Merry Christmas und einen guten Start in’s Neue Jahr!

„How good is a summer Christmas?“ Unsere australischen Kollegen und Freunde grinsen uns erwartungsvoll an. „Well…“, lautet die diplomatische Antwort. Denn die europäische Vorweihnachtszeit und vor allem ein kalter, hoffentlich verschneiter Heilig Abend sind definitiv besser – oder wenigstens weihnachtlicher. Im australischen Hochsommer in Weihnachtsstimmung zu kommen fällt uns schwer. Wir naschen die aus Europa eingeschmuggelten, von Mama gebackenen Weihnachtskekse mit einem kalten Glas Weisswein anstatt mit Tee, und die Geschenke gibt es bei uns am 23. Dezember – weil wir am 24. frühmorgens unseren sommerlichen Roadtrip starten. Diesmal geht es der Küste entlang Richtung Süden, Destination Melbourne.

Day 1, Christmas Eve: Bondi Beach – Narooma

6 Uhr morgens, die Sonne geht über einem nahezu leeren Bondi Beach auf, als wir uns mit dem Leihauto auf den Weg machen. Narooma ist unser erstes Ziel. Die Stadt liegt 350 Kilometer südlich von Sydney direkt an der Küste, und ist berühmt für das Meeresschutzgebiet, in dem sich Seelöwen, Rochen, Meeresschildkröten und jede Menge Fische tummeln sollen. Die Stadt selbst ist nicht wirklich aufregend, aber wer gerne schwimmt, fischt oder (Meeres)Tiere mag, ist hier gut aufgehoben. Wir melden uns für eine „snorkelling with seals“ am 26. Dezember an, und erkunden bei Ankunft erst mal den lokalen Supermarkt. Christmas Day (25. Dezember) ist einer der zwei Tage im Jahr, an denen in Australien wirklich alles geschlossen ist. Mit Aufstrichen, Brot, Obst und Chips bepackt checken wir in unsere AirBnB Unterkunft ein (Tipp an dieser Stelle: Unterkünfte frühzeitig buchen! In Australien sind zu Weihnachten alle unterwegs, Einheimische wie Touristen, und die Preise für Accomodation schnellen in dieser Periode nach oben.)

Day 2, Christmas Day: Narooma, Mt Dromedary

Was tun, wenn es nicht wirklich etwas zu tun gibt? Die Gegend erkunden! Mt. Dromedary winkt uns aus der Ferne zu, und so gehen wir am 25. Dezember auf Bergtour. Wir wandern Wiesen entlang, die erstaunlich an europäische Almen erinnern, schütteln auf dem Weg durch den Regenwald Blutegel ab und beschließen auf dem Rückweg so richtig Gas zu geben. Den Weg vom Gipfel nach Hause legen wir laufend zurück, und sorgen so für eine gescheiten Muskelkater in den Oberschenkeln, der uns auch drei Tage später noch laut aufstöhnen lässt. Den Tag beschließen wir mit einem köstlichen Weihnachtspicknick auf einem Lookout (an dem wir außerdem Handyempfang haben, und so Weihnachtswünsche nach Hause schicken können).

Day 3, St Stephen’s Day: Narooma – Mallacoota

Eines der  besten Wildlife-Erlebnisse unseres Lebens (und das will etwas heißen bei der Menge an tierischen Begegnungen, die wir bisher hatten)! Wir treffen unseren Guide Francois von Narooma Underwater Safaris um 8:30 Uhr im Hafen von Narooma. Auf dem Programm stehen zweieinhalb Stunden auf dem (und im) Wasser, eine Speedboat-Fahrt hinaus nach Montague Island und Schnorcheln mit wilden australischen Seebären. Die Teilnehmerzahl ist bei Underwater Safaris auf 8 beschränkt, und wir teilen uns das kleine Boot mit einer fünfköpfigen niederländischen Familie, die so wie wir in Sydney wohnen. Die drei Jungs sind allesamt noch im Kindergarten, aber äußerst aufgeweckt und interessiert an allem, was das Meer zu bieten hat (und sprechen nach einem Jahr in Down Under perfektes Englisch).

Mit gefühlten 100 Stundenkilometer geht es hinaus auf’s Meer, und wir klammern uns hysterisch kichernd an allem fest, was wir in die Hände bekommen. Francois steuert das Speedboat gekonnt über die Wellen, und unsere Hinterteile hängen immer wieder für einige Sekunden in der Luft. Unser Ziel ist Montague Island, eine Insel, die mitten im Meeresschutzgebiet liegt und eine Pinguinkolonie, eine Seelöwenkolonie und unzählige Wasservögel beherbergt. Und da sind sie auch schon, die freundlichen Seelöwen, und bevor Francois bis Fünf zählen kann, stürzen wir uns kopfüber in die Fluten. Das Wasser ist eiskalt, aber die Aufregung und ein dicker Wetsuit sorgen für eine sichere Körpertemperatur. Und dann sind sie auch schon da, die Seebären, die uns interessiert beobachten, völlig unbeeindruckt von uns ihrem Weg nachschwimmen und mit wie Kleinkinder ihren Artgenossen spielen. Was für ein Spektakel, was für ein beeindruckendes Erlebnis, wie privilegiert sind wir, dieses Schauspiel erleben zu dürfen.

