Row, Row, Row the Boat…

Ungläubig schüttelt Mario den Kopf, und holt noch einmal die Wegbeschreibung aus der Hosentasche. Laut Karte sollten sie direkt vor uns liegen, die Winifred Falls, und am Fuße der Wasserfälle sollten Rockpools mit kaltem, klaren Wasser  zum Schwimmen einladen. In die abgestandene Brühe der zwei Tümpel, auf die wir von der Felsplattform hinunterschauen, würden wir allerdings nicht mal unsere große Zehe stecken. Ratlos stehen wir da und beraten die weiteren Nachmittagspläne. Denn eigentlich wollten wir nach dieser kurzen Buschwanderung im Royal National Park an den Rockpools entspannen. Ein bisschen plantschen, picknicken, vielleicht von den Wasserfällen hinunterspringen in das kühle Nass.

Es ist ein warmer Sommertag, und wir alle wollen definitiv zum Wasser. Strand? Lagune? Oder sollen wir uns doch ein Boot ausleihen, und den Kangaroo Creek hinaufrudern? Wir haben das vor ein paar Jahren schon einmal gemacht, und den Ausflug in bester Erinnerung. Also machen wir uns kurzentschlossen auf den Weg zum Boatshed in Audley. Das Ausleihen geht fix, und bevor wir uns richtig versehen, sitzen wir auch schon zu viert im Ruderboot.

Ashi und ich sind als Erste an der Reihe. Während die Männer entspannen und Anweisungen geben („Rechts halten! Ashi, stärker rudern! Ingrid, das Ruder tiefer eintauchen!“), testen wir unsere Oberkörpermuskulatur aus. Nach anfänglichen Verwirrungen und einigem Im-Kreise-Drehen haben wir den Dreh (der daraus besteht, sich eben nicht zu drehen) raus, und gleiten in unserem Ruderboot mehr oder weniger elegant den Fluss entlang.

Kaum haben wir ein paar hundert Meter und die erste Kurve hinter uns gelassen wird es ruhig. Dunkel liegt der Fluss vor uns, rechts steigen Felswände aus dem Wasser auf, während links der Wald bis ans Ufer wächst. Es ist ganz still – von den spitzen Aufschreien abgesehen, wenn wir „versehentlich“ Wasser ins Boot spritzen.

Eine knappe Stunde rudern wir abwechselnd den Fluss hinauf, bis es schließlich nicht mehr weitergeht. Wir stranden unser Boot hinter ein paar großen Felsen, und endlich – ab geht’s in’s Wasser! Hier lässt es sich wunderbar plantschen, wir mampfen unsere Brote und genießen die Ruhe und die Sommersonne auf der Haut. Leider vergeht die Zeit viel zu schnell, und eher als uns lieb ist müssen wir uns schon wieder auf die Rückfahrt machen. Das Rudern fällt jetzt schon viel leichter – Übung macht den/die MeisterIn! – und wir gewinnen sogar das Wett-„Schwimmen“ gegen eine kleine Schlange, die wohl auch eine Erfrischung nötig hatte.

Fazit unseres Ausfluges: Sich nicht entmutigen lassen, und dem Plan B eine Chance geben. Solange die Gesellschaft passt, Wasser in der Nähe ist, und man starke Oberarme hat, kann im Leben gar nix schief geben!

Ratlos halten wir Ausschau nach den Winifred Falls, die sich laut National Park Website hervorragend zum Pantschen eignen.
Ein Plan B muss her. Und so schlecht ist der auch nicht…
Volle Kraft voraus. Wir lassen die Zivilisation hinter uns, und machen uns auf zu neuen Abenteuern!
Bald liegt ruhig der Fluss vor uns, und wir genießen diese entspannte, stille Art der Fortbewegung.
Hinter einer Biegung geht’s dann plötzlich nicht mehr weiter. Wir stranden unser Boot…
…und erfrischen unsere erhitzte Oberkörpermuskulatur im kühlen Nass.
Was für ein Leben! Andere arbeiten lassen, und sich einfach mal entspannt zurücklehnen – das perfekte Samstagsprogramm!
Fazit: Eine Bootsfahrt, die ist lustig! Eine Bootsfahrt, die ist schön!

In vollen Zügen… auf in ein Neues Jahr!

How to do an Australian Christmas… Wenn es nach der britischen Zeitschrift “The Guardian” geht, dann sind Garnelen, Mangos, Kirschen und jede Menge Booze (Alkohol) die Zutaten für ein gelungenes Weihnachten in Down Under. Das Stillste Fest des Jahres ist hier vor allem eines, nämlich die Zeit des grossen Essens – und so wie in Europa handelt es sich dabei meistens um Familienessen. Weil die sommerlichen Temperaturen es erlauben, wird draußen gefeiert, gerne auch bei einem Barbeque am Strand. Was der Guardian vergessen hat, laut unseren australischen Kontakten aber definitiv nicht fehlen darf, ist die Pavlova, eine Nachspeise, die zu 90% aus Zucker und Eiweiß besteht. Darauf kommen Schlagsahne und – um dem Ganzen wenigstens den Anschein von Gesundheit zu verleihen – frische Früchte. Australische Weihnachten sind außerdem Christmas Carols (das Singen von Weihnachtsliedern im großen Stil), lange Tage am Strand, ein Handtuch neben dem anderen am Bondi Beach, Campingausflüge mit der Familie, Socken am Kamin die am Morgen des 25. Dezembers gefüllt sind, Santa und sein Schlitten, der anstatt von Rentieren von Kängurus gezogen wird… Für uns fühlt sich die Zeit weniger nach Weihnachten an, mehr nach ausgelassenen Festen an warmen Sommerabenden. Die Feiertage verbringen wir vor allem am Strand und beim Wandern. Die meisten Unternehmen hier verhängen einen ‚forced leave‘, was bedeutet, dass die Büros in den zwei Wochen zwischen Weihnachten und dem Heilig-Drei-Königs-Tag im Jänner einfach zusperren. Uns ist der Zwangsurlaub recht, denn am 28. Dezember landet endlich unser erster Besuch – und die Familien-Weihnachtsfeiern können beginnen!

