Jervis Bay und die Schlangen im Paradies

„Die Rotbäuchige Schwarzotter ist eine Schlange aus der Familie der Giftnattern. Das Gift dieser Art wird gemeinhin als nicht sehr gefährlich für den Menschen eingeschätzt, und die Schlange gilt zudem als sehr beißfaul, tödliche Bissunfälle sind allerdings bekannt.“

Ganz entspannt räkelt sie sich in der Nachmittagssonne, und dass sie überhaupt kein Interesse an uns zu haben scheint, ist Anreiz genug für Stefan, um sich ihr bis auf einen Meter zu nähern. Während ich den angemessenen Sicherheitsabstand einhalte, bewundert Stefan diese „wunderschöne“ Schlange, die schwarzen Schuppen, den leuchtendroten Bauch. Es ist die dritte Schwarzotter, über die wir heute stolpern, und das sind definitiv drei Schlangen zu viel für mich.

Wir sind über’s Wochenende nach Jervis Bay gefahren, in diese Bucht südlich von Sydney, in die wir uns vor drei Jahren Hals über Kopf verliebt haben. Hier gibt es die weißesten Strände, kristallklares türkises Wasser, und eine Tierwelt, die man gesehen haben muss (wenn da nur nicht die Schlangen wären).

Der Himmel ist bei unserer Ankunft in Jervis Bay noch bedeckt, es ist kühl und wir beschließen, eine kleine Wanderung zu unternehmen. Der Weg führt durch einen Scribbly Gum Wald. Diese Eukalyptusart verdankt ihren Namen den Motten, die auf der Rinde der Bäume die wundersamsten Kritzeleien hinterlassen, oder eben die ‚Scribbles‘. Im Unterholz leuchten die violetten Blüten wilder Orchideen . Immer wieder hören wir in der Ferne Kookaburras lachen, und als wir schließlich aus dem Wald hinaustreten mitten hinein in eine Wohnsiedlung am berühmten Hyams Beach (laut Guinness Buch der Rekorde der weißeste Strand der Welt), haben sich die Wolken verzogen, und die Sonne lacht vom tiefblauen Himmel.

Lorikeets fliegen von einem Busch zum nächsten und im Ast über uns sitzen rot-blaue Crimson Rosellas. Und da ist er, der australische Ameisenigel, der ganz gemächlich über die Wiese spaziert. Wir haben noch nie ein Echidna in freier Wildbahn gesehen, und können nicht glauben, wie nahe wir dem Tier plötzlich kommen. Echidnas und Platypusse sind die einzigen Säugetiere, die ihre Nachkommen nicht lebendgebären, sondern Eier legen.

Am Nachmittag machen wir es uns am Strand von Green Patch gemütlich. Wir genießen die Sonnenstrahlen, kühlen uns im klaren Wasser ab, und der Sand ist so fein, dass er zwischen unseren Zehen quietscht. Wir spazieren am Strand auf und ab, sammeln Muscheln und beobachten die Schnepfenvögel, die mit ihren langen Schnäbeln Krustentiere aus dem Wasser picken.

So vergehen die zwei Tage wie im Flug, und am Sonntagnachmittag machen wir uns schließlich wieder auf die Heimfahrt nach Sydney. Weil wir noch Zeit haben, beschließen wir, einen Abstecher über das Kangaroo Valley zu machen. Und das ist die beste Entscheidung, die wir treffen können. Kurve um Kurve fahren wir die steile Straße durch einen Farnwald nach oben, bis wir schließlich auf dem Cambewarra Mountain ankommen. Von diesem Lookout eröffnen sich wunderbare Blicke auf die Küste und die Ebenen, an klaren Tagen soll man von hier 80 Kilometer weit bis nach Ulladulla sehen können. Nachdem wir uns sattgesehen haben, fahren wir weiter durch die Hügellandschaft, stoppen an den Fitzroy Falls, und geben uns die volle Dosis australisches Hinterland.

Was für eine gelungene Abwechslung zur Stadt, den verstopften Straßen, den Menschenmassen. Wir kommen wieder, Jervis Bay. Schon ganz bald mit unseren ersten Besuchern aus Europa. Nur bitte, liebes Paradies, halte dich dann mit den Schlangen ein bisschen zurück.

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2 Gedanken zu „Jervis Bay und die Schlangen im Paradies“

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