Für immer und ewig, idealerweise

Wir haben das Thema wahrscheinlich schon mal angeschnitten, aber definitiv verdient es sich eine eigene, umfassende Analyse: Hochzeit und Ehe in Australien. Wobei die Ehe eher zu vernachlässigen ist – es geht hier tatsächlich fast ausschließlich um diesen einen Tag, diesen schönsten Tag im Leben von zwei Menschen, diesen Tag, auf den jedes australische Mädchen (Achtung, Verallgemeinerung!) wartet und hinarbeitet.

In wohl keinem anderen Land der Welt wird Wedding so groß geschrieben. Halt, werdet ihr sagen: Was ist mit all den traditionellen Ländern, in denen Mädchen mit 16 verheiratet werden, was ist mit Indonesien, Japan, dem mittleren Osten? Stimmt, dort werden Mädchen früh verheiratet, sei es, weil eine Frau auf einen Mann angewiesen ist, der ihr finanzielle Sicherheit gibt, sei es aufgrund traditioneller Lebensentwürfe und tiefreligiöser Einstellungen oder auch, weil Frauen in manchen Ländern nur als Ehefrau etwas wert sind.

Doch was Australien von all diesen Ländern unterscheidet: Es gibt hier weitreichende Chancengleichheit für beide Geschlechter (wenigstens soweit, wie Gleichstellung in modernen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts geht. Frauen haben im Alltag – vor allem im beruflichen – noch immer mit mehr Hürden zu rechnen als Männer.),  Australien ist nicht besonders religiös (es gibt keine Staatsreligion, ein Viertel aller Australierinnen und Australier bezeichnen sich gar als religionslos). Australische Mädchen scheinen selbstbewusst und unabhängig zu sein – und trotzdem streben sie alle danach, wenigstens einen Tag lang Prinzessin zu sein, wenigstens einen Tag lang im weißen Traumkleid im Mittelpunkt zu stehen.

Das geht soweit, dass sich nach unserer Rückkehr aus dem Fiji-Urlaub im August gleich mehrere Arbeitskolleginnen und –kollegen um Ingrid scharen, und ihr irritiert auf die Hand starren. Was, kein Ring? Ein Fiji-Urlaub ganz ohne Verlobung? “Poor thing”, scheinen sie sich zu denken, und eine Bürokollegin spricht es später in der Kaffeeküche tatsächlich aus: “Ihr seid seit fast neun Jahren ein Paar, und er hat dir immer noch keinen Antrag gemacht? Macht dir das denn gar nichts aus? Denkst du daran, ihn zu verlassen? Wie lange gibst du ihm denn noch?”

Um diesen Artikel in den richtigen Kontext zu rücken: Die Ehe kann eine wunderschöne Einrichtung sein, und das öffentliche Versprechen, sich ein Leben lang zu lieben und zu ehren, ist ein sehr schöner Wahnsinn. Dass man diesen Tag mit Freunden und Familie verbringt, und die Liebe und das Leben feiert, ist toll (wie vor einigen Monaten berichtet, geht es natürlich auch anders!).

Doch worum es bei einer australischen Hochzeit zu gehen scheint, ist: Ein größeres Fest, ein bauschigeres Kleid, einen stressigeren Tag als alle anderen Brautpaare zu haben. Wen soll man denn einladen zur Sause im Schicki-Micki-Restaurant? Die entfernte Großcousine + 1? Einen neuen Arbeitskollegen? Na klar, so viele Gäste wie möglich, auch wenn man einige davon nicht wirklich kennt/mag. Und warum fliegt nicht gleich die ganze Hochzeitsgesellschaft nach Bali oder Fiji oder Thailand, oder wenigstens die australische Ostküste entlang? Wenn sich das nicht ausgeht, dann cruisen wir mit der Hummer-Limo durch die verstopften Straßen Sydneys und verbringen fernab von der Hochzeitsgesellschaft drei Stunden bei Sonnenuntergang für einen Fototermin vor dem Opernhaus (wo wir uns mit anderen Brautpaaren um den besten Platz kämpfen). Und weil das alles am meisten Spaß macht wenn man noch jung ist, heiraten wir am besten mit spätestens 25 und nach drei Jahren Beziehung.

Diese Beschreibung klingt übertrieben (und ist es auch! Aber geschriebener Sarkasmus funktioniert so einfach besser…). Das Durchschnitts-Heiratsalter in Australien ist 27,9 Jahre für Frauen und 29,6 Jahre für Männer. Zum Vergleich: In Deutschland liegt es bei 30,2 Jahren für Frauen und bei 33,1 Jahren für Männer, in Österreich bei 29,1 Jahren (Frauen) sowie 31.7 Jahren (Männer). Jünger als die Australier wagen sich die Amis vor den Altar: Hier ist die Braut durchschnittlich 26 Jahre, der Bräutigam 27.7 Jahre alt.

Doch zurück zum Heiraten in Australien: Eine Hochzeit kostet durchschnittlich rund 42.000 AUD (das sind ein bisschen mehr als 28.000 Euro). Ganz schön viel dafür, dass jede dritte Ehe geschieden wird. (Darin unterscheidet sich allerdings auch Österreich nicht von dem Kontinent down under… laut Statistik Austria werden in der Alpenrepublik 43% der Ehen geschieden).

