Der Winter kommt… irgendwann bestimmt

Laut und dumpf tönen die Nebelhörner. Alle Fähren liegen im Hafen, nur die großen, die nach Manly fahren, dürfen auslaufen. Keine 50 Fuß weit könne man sehen, erklärt uns ein Kapitän, der die Zwangspause am Circular Quay nutzt und eine Zigarette raucht. Um 6 Uhr sei noch beste Sicht gewesen, aber dann mit Sonnenaufgang sei das erste Mal ein Wintermorgen angebrochen. Das Opernhaus, die Harbour Bridge und vor allem die vielen kleinen Boote und Schiffe die im Hafen von Sydney ankern – Der Nebel hat alles verschluckt.

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Wir haben uns um 9 Uhr mit Phil und Kate zu einem Angelausflug verabredet. Wir wollen hinüber auf die andere Seite des Hafens, zum Bradley Head. Um kurz nach halb zehn ertönt die ersehnte Nachricht aus den Lautsprechern: alle Fähren sind jetzt bereit zum Auslaufen.

Sehr weit kann man immer noch nicht sehen, als wir ablegen. Aber dann, wir sind schon fast an der Anlegestelle, zieht sich der Nebel plötzlich zu einem breiten Band zusammen und legt sich knapp über das Wasser. Über der Nebelbank werden die Spitzen der Wolkenkratzer sichtbar, die Plattform des Sydney Towers, und obwohl die Harbour Bridge versteckt bleibt, sieht man die zwei Australienflaggen am Himmel flattern, die auf ihr befestigt sind. Das sind völlig neue Ausblicke auf die Stadt!

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Von der Wharf führt ein Weg durch einen Eukalyptuswald nach Bradley Head, und wieder einmal entzückt uns die australische Flora. An langen Stielen blühen die Kakteen in rund fünf Metern Höhe. Die Rinde schält sich von Eukalyptusbäumen, und gibt den Blick auf außergewöhnlich glatte, orange Stämme frei. Farne bedecken den Boden. Wir gehen einen Pfad hinunter zum Strand, an dem es im Spätherbst ganz ruhig ist.

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Phil und Stefan haben die Angeln schnell vorbereitet, und der Ernst des Ausflugs beginnt. Wir haben uns seelisch noch gar nicht darauf vorbereitet, dass wir wirklich etwas fangen, als Phil nach knapp zwei Minuten einen Fisch aus dem Wasser zieht. Der Tarwhine ist wirklich wunderschön, hat Stacheln in der Rückenflosse und gelbe Muster auf dem silbrigen Körper. Und er schaut traurig aus! Zum Glück ist Stefan Experte: er zieht gekonnt den Haken aus dem Maul des Fisches, wirft ihn zurück ins Wasser und der Tarwhine schwimmt fröhlich und munter davon. Insgesamt fünf Tarwhine fangen wir, und alle werden wieder in die Freiheit entlassen. Sie würden uns ohnehin nicht satt machen, aber wir üben schon mal für ein Seafood BBQ nächsten Sommer!

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Auf dem Wasser liegen unzählig viele Segelschiffe, der Himmel ist inzwischen tiefblau und die Nebelschwaden haben sich ganz verzogen. Es ist ein perfekter Herbsttag, der allerdings erahnen lässt, wie Sydney im Winter ausschauen könnte: grau, neblig und geheimnisvoll. Doch zum Glück hat der Kapitän uns auch verraten, dass sich die Nebel eigentlich immer wieder lichten!

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