Mein Bruder Michi und seine Freundin Tina halten uns acht Tage lang auf Trab. Gemeinsam erkunden wir die Blue Mountains, füttern Kakadus im Royal National Park, holen uns in Jervis Bay einen Sonnenbrand, entdecken eine Python im Campingklo am Cave Beach, verbrennen uns in der Mittagssonne die Fußsohlen auf den Sanddünen von Myall Lakes, fotografieren Känguruhs vor unserem Ferienhaus im St George Basin View, bestaunen mit großen Augen das Silvester-Feuerwerk, grillen Känguruhwürstchen auf unserer Terasse in Bondi, wandern die Klippen entlang nach Coogee, schlendern durch den botanischen Garten und zum Opernhaus, und kühlen unsere erhitzten Kehlen mit kaltem Cider.

Es sind vollgepackte Weihnachtsferien, und wir haben gestern recht erschöpft wieder zum Arbeiten angefangen. Aber es ist die richtige Art von Erschöpfung. Die Art von Erschöpfung, die man nach spannenden Erlebnissen verspürt, die sonnenverbrannte Nasen und leuchtende Augen hinterlässt, die Lust weckt auf mehr Abenteuer. Es ist die Art von Erschöpfung, von der man im Leben nie genug kriegen kann.

Wir halten nicht viel von guten Vorsätzen für das Neue Jahr. Denn es geht meistens darum, auf etwas zu verzichten (zum Beispiel auf Alkohol, Zigaretten oder zuviel Süßigkeiten), oder etwas deutlich öfter zu tun (zum Beispiel Laufen oder in’s Theater zu gehen). Bevor der erste Monat des Jahres vorbei ist, sind diese Vorsätze auch schon wieder vergessen. Wie wäre es deshalb mit einem Vorsatz, bei dem es nicht um das “Tun”, sondern um das “Sein” geht?

Die intensiv gelebten Urlaubstage haben uns daran erinnert, das Leben jeden Tag intensiv zu nutzen. Zeit draußen zu verbringen, das Gesicht in die Sonne zu halten, im Regen zu tanzen, durch Erfahrungen immer wieder etwas Neues zu lernen. Den Tagen und Wochen nicht nur beim Vorbeifliegen zuzuschauen, sondern mit ganzem Herzen im Hier und Jetzt zu sein. Offen zu sein für die vielen kleinen und großen Abenteuer, die das Leben bereit hält. Präsent zu sein, dem jeweiligen Gesprächspartner hundertprozentige Aufmerksamkeit zu widmen. Lauthals über blöde Witze und tollpatschige Hunde zu lachen, Fremden zuzulächeln, und der Frau, die einem auf dem Gehsteig entgegen kommt, einfach einmal ein „Have a great day!“ entgegen zu schmettern.

Kurzum, zu leben, zu SEIN.

xxx
Vorsatz 1: Freude zulassen, und einfach mal in die Luft springen.
Vorsatz 2: Fremde als Freunde zu sehen, die man nur noch nicht kennengelernt hat.
Vorsatz 3: Das Offensichtliche aus einer anderen Perspektive zu betrachten. 
Vorsatz 4: In allem das Schöne zu sehen.
Vorsatz 4: In allem das Schöne zu sehen.
Vorsatz 5: Einfach mal drauf los zu gehen, ohne zu wissen wohin es geht.
Vorsatz 5: Einfach mal drauf los zu gehen, ohne zu wissen wohin es geht.
Vorsatz 6: Ängste zu überwinden (das nennt man unter anderem auch Leben...).
Vorsatz 6: Ängste zu überwinden (das nennt man unter anderem auch Leben…).
Vorsatz 7: Gefühlen freien Lauf zu lassen.
Vorsatz 7: Nie aufhören zu staunen. 
Vorsatz 8: Zu lieben.
Vorsatz 8: Zu lieben.
Vorsatz 10: Zeit mit lieben Menschen zu verbringen, und sich ganz auf die anderen einzulassen.
Vorsatz 9: Zeit mit lieben Menschen zu verbringen, und sich ganz auf die anderen einzulassen.
Vorsatz 11: Altes einfach mal hinter sich zu lassen. Und dem Neuen freudig entgegengehen.
Vorsatz 10: Altes einfach mal hinter sich zu lassen. Und dem Neuen freudig entgegen zu gehen.