…and may all your Christmases be white!

So schallt es schon seit Wochen durch die Einkaufszentren. Die Australier haben es verpasst, ihre eigenen, zum Hochsommer passenden Lieder zu komponieren. Sie singen deshalb lauthals mit, wenn „Snow is falling“ oder „I’m dreaming of a white Christmas“ aus den Lautsprechern dröhnt.  Und weiße Weihnachten kann man immerhin auch in Australien haben, wenn man entweder an den schneeweißen Stränden feiert, oder so wie das lokale Pub es auf der Kreidetafel am Eingang auf den Punkt bringt:

„I really want a white Christmas. If this isn’t possible I’m fine with a glass of red one, though.“ (Ich möchte wirklich weiße Weihnachten. Wenn das nicht geht, dann ist aber auch ein Glas Rotwein okay.“)

Die Australier lieben ihre Summer Holidays, diese langen Tage am Strand, die Barbies und Picknicks mit der Familie, den morgendlichen Surf. Sie sind verrückt nach hässlichen Strickpullis mit Rentieren darauf, bestellen schon Wochen vor den Feiertagen Unmengen Alkohol online, holen sich am Weihnachtsmorgen frische Meeresfrüchte von den Fish Markets, und sind stolz auf eine gelungene Pavlova (eine sehr süße Nachspeise aus Eiweiß, Zucker und Schlagsahne. Für den Vitaminkick gibt es ein paar Früchte obendrauf. Ja, es besteht eine gewisse Ähnlichkeit zu den Salzburger Nockerln.). Und der Boxing Day (Stephanstag) erst! Der sollte korrekterweise „Tag des hirn- und hemmungslosen Konsums“ genannt werden. Die Einkaufszentren sind pumpvoll, jedes Geschäft wirbt mit Rabatten von bis zu 75% (ob die die Preise in den Wochen vor Weihnachten wohl um 75% nach oben geschraubt haben, und keiner hat’s gemerkt? Wir verbringen den Tag wandernd und schwitzend und gute Ausblicke genießend).

Ach ja, und dann sollten wir an dieser Stelle noch erwähnen, dass es in Australien tatsächlich nur 2 (!) Tage im ganzen Jahr gibt, an denen wirklich fast alles geschlossen hat. Einer ist der Australia Day Ende Januar, der andere der Christmas Day am 25. Dezember. Da heißt es vorplanen. Die Australier kaufen ein, als gäbe es keinen 26. Nur wir Ausländer denken nicht mit, und sind deshalb am Weihnachtstag bis nachmittags um 4 Uhr auf der Suche nach Mittagessen ;-)

Ganz so schlimm ist es nicht, nach einem guten Panettone-Frühstück starten wir schon früh in den Royal National Park. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 28 Grad wandern wir los, den bei Surfern sehr beliebten Garie Beach entlang, über steppenartige Hügel und durch das berüchtigte Schlangengras. Sehr bald schon wird es sehr heiß, wir schwitzen und nutzen die erste Gelegenheit, uns im Meer abzukühlen. Der Pazifik ist eiskalt und tut seine Wirkung. Wir kommen an einer kleinen Siedlung mitten im Nationalpark vorbei, hier schmiegen sich kleine Wellblechhütten an den Hang, die Ausblicke sind spektakulär. Eine ältere Frau, die auf einer Bank vor ihrer Hütte sitzt, winkt uns freundlich zu, und wir bleiben auf einen Weihnachtsplausch stehen.

Die Beach Shack ist schon in der dritten Generation in der Familie, und es wundert uns gar nicht, dass ihr Sohn und seine Mates die meisten Wochenenden hier verbringen. 134 Shacks gibt es in North Era Beach, die meisten werden mit Solarenergie versorgt. Zufahrt gibt es keine, die 2,5 Kilometer vom Parkplatz muss man zu Fuß zurücklegen. Doch wen stört schon ein kleiner Fußmarsch, wenn am Ende des Pfades das Paradies wartet? Zum Verkauf steht leider keine der Hütten, denn „wer würde das hier schon freiwillig aufgeben?“ Das Beste aber sei die Community, erzählt uns die Australierin. Wo sie heute Weihnachten feiert? Na hier natürlich! Sie müsse sich jetzt dann auch langsam fertig machen, denn zum Weihnachtslunch treffen sich alle vor der Community Hall am Strand. Jeder bringe etwas mit, einen Salat, Fleisch, Kuchen, Brot, und nicht ganz unwichtig Alkohol. „Zum Glück gibt es hier ja keine Straßen. Denn wenn du trinkst, dann darfst du nicht fahren, dann musst du gehen. Und wenn du nicht gehen kannst… Ja dann musst du kriechen!“ Wir verabschieden uns und wandern weiter, und sind ein kleines bisschen neidisch auf diese Community und ihre Wellblechhütten.

