Vanuatu, der Inselstaat im Nirgendwo

Begonnen hat unsere Beziehung zu Vanuatu vor zwölf Jahren, in einem unserer ersten gemeinsamen Urlaube. Wir hatten in einem kleinen kroatischen Gasthaus zu Abend gegessen und wohl das ein oder andere Glas Wein getrunken. Jedenfalls kann ich mich daran erinnern, dass wir lachend die kleine Gasse mit den Pflastersteinen entlang schlenderten, und das Kennzeichen auf einem großen schwarzen Auto richtig lustig fanden. Eine Autonummer mit nur vier Buchstaben, wo gibt es das schon? Bei näherer Inspektion stellte sich heraus: in Vanuatu, „the happiest place on Earth“. Vanu-was? Wir hatten noch nie von dem Inselstaat im Pazifik gehört, aber eine Google-Suche bestätigte: Vanuatu liegt vier Flugstunden östlich von Australien, besteht aus unzähligen kleinen Inseln und ist laut „Happy Planet Index“ das glücklichste Land der Welt.

Zwölf Jahre später in Port Vila, Vanuatu: Wir lassen die 17 Tage, die hinter uns liegen, Revue passieren. Wir haben so viel erlebt, so viel gesehen und so viel gelernt. Das alles in Worte zu fassen bedarf mehr als nur einen Blogeintrag, so viel ist klar. Doch wo anfangen? Erst einmal ausgiebig frühstücken am Markt. Eine geschäftige alte Ni-Vanuatu (so nennen sich die Einwohner Vanuatu’s selbst) gießt uns dünne, heiße Schokolade in zwei Halb-Liter-Bierkrüge. Dazu gibt es drei Scheiben Weißbrot für jeden von uns, dick mit Butter, Erdnussbutter und Marmelade bestrichen, und jede Scheibe liebevoll in zwei Hälften geteilt. Frühstück auf südpazifisch, kein Wunder, dass hier so viele Menschen übergewichtig sind.

Beim Frühstücken schmieden wir unseren Schlachtplan: Wenn wir zu Hause ankommen, sortieren wir zuerst die Fotos aus. Das hilft auch, die Gedanken zu ordnen. Dann schreiben wir drei Blogeinträge: Einen zu Vanuatu im Allgemeinen. Einen zu Tanna und den freundlichsten Menschen auf diesem Planeten. Einen zum Vulkan, der brodelt und grummelt und Lava in den Himmel schießt. Und ganz zum Schluss schneiden wir einen Film aus den vielen Minuten Material.

Drei Wochen später, daheim in Sydney. Wir sind immer noch beim Gedanken sortieren. Beim Fotos ordnen. Beim Notizen durchlesen. Wir haben eine erste Email aus dem Paradies bekommen: „Hi Ingrid and Stefan, This is Tom at Fetukai Primary School on Tanna island in Vanuatu. I am just dropping in to say hi and check you out. I went to our local post office to create a box number but unfortunately I wasn’t lucky. If I have the chance to visit again and pay for a mail box then I’ll let you know. Bye and hope to hear from you soon.“ Wir können es nicht erwarten, euch allen von Vanuatu zu erzählen. Aber wir realisieren auch, dass es wichtiger ist, zuerst unsere Versprechen einzulösen, und den unglaublich freundlichen Menschen einen Karton mit Seifen, Zahnbürsten und Buntstiften zu schicken.

Deshalb, liebe Leserinnen und Leser, geduldet euch bitte noch ein bisschen. Wir versprechen, es ist das Warten wert! Einen kleinen Vorgeschmack gibt es aber schon. Einen Vorgeschmack auf Vanuatu, den Inselstaat im Nirgendwo.

