Wildes schönes Tasmanien

Schattige Farnwälder, kristallklares Wasser, abgeerntete Getreidefelder, schroffe Bergketten, weiße Sandstrände, moorige Seen, biertrinkende Schweine, würziger Cheddar-Käse, süßlicher Riesling, duftende Lavendelfelder, freundliche Einheimische. All das und noch mehr ist Tassie.

Tasmanien liegt ungefähr 240 km südlich des australischen Festlands. Nur 514.000 Menschen leben auf der Insel, das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 7,5 Einwohnern pro Quadratkilometer (zum Vergleich: In Österreich leben 104 Menschen auf einem Quadratkilometer, in Italien sind es 201, und in Deutschland 230). Fast 60% aller Tasmanier wohnen entweder in der Hauptstadt Hobart oder in Launceston. Das bedeutet für den Reisenden: Völlige Einsamkeit, wenn man sich abseits der ausgetretenen Touristenpfade bewegt. Die legendäre “Tasmanian Wilderness” ist es auch, was die meisten Besucherinnen und Besucher auf die Insel lockt.

Hunderte Kilometer Wanderwege warten darauf, begangen zu werden. In einsamen Buchten schwimmt man ganz alleine im türkisen Wasser, vorausgesetzt man trotz der Kälte des Indischen Ozeans. Es gibt Highways, die nicht geteert sind, dann rattert man über holprige Schotterstraßen durch karge tasmanische Landschaften. Die Vegetation Tasmaniens scheint einer botanischen Enzyklopädie entnommen zu sein, es gibt Gräser, Bäume und Blumen in allen Farben und Formen. Dass die Insel auch über eine interessante Tierwelt verfügt, nehmen wir aufgrund der vielen toten Tiere am Straßenrand zwar an, haben aber leider nicht viel Glück mit „Lebendsichtungen“. Der viele Roadkill sei ganz alleine den Grünen zu verdanken, die in Tassie seit einigen Jahren regieren, meint unser charmanter Vermieter Paul. Denn die hätten das Jagen verboten, und das Abholzen des Waldes, und deshalb gäbe es viel zu viele Wildtiere. (Außerdem gibt es in Tasmanien keine gratis Plastiktüten in den Supermärkten, und so viele Solarzellen wie hier haben wir in Australien noch nicht gesehen.)

Müßte man Tasmanien kategorisieren, dann ließe sich die Insel wohl einteilen in das Postkarten-Paradies für Strandurlauber an der Ostküste, Genuss entlang der Weinstraße im Norden, die tasmanische Wildnis für Abenteurer und Wanderer im Westen, und Streifzüge durch das kulturelle Erbe im Süden.

Die Hauptstadt Hobart hat mehr zu bieten, als der erste Blick vermuten lässt. Das renommierte Museum für Neue und Alte Kunst (kurz MONA genannt) lockt Kunstliebhaber aus aller Welt nach Tasmanien, bietet aber auch Kunstlaien wie uns genug Unterhaltung für einen dreistündigen Aufenthalt. Vom Mount Wellington eröffenen sich wunderbare Ausblicke auf die vielen Buchten und Meeresarme, die Hobart einrahmen. Im Hafen kann man am Steg ankernden Imbissständen frischen oder frisch zubereiteten Fisch kaufen. Die vielen Bars am Salamanca-Platz (auf dem jeden Samstag ein bunter Markt stattfindet, den wir leider verpasst haben) laden zum Verweilen ein, und das Glas tasmanischer Wein schmeckt mit Blick auf die Fassaden der alten Stadthäuser noch besser. Die vielen Parks leuchten dank regelmäßigen Niederschlags in sattem Grün.

Tasmanien ist berüchtigt dafür, in einer Stunde alle vier Jahreszeiten zu durchlaufen. Es kann hier auch im Sommer klirrend kalt werden, Regen und Sonne wechseln sich ab, und starke Windböen haben uns fast vom Mount Wellington geweht. Doch insgesamt haben wir Glück, und als Reisende wissen wir die fünf Sonnentage, die Tasmanien für uns bereithält, sehr zu schätzen (vor allem als wir über die Hochebenen im Cradle Mountain National Park wandern, mehr dazu gibt es bald in einem separaten Blogpost!).