Auf der Heimfahrt halten wir vergebens Ausschau nach einem Fish’n Chips Shop, einem Take Away, einem Restaurant. Zum Glück finden wir im Kühlschrank noch Grillbares, und lassen den Tag mit einem entspannten, köstlichen Barbie auf unserer Terasse zu Ende gehen.

Wir wünschen euch allen MERRY CHRISTMAS, hoffentlich weiße – aber falls daraus nichts wird, dann tut es auch ein Glas Rotwein oder Punsch!

Wir starten unseren Christmas Day Walk in Garie Beach, dem bei Surfern beliebten Strand im Royal National Park.
Wir starten unseren Christmas Day Walk in Garie Beach, dem Surferstrand im Royal National Park.
Durch das kniehohe Schlangengras wandern wir den Hügel hinauf. Ein Blick zurück lohnt sich aber definitiv!
Durch das kniehohe Schlangengras geht’s den Hügel hinauf, ein Blick zurück lohnt sich definitiv!
Immer wieder raschelt es im Gebüsch, doch heute sind nur kleine Echsen, keine fetten Schlangen unsere Weggefährten.
Immer wieder raschelt es im Gebüsch, doch heute sind nur kleine Echsen, keine fetten Schlangen unsere Weggefährten.
Das Wasser ist einfach zu verlockend - schnell runter zum nächsten Strand, um uns abzukühlen!
Das Wasser schaut einfach zu verlockend aus – eine kleine Abkühlung am nächsten Strand ist fällig!
Das Wandern lohnt sich. Während sich nahe der Parkplätze im Royal National Park Tausende tummeln, gehören uns die abgelegeneren Strände ganz alleine...
Das Wandern lohnt sich. Während sich nahe der Parkplätze im Royal National Park Tausende tummeln, gehören uns die abgelegeneren Strände ganz alleine… Links hinten kann man die abgelegenen Wochenend-Hütten vom North Era Beach erkennen.
Die Community am North Era Beach kann sich glücklich schätzen. Noch ist es hier ruhig und idyllisch, aber in den kleinen Wellblechhütten bereitet man sich vor auf das große gemeinsame Weihnachtsgelage.
Die Mitglieder dieser Community können sich glücklich schätzen. Noch ist es hier ruhig, aber in den kleinen Wellblechhütten bereitet man sich vor auf das große gemeinsame Weihnachtsgelage.
Zurück in der Zivilisation. Hier wird gegrillt, getrunken und gefeiert, was das Zeug hält. Weihnachten auf Australisch!
Zurück in der Zivilisation. Als wir nach einigen Stunden wieder in Garie Beach ankommen, wird hier schon gegrillt, getrunken und gefeiert, was das Zeug hält. Weihnachten auf Australisch!
Da machen wir es uns lieber bei einem Barbie auf unserer Terrasse gemütlich. Mahlzeit und Merry Christmas!
Zum Abschluss eines gelungenen Weihnachtstages machen wir es uns bei einem Barbie auf unserer Terrasse gemütlich. Mahlzeit und Merry Christmas!
Wir wünschen euch schöne Feiertage und viel Auszeit für euch und eure Lieben!
Wir wünschen euch schöne Feiertage und viel Auszeit für euch und eure Lieben!