Day 4: Mallacoota

Mallacoota heißt unsere nächste Destination, und nach drei Stunden Autofahrt kommen wir an in der Lagune, in der man bestimmt viel machen könnte: Schwimmen, fischen, Stand Up Paddleboarden oder Kayaken. Wir beschließen, es ruhig angehen zu lassen. Wir trinken Bier auf unserer Veranda mit Blick auf dem See, machen uns einen gesunden Salat zum Abendessen und verfüttern Pistazien an die Vögel, die sich vor unserer Tür bummeln.

Day 5: Mallacoota – Bairnsdale

Bairnsdale – was um Himmels Willen gibt es in dieser 15.000-Einwohner-Stadt in Victoria zu sehen? Ein Spaziergang am Fluss entlang klingt nicht schlecht, aber auch nicht massiv aufregend (obwohl wir am Abend dort eine ganze Flughunde-Sippe finden). „You could go to Raymond Island to see the Koalas“, schlägt unsere Gastgeberin vor, „there are plenty.“ Viele Koalas? Das klingt schräg in unseren Ohren, denn entgegen der landläufigen Meinung von Touristen hängen in den meisten australischen Bäumen keine Bären, die sich von Eukalyptus ernähren und streichelweich ausschauen. Einen Versuch ist es wert, und wir nehmen die Gratisfähre hinüber auf die doch relativ große Insel (die Fährfahrt dauert 2 Minuten). Um es kurz zu machen: Auf Raymond Island wimmelt es von lästigen und äußerst stechfreudigen Moskitos – und von Koalas. Außerdem sehen wir Echidnas, die uns mit ihrem „Wenn ich die Nase in den Sand stecke, dann sieht mich der Tourist nicht“-Spiel köstlich unterhalten. Wir verbringen den ganzen Nachmittag auf der Insel und haben endlich die Gelegenheit, Koalas in der freien Wildbahn zu entdecken und zu begutachten. Ein Koala ist nicht unbedingt der beste Alleinunterhalter (Eukalyptus wirkt wie eine einschläfernde Droge), aber wir können uns nicht sattsehen.

Day 6: Bairnsdale – Philip Island

Die Hauptattraktion auf Philip Island sind die kleinen Pinguine, die jeden Abend pünktlich zu Sonnenuntergang vom Jagen im Meer zurückkommen, und zu zehntausenden zurückmarschieren zu ihren Bruthöhlen. Die Gegend, in der das Spektakel stattfindet, ist abgesperrt, und die Tickets zur abendlichen Pinguinparade sind für die Weihnachtszeit ausverkauft. Wir versuchen unser Glück am Nachmittag, und entdecken in einigen Bruthöhlen tatsächlich Pinguine. Auf unserer Wanderung die Klippen entlang begegnen wir außerdem einer Copperhead Schlange, deren Gift laut Wikipedia mühelos einen Erwachsenen töten kann (und für deren Biss es kein spezifisches Antigift gibt. Allerdings kann das Antigift für die ebenso giftige, allerdings weit aggressivere Tiger Snake verwendet werden). Australien, du Land der unbeschwerten Wanderungen!

Day 7 + 8: Melbourne

Es gibt das Melbourne Lager und es gibt das Sydney Lager. Und wir sprechen hier nicht von Lager Bier, sondern von der nie endenden Diskussion, welche Stadt besser ist. Wir gehören eindeutig in den Sydney Fanclub, doch eines muss man Melbourne lassen: Die Bar-, Restaurant- und Unterhaltungsszene ist Weltklasse!

Während sich das Leben im (amerikanischeren) Sydney großteils draußen abspielt, ist Melbourne eindeutig europäisch angehaucht und wartet vor allem mit großartigen Restaurants, Bars, Clubs und Theatern auf. Das nutzen wir aus, und essen und trinken uns quer durch die Stadt. Von den riesigen Victoria Markets (die stark an eine überdimensionierte Wiener Schranne erinnern) über die billige malaysische Laksa bis hin zu einem hervorragenden Weihnachtsessen im Italiener Tipo 00. Als Weinbegleitung zum risotto ai piselli (Erbsenrisotto) und den tagliatelle al coniglio (Hasenragu) wählen wir einen frischen Südtiroler Weißen, und schließen unsere Mägen mit Limoncello und Montenegro. Melbourne ist köstlich!

Wir wünschen euch Alles Gute für 2018 – möge das Jahr ein erfolgreiches, gesundes, aufregendes und erfüllendes sein!

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