Das Hippie-Paradies in den Macadamia-Hainen

Byron Bay, oder:

  • ein Paradies für Hippies mit Geld, die barfuß durch die Stadt schlendern, aber 320 Dollar für zerrissenen Jeans bezahlen
  • ein Hafen für Aussteiger, die ihre Freiheit mit einem Joint am Strand feiern und sich über alle lustig machen, die im Hamsterrad gefangen sind
  • Endstation für Backpacker, die eigentlich 6 Monate bleiben wollten und nach 6 Jahren obskurer Visa-Tricksereien immer noch hier sind
  • ein Städtchen mit massivem Verkehrsproblem, eine Blechkolonne wälzt sich mitten durch den Ortskern
  • der äußerste Osten des australischen Festlands, weiter östlich geht’s nicht, dafür ist es von hier gar nicht mehr weit nach Neukaledonien
  • eine Ansammlung von Yoga-Studios, Cafes, hippen Läden und jeder Menge Bottle Shops
  • unser Ziel für’s lange Wochenende!

Wir nutzen die vier freien Tage rund um den ANZAC Day (nationaler Gedenktag, an dem sich die Australier und Neuseeländer an die Heldentaten ihrer Soldatinnen und Soldaten erinnern) und machen uns auf Entdeckungsreise in den Norden. Byron Bay liegt nur 150 Kilometer südlich von Brisbane, und damit wenige Kilometer von der Grenze von Queensland entfernt. Es ist unser erstes Mal hier, und die Erwartungen sind hoch. Immerhin haben meine Arbeitskolleginnen und -kollegen alle gleich reagiert, als sie von unseren Wochenendplänen erfahren haben: „Byron Bay? Oh, you will LOOOVE it!“ Anscheinend passt die kleine Stadt mit dem Hippie-Image perfekt zu mir: Yoga Studios an jeder Ecke, massenhaft Cafés mit einer rein vegetarischen Speisekarte, selbst gemachter Schmuck aus Muscheln und Perlen, wunderschöne Strände und Regenwälder, und so weiter und so fort.

Um es kurz zu machen: Es dauert etwas, bis Byron Bay seinen Charme spielen lässt. Der erste Eindruck? Das Ortszentrum ist hoffnungslos überlaufen, die Preise für die tolle Hippiekleidung in den Auslagen sind lächerlich hoch, und die Stadt hat ein ernsthaftes Verkehrsproblem. Auf den zweiten Blick aber – alles, was ich oben bereits erwähnt habe, und noch mehr.

Wir fahren einen ganzen Tag durch das Hinterland und verlieben uns in die liebliche Hügellandschaft. Die Wälder leuchten in sattem Grün, und wir sehen endlich unsere ersten Macadamia-Plantagen. Die äußerst fetthaltigen runden Nüsse sind nicht nur in Australien eine teure Spezialität, sondern werden immer häufiger auch in Europa verkauft.

Wir verbringen drei Stunden auf einem Samstagsmarkt in Bungalow – und sogar Marktmuffel Stefan findet den Mix der Stände sehr gelungen. Ausbeute sind eine Tasche, ein T-Shirt, ein Gesichtsöl, ein Turmeric-Konzentrat, und frisch gepresste Limonade. Und jede Menge nette kurze Gespräche mit den freundlichen Menschen hier.

Wir wandern hinauf zum berühmten Leuchtturm, und sehen von hoch oben den Meeresschildkröten zu, die sich im Wasser tummeln. Dann schwingen wir uns auf unsere Fahrräder, und fahren den Strand entlang zurück in das Städtchen.

Wir quälen uns um halb 5 Uhr morgens aus dem Bett, um mit den ersten Sonnenstrahlen auf dem Brunswick River in ein Kayak zu steigen. Paddeln durch Mangroven, nehmen die Stille des Morgens ganz in uns auf und bestaunen einen riesigen Rochen, der es sich am Sandboden des Flusses gemütlich gemacht hat.

Wir liegen am Strand, genießen die Sonne auf der Haut, halten unsere Füße in die erstaunlich warmen Wellen, und trauen unseren Augen nicht, als draußen im Meer plötzlich Delfine aus dem Wasser springen. Schnell lässt Stefan die Drohne steigen – rund 70 Delfine schwimmen da draußen, Baby-Delfine arbeiten an ihrer Sprungkraft, und der Surfer, der sich da plötzlich mitten im Delfin-Schwarm wieder findet, hat den wohl besten Tag seines Lebens.

Es ist Liebe auf den zweiten Blick. Byron Bay mag eine Stadt sein wie jede andere, die reiche Aussteiger zu ihrer neuen Heimat erklärt haben. Aber das Lebensgefühl, das wunderschöne Hinterland, die intakte Meeresfauna und die freundlichen Einheimischen machen Byron Bay zu einem kleinen, inmitten von Macadamia-Hainen gelegenen Paradies.

Das berühmte Lighthouse von Byron Bay
Weiter östlich geht’s nicht (wenigstens nicht in Australien)
Neue Perspektiven auf den östlichsten Zipfel Australiens
Im Meer tummeln sich die Delfine – und die Surfer!
Die Strände im Byron Shire sind weitläufig und einsam
Federleicht – Freiheit fühlt sich gut an!
Das Hinterland hat viel zu bieten, unter anderem Macadamia-Plantagen
Eine Macadamia in der Schale – ganz ähnlich einer Walnuss
Die Einwohner von Nimbin sind berühmt-berüchtigt für ihren hohen Marihuana-Konsum
Ob diese „Medical Marihuana“ Station wohl noch in Betrieb ist?
Märkte und bunte Läden verlocken im Hinterland zum Bummeln
Angeboten werden gesunde Lebensmittel, bunter Kitsch und Kunst
Morgendliches Kayaken auf dem Brunswick River
Rochen ruhen sich hier auf dem sandigen Boden aus (s. untere rechte Ecke)

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