Jervis Bay und die Schlangen im Paradies

„Die Rotbäuchige Schwarzotter ist eine Schlange aus der Familie der Giftnattern. Das Gift dieser Art wird gemeinhin als nicht sehr gefährlich für den Menschen eingeschätzt, und die Schlange gilt zudem als sehr beißfaul, tödliche Bissunfälle sind allerdings bekannt.“

Ganz entspannt räkelt sie sich in der Nachmittagssonne, und dass sie überhaupt kein Interesse an uns zu haben scheint, ist Anreiz genug für Stefan, um sich ihr bis auf einen Meter zu nähern. Während ich den angemessenen Sicherheitsabstand einhalte, bewundert Stefan diese „wunderschöne“ Schlange, die schwarzen Schuppen, den leuchtendroten Bauch. Es ist die dritte Schwarzotter, über die wir heute stolpern, und das sind definitiv drei Schlangen zu viel für mich.

Wir sind über’s Wochenende nach Jervis Bay gefahren, in diese Bucht südlich von Sydney, in die wir uns vor drei Jahren Hals über Kopf verliebt haben. Hier gibt es die weißesten Strände, kristallklares türkises Wasser, und eine Tierwelt, die man gesehen haben muss (wenn da nur nicht die Schlangen wären).

Der Himmel ist bei unserer Ankunft in Jervis Bay noch bedeckt, es ist kühl und wir beschließen, eine kleine Wanderung zu unternehmen. Der Weg führt durch einen Scribbly Gum Wald. Diese Eukalyptusart verdankt ihren Namen den Motten, die auf der Rinde der Bäume die wundersamsten Kritzeleien hinterlassen, oder eben die ‚Scribbles‘. Im Unterholz leuchten die violetten Blüten wilder Orchideen . Immer wieder hören wir in der Ferne Kookaburras lachen, und als wir schließlich aus dem Wald hinaustreten mitten hinein in eine Wohnsiedlung am berühmten Hyams Beach (laut Guinness Buch der Rekorde der weißeste Strand der Welt), haben sich die Wolken verzogen, und die Sonne lacht vom tiefblauen Himmel.

Lorikeets fliegen von einem Busch zum nächsten und im Ast über uns sitzen rot-blaue Crimson Rosellas. Und da ist er, der australische Ameisenigel, der ganz gemächlich über die Wiese spaziert. Wir haben noch nie ein Echidna in freier Wildbahn gesehen, und können nicht glauben, wie nahe wir dem Tier plötzlich kommen. Echidnas und Platypusse sind die einzigen Säugetiere, die ihre Nachkommen nicht lebendgebären, sondern Eier legen.

Am Nachmittag machen wir es uns am Strand von Green Patch gemütlich. Wir genießen die Sonnenstrahlen, kühlen uns im klaren Wasser ab, und der Sand ist so fein, dass er zwischen unseren Zehen quietscht. Wir spazieren am Strand auf und ab, sammeln Muscheln und beobachten die Schnepfenvögel, die mit ihren langen Schnäbeln Krustentiere aus dem Wasser picken.

So vergehen die zwei Tage wie im Flug, und am Sonntagnachmittag machen wir uns schließlich wieder auf die Heimfahrt nach Sydney. Weil wir noch Zeit haben, beschließen wir, einen Abstecher über das Kangaroo Valley zu machen. Und das ist die beste Entscheidung, die wir treffen können. Kurve um Kurve fahren wir die steile Straße durch einen Farnwald nach oben, bis wir schließlich auf dem Cambewarra Mountain ankommen. Von diesem Lookout eröffnen sich wunderbare Blicke auf die Küste und die Ebenen, an klaren Tagen soll man von hier 80 Kilometer weit bis nach Ulladulla sehen können. Nachdem wir uns sattgesehen haben, fahren wir weiter durch die Hügellandschaft, stoppen an den Fitzroy Falls, und geben uns die volle Dosis australisches Hinterland.

Was für eine gelungene Abwechslung zur Stadt, den verstopften Straßen, den Menschenmassen. Wir kommen wieder, Jervis Bay. Schon ganz bald mit unseren ersten Besuchern aus Europa. Nur bitte, liebes Paradies, halte dich dann mit den Schlangen ein bisschen zurück.

Jervis Bay oder das paradies auf erden

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unterwegs im Zauberwald

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Die Fabelhafte Welt der Tiere

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Auf EntdeckungsFahrt im Hinterland

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Kunst… oder doch eine schlange?!

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