen, kein Trinkwasser, keine Nebenstraßen.. Nichts!

Die Kilometeranzeigen geben hier tatsächlich an, wo sich die nächstgelegene Tankstelle befindet. Dann gibt's jetzt halt mal 285 Kilometer nichts...
Die Kilometeranzeigen geben hier tatsächlich an, wo sich die nächstgelegene Tankstelle befindet. Dann gibt’s jetzt halt mal 285 Kilometer nichts…
Und so schauen sie aus, die Roadhouses... Vier Zapfsäulen, eine Hütte... und dann wieder Kilometer um Kilometer Straße ohne Nix.
Und so schauen sie aus, die Roadhouses… Vier Zapfsäulen, eine Hütte… und dann wieder Kilometer um Kilometer Straße ohne Nix.
Und weil es hier nichts gibt, und auch nicht so viele Autos fahren, kann der Highway auch ruhig als Landebahn verwendet werden. Hier landen im Notfall die Flying Doctors, die Ärzte die mit ihren Kleinflugzeugen in den entlegensten Gegenden Australiens Leben retten.
Und weil es hier auch nicht so viele Autos fahren, kann der Highway ruhig als Landebahn verwendet werden. Hier landen im Notfall die Flying Doctors, die Ärzte die mit ihren Kleinflugzeugen in den entlegensten Gegenden Australiens Leben retten.

Außer, wenn man irgendwann links abbiegt, und 9.7 Kilometer eine Sandpiste entlang fährt, den 80-Miles-Beach-Caravan Park. Dort gibt es Klo’s und Schatten und Duschen und einen Zugang zum Strand der, wie der Name schon sagt, 80 Meilen (das sind 128,7 Kilometer) lang ist, an dem Muscheln in allen Größen, Farben und in allen Formen liegen, an dem sich das Meer hunderte Meter weit zurückzieht wenn Ebbe ist und – an dem Meeresschildkröten nisten!

Auf der Sandpiste ruckelt unser Camper zwar ganz schön, aber wir genießen jeden Kilometer auf dieser sehr fotogenen Straße!
Auf der Sandpiste ruckelt unser Camper zwar ganz schön, aber wir genießen jeden Kilometer auf dieser sehr fotogenen Straße!
Muschelparadies... Leider dürfen wir all diese Schönheiten nicht mit nach Europa nehmen. Deshalb lassen wir unsere Schätze bei unserer Abreise am Strand zurück.
Muschelparadies… Leider dürfen wir all diese Schönheiten nicht mit nach Europa nehmen. Deshalb lassen wir unsere Schätze bei unserer Abreise am Strand zurück.
Und ganz ehrlich: Muscheln sehen halt auch am schönsten aus, wenn sie dort liegen wo sie hingehören...
Und ganz ehrlich: Muscheln sehen halt auch am schönsten aus, wenn sie dort liegen wo sie hingehören…

Wir warten erfolglos bis rund halb 10 Uhr abends am Strand, um mit viel Glück Junge schlüpfen zu sehen. Doch auf unserem Strandspaziergang am nächsten Morgen sehen wir hunderte von frischen Schildkrötenspuren, die hinunterführen zum Meer! Wir haben das große Schlüpfen also knapp versäumt, beschließen aber, eine zweite Nacht hier zu verbringen (die auch erfolglos bleibt, was das Jungschildkröten-Beobachten betrifft).

Schildkrötenspuren! Obwohl wir die Kleinen nicht zu Gesicht bekommen ist es doch ein tolles Gefühl zu wissen, dass hier hunderte dieser bedrohten Tiere geschlüpft sind.
Schildkrötenspuren! Obwohl wir die Kleinen nicht zu Gesicht bekommen ist es doch ein tolles Gefühl zu wissen, dass hier hunderte dieser bedrohten Tiere geschlüpft sind.

Auf dem Weg nach Broome legen wir einen weiteren Zwischenstopp am Port Smith Caravan Park ein, wo wir die wohl (hoffentlich!) heißeste Nacht unseres Lebens verbringen – und das im rein wörtlichen Sinne. Die Temperatur sinkt die ganze Nacht über nicht unter die 40 Grad Marke, wir liegen schlaflos und schwitzend im Camper und verfluchen die absolute und bedingungslose Windstille.

Abends ist es ja noch idyllisch an der Lagune, denn immerhin gehören zu Urlaub "laue" Sommernächte.
Abends ist es ja noch idyllisch an der Lagune, denn immerhin gehören zu Urlaub „laue“ Sommernächte. Blick aus dem Camper.
Heiß! Nach einer sehr durchwachsenen Nacht können wir es kaum erwarten, die Zelte hier abzubrechen. Aber sobald man im Morgengrauen die Türen öffnet, sollte man wegen Sandfliegen und Moskitos besser lange weite Kleidung tragen (unsere Beine und Arme sind trotzdem bereits rot gesprenkelt)...
Doch morgens – HEISS! Nach einer sehr durchwachsenen Nacht können wir es kaum erwarten, die Zelte hier abzubrechen. Aber sobald man im Morgengrauen die Türen öffnet, sollte man wegen Sandfliegen und Moskitos besser lange weite Kleidung tragen (unsere Beine und Arme sind trotzdem bereits rot gesprenkelt)…

Als wir am nächsten Tag schon sehr früh in Broome ankommen, gehen wir erst mal gut frühstücken und checken dann in’s wunderschöne Bali Hai Resort ein. Hier blühen Frangipani-Bäume, Räucherstäbchen sorgen für einen entspannenden Duft, balinesische Statuen zieren den weitläufigen Garten. Wir verbringen den Rest des Tages in unserem wunderbar klimatisierten Zimmer, duschen dreimal, holen uns vom Thailänder gebratene Nudeln und schauen Filme ohne Werbeunterbrechung. Was für ein Luxus nach drei Wochen im Camper (plus zwei in Neuseeland) – wir fühlen uns neugeboren und wie balinesische Götter!

Erholt und entspannt machen wir uns am Morgen nach dem (späten!) Check Out auf den Weg zum Bird Observatory 20 Kilometer südlich von Broome. Anscheinend sollen hier viele Zugvögel Rast einlegen, und die wollen wir natürlich sehen. Über eine rote Sandpiste geht’s durch den Busch, und als wir vor den Informationstafeln stehen und uns einen Überblick verschaffen, bleibt hinter uns ein für’s Outback gemachter Allrad-Jeep stehen. Der alte Mann hinterm Steuer grüßt freundlich, erklärt uns dass hier derzeit alles geschlossen ist und fragt: “Are you bird people?” Wir bejahen, und er schmunzelt, schüttelt den Kopf und lädt uns ein, ihn zu begleiten. Er sei nämlich auf dem Weg zu einem nahegelegenen versteckten Strand, zum jährlichen Einfangen und Beringen der Zugvögel: “Junge Menschen, die schnell laufen können sind immer willkommen!” Und so kommen wir durch Zufall zu einem Erlebnis der besonderen Art, über das wir morgen bloggen werden – versprochen!