Vanuatu von oben. Die ersten Nächte verbringen wir auf Pele Island. Wir haben keine warme Dusche, keine Elektrizität und keinen Kühlschrank. Dafür aber einen wunderschönen Strand ganz für uns allein, einen Papaya-Hain hinter unserer Hütte und warmes Bier am Lagerfeuer unter einem massiven Sternenhimmel.
Unser Gastgeber Charlie ist gleichzeitig unser Koch, Tour-Guide und Gärtner… und zeigt uns, dass sich in einer austreibenden Kokosnuss eine Delikatesse versteckt. Der „Coconut-Sponge“ schmeckt super gut, und wir sehen junge Kokosnüsse jetzt mit anderen (hungrigeren) Augen.
Für uns geht es nach ein paar Nächten im Strandparadies weiter nach Tanna – man beachte die hangeschriebenen Flugtickets. Auf Tanna gibt es unter anderem einen aktiven Vulkan; einen legendären John-Frum-Cargo-Kult (die Gläubigen verehren einen amerikanischen Soldaten); und die absolut freundlichsten Menschen der Welt.
Das absolut Beste an Tanna sind die Menschen. Wir fühlen uns sehr willkommen, unsere Gesichtsmuskeln schmerzen am ersten Abend vom vielen Lächeln, und unsere Herzen fliegen den wunderbaren Einwohner von Tanna zu.
„Freunde machen fällt nicht schwer, kommst du mit der Drohne her.“ Für die Kinder ist das seltsame Flugobjekt eine Sensation. Als sie merken, dass sie gefilmt werden, kennen sie keine Grenzen mehr. Da wird gelacht, gejubelt und getanzt – und dann gemeinsam Film geschaut.
Die Vegetation auf Tanna ist üppig, hier wachsen vor allem Wurzelgemüse, wilder Spinat und Papaya. Uns haben es aber die Baumriesen angetan. Die Luftwurzeln der Banyan-Bäume werden zu neuen Stämmen, und die Bäume nehmen teilweise die Fläche eines Hauses ein.
Auf dem Markt ist das Angebot entsprechend üppig. Es gibt Karotten, Erdnüsse, Taro, Cassava, Kokosnüsse, Kohl, Bananen, Mandarinen, Bananen – und jede Menge Farben!
Wer Durst hat, kraxelt auf eine Palme. Für uns Gäste erledigen das die Kinder. Wendig und scheinbar mühelos erklimmen sie die Baumkronen und stoßen die Kokosnüsse nach unten, wo schon jemand mit der Machete wartet, um die erfrischende Köstlichkeit für uns zu öffnen.
Kokosnüsse werden auch gerne und viel zum Kochen verwendet. Kokosnussmilch in Dosen? Fehlanzeige. Stattdessen wird das Fruchtfleisch ausgepresst, und die frische Milch über Gemüse oder über das Nationalgericht Laplap geträufelt, das traditionell unter heißen Steinen gekocht wird.
Auf unseren Streifzügen über die Insel kommen wir an Schulen vorbei, in die wir sofort eingeladen werden. Die Kinder schauen uns mit großen Augen an, und die Lehrerinnen und Lehrer freuen sich über unseren Besuch. Woran es denn am meisten fehle, fragen wir angesichts der auf dem Boden sitzenden Kinder. An Seifen, antwortet Lehrerin Meriam. Es gibt nur zehn für insgesamt 253 Kinder.
Oberflächlich betrachtet unterscheiden sich die Kinder von Tanna wenig von unseren. Die meisten Kinder gehen gerne zur Schule, lieben entweder Englisch- oder Mathematikunterricht, und treffen sich nach der Schule zum Spielen mit Freunden. Schaut man hinter die Fassade, dann geht einem in Tanna das Herz auf: Hier wird alles unaufgefordert und gerecht geteilt, kleine Geschenke werden sehr geschätzt und die Kinder übernehmen schon früh Verantwortung.
Der Besuch im Kastom-Village beeindruckt uns sehr. Die Einwohner leben ohne Einfluss der westlichen Zivilisation. Sie entfachen Feuer, indem sie Holzstücke aneinander reiben und tragen traditionelle Kleidung, die für Männer aus einem Penisköcher und für Frauen aus einem Bastrock besteht. Wir werden auch hier freundlich empfangen und können uns nicht sattsehen an dieser traditionellen Lebensart.
Ein Highlight unserer Reise ist der Sonnenaufgang auf dem Vulkan. Vor uns der Krater und die aufgehende Sonne, über uns die Rauchschwaden und unter uns das Grollen im Bauch der Erde.
Die Natur ist mächtig und wunderbar. Die Blue Cave ist eine Mutprobe. Überwindet man sich, und taucht unter den schwarzen Felsen durch, warten im Inneren eine große Höhle mit klarem Wasser und viele neugierige Fische.
Wasserfälle im Dschungel. Kann diese Reise noch besser werden? Wir wissen es nicht… Beim Durchschauen der Fotos realisieren wir erst, wie viel Einmaliges wir in unseren 17 Tagen auf Vanuatu gesehen haben. Die Mele-Cascades nur wenige Kilometer außerhalb der Hauptstadt Tanna gehören definitiv auch dazu.
Zu guter Letzt: Seesterne. Keine kleinen, unauffälligen. Sondern handtellergroße (und wir sprechen hier von Stefans Handtellern!) rote, braune und gelbe. Seesterne soweit das Auge reicht…

Ein Gedanke zu „Vanuatu, der Inselstaat im Nirgendwo“

  1. Liebe Ingi, lieber Stefan
    Erstmals herzlichen Dank fuer die Namenstagswuensche. Haben den Tag heute mit Feiern im Stadel der Aigner verbracht. Edith ist 60 geworden.UND alle 3 Poppelen waren mit von der Partie. Die Heidi ist besonders herzallerliebst, Stefans Georg entwickelt sich praechtig und Jasmin ist noch klitzeklein.
    Das das Neueste von uns! Nun zum Blog! Ich frage mich: wann reisen wir nach Vanuatu. Es scheint traumhaft und gepaart mit Ingrids Schreibkuensten einfach genial. Macht unbedingt Lust nach mehr! Lg Mam

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