Fazit eines leider viel zu kurzen Ausflugs über das lange Australia Day Wochenende: We’re in love! Mit den Landschaften, den Menschen, der Einsamkeit. So sehr, dass wir schon Hauspreise recherchiert haben, die uns im positiven Sinne vom Hocker gehaut haben. Während Sydney auf der Liste der unleistbarsten Städte der Welt gerade auf den zweiten Platz hoch geklettert ist, kann man sich in Tasmanien für einen durchaus vertretbaren Preis viele Hektar Land am Meer oder ein Haus mit Meeresblick leisten. Leider gibt es hier nicht viele Arbeitsplätze, weshalb das Durchschnittsalter auf der Insel mit knapp über 40 Jahren das höchste Australiens ist. Aber wer weiss… Die Pensionierung kommt bestimmt!

30 Jahre nach der Besiedelung Australiens durch britische Strafgefangene kamen die ersten Besatzer auf die tasmanische Insel. Einige Zeitzeugen gibt es immer noch…
Inzwischen hat sich vor allem Hobart weit entwickelt. Kunst und Kultur prägen das Gesicht der Hauptstadt – hier ein Schnappschuss aus dem renommierten MONA.
Doch der Reiz Tasmaniens liegt vor allem in der Einsamkeit, und den stetigen wechselnden Landschaften – hier der Dove Lake am Fuße des Cradle Mountains.
Karge Felder schmiegen sich an Weinberge, Seen und Wälder.
Die Städte schmiegen sich in die Landschaft, und immer hat man das Gefühl, sich mitten in der Natur zu befinden.
Lavendelfelder soweit das Auge reicht, die Stauden wachsen in roter australischer Erde.
Dieser Duft! Tasmanien ist ein Fest für die Sinne (und die Bronchien!)
Und immer wieder verborgene Naturwunder am Straßenrand – so wie diese Höhle, die wir am liebsten besiedelt hätten (war schon besetzt, ein Schwalbenpaar hat hier sein Nest aufgebaut).
Wer’s eiskalt mag, dem bietet die Insel kristallklares Wasser – diese kurze Erfrischung musste einfach sein, trotz beinahe folgenden Frostschäden an Fingern und Zehen ;-)
Aber wie kann man denn diesem Anblick widerstehen? Das Meer schreit förmlich danach, als Badewanne zu dienen…
Die Farnwälder laden zum Staunen ein. Hier ist es still und kühl, und es würde nicht verwundern, würde plötzlich ein Dinosaurier um’s Eck biegen.
Zum Glück sehen wir keinen Tyrannosaurus Rex, sondern nur diesen Waldbewohner: das Pinkkehlchen (heißt wirklich so!).
Und dieser Australier hat es uns auch angetan: Pinky, das biertrinkende Schwein. In Nullkommanix leert Pinky ein paar Halbe, und dann ist erst mal ein Mittagsschläfchen angesagt.
Wir schließen uns Pinky an. Ein Bierchen ist das wichtigste am Abendessen nach einem langen, aufregenden Tag (irgendwie müssen die Kalorienspeicher wieder aufgefüllt werden, wenn der einzige Supermarkt im Umkreis von 100 Kilometern schon geschlossen hat, und nur mehr ein Stück Brot vom Vortag und Nüsse übrig sind). Uns schmeckt’s, auf unserer herrlich gemütlichen Terasse!
Die Sonne geht unter über Tasmanien… aber weitere Einträge folgen!

Ein Gedanke zu „Wildes schönes Tasmanien“

  1. Ihr seits einfach die besten. Während ich im verregneten Salzburg, oh pardon, verschneiten Stadt sitze und euren Eintrag lese, bekomme ich wieder ein Gefühl der wahren Größe unserer Erde. Freu mich immer wieder dabei zu sein. Andi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.