Zum Abschluss dieses Artikels: Natürlich gönnen wir allen Brautpaaren ihren großen Tag, und wir rufen auch immer fleißig “Congratulations!”, wenn wir wieder einer strahlenden Braut begegnen (oder einer genervt dreinschauenden, kommt darauf an, wie lange der Fototermin schon dauert). Wir finden es toll, dass sich hier so viele trauen. Wir haben was zum Schauen, ein sich küssendes Brautpaar ist eine tolle Aufwertung für jedes Opernhaus-Foto. Und wer weiß? Vielleicht hält’s ja für immer, und dieser eine Tag ist der unvergesslichste des Lebens zu zweit. Aber dass noch ganz viele schöne folgen mögen, auch ohne Trara und Pomp, das wünschen wir euch, Mr. & Mrs. Newlyweds!

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Mit dem Tele in der Hand…

…schleichen wir durch’s ganze Land! Unser wöchentlicher Sonntagsausflug hat uns wieder einmal in den Royal National Park geführt, allerdings  haben wir die Wälder heute nicht zu Fuß, sondern auf dem Wasserweg erkundet. Unsere Oberarmmuskeln  wurden bei der Kanufahrt auf dem Hacking und auf dem Kangaroo River ziemlich beansprucht, nicht nur vom Rudern, sondern auch vom Stemmen unseres großen Objektivs.

Doch was für eine wunderbare Art von Morgensport: Immer wieder sichten wir am Ufer Kingfisher, Schwalben fliegen tief über unseren Köpfen hinweg und wir lernen, dass sich Kormorane kurz vor dem Abheben buchstäblich „ansch***“ wenn man ihnen zu nahe kommt. Rings um uns der Wald, es scheint ein nahezu undurchdringlicher Dschungel zu sein. Palmen, Farne und Eukalyptusbäume bilden ein dichtes Blätterdach, und der Fluss wälzt sich gemütlich und nahezu ohne Strömung durch die wunderbare Landschaft.

Als wir nach vier Stunden Rudern unser Kanu wieder abgeben beim „Historical Boatshed“ in Audley (wenn es um Historie geht, neigen die Australier etwas zur Übertreibung. Es handelt sich bei dieser historischen Einrichtung um eine alte Bootshütte, die architektonisch rein gar nichts wertvolles oder besonderes aufzuweisen hat.), knurrt unser Magen, und wir freuen uns auf ein gemütliches Barbeque mit Freunden, die wir gleich am Wattamolla Beach treffen wollen.

Als wir dort ankommen, wartet eine böse Überraschung: Tomas sind die Autoschlüssel in einen schmalen Spalt zwischen zwei Mauern im Klo gefallen. Und Stefan geht erst mal nach Schlüsseln fischen, bevor wir uns ans Grillen machen können. Dank Anglerschnur und Haken gibt’s 30 Minuten später Entwarnung. Die Schlüssel sind gerettet und unser Nachmittag auch. Wir genießen gegrillte Pilze, Zucchini und Lammwürstchen mit Mango, sowie einen entspannten Nachmittag am Strand. Wie gut das Sonnentanken nach zwei verregneten Wochenenden tut!

Dabei haben wir auch den Samstag sehr gemütlich in der Sonne (wenigstens zeitweise) verbracht, genauer gesagt beim Vögel- und Menschenbeobachten. Doch dazu gibt’s Mitte der Woche mehr – wir müssen zuerst noch für uns analysieren, was wir von unseren Beobachtungen halten sollen. Inzwischen ein paar Eindrücke des heutigen Tages – Viel Spaß beim Schauen!

Auf dem Hacking River wagen wir uns immer tiefer in die Wildnis, und versuchen im Dickicht all die Tiere zu entdecken, die sich dort verstecken. Glücklicherweise sichten wir ausnahmsweise Vögel und Waterdragons, aber keine der Diamantpythons, die in dem Wald (und im Fluss?) ebenfalls beheimatet sein sollen.
Auf dem Hacking River wagen wir uns immer tiefer in die Wildnis, und versuchen im Dickicht all die Tiere zu entdecken, die sich dort verstecken. Glücklicherweise sichten wir ausnahmsweise Vögel und Waterdragons, aber keine der Diamantpythons, die in dem Wald (und im Fluss?) ebenfalls beheimatet sein sollen.
Der Azure Kingfischer strahlt in leuchtendem Orange und tiefem Blau - trotzdem kann man ihn fast nur entdecken, wenn er sich bewegt oder man genau weiß, auf welchem Ast er sitzt.
Der Azure Kingfischer strahlt in leuchtendem Orange und tiefem Blau – trotzdem kann man ihn fast nur entdecken, wenn man genau weiß, auf welchem Ast er sitzt.
Glücklicherweise bekommen wir auch eine zweite Eisvogelart, den Forest Kingfisher, vor die Linse.
Glücklicherweise bekommen wir auch eine zweite Eisvogelart, den Sacred Kingfisher, vor die Linse. Beeindruckend, wie mühelos der Vogel nach Nahrung tauchen kann!
Der Australien Darter genießt die Sonnenstrahlen auf dem nassen Gefieder, doch völlig entspannt ist er nicht. Argwöhnisch beobachtet er das Kanu mit den seltsamen Gestalten, die sich langsam nähern.
Der Australien Darter genießt die Sonnenstrahlen auf dem nassen Gefieder, doch völlig entspannt ist er nicht. Argwöhnisch beobachtet er das Kanu mit den seltsamen Gestalten, die sich langsam nähern.
Schaut ähnlich aus, ist aber kein Darter, sondern ein kleiner schwarzer Kormoran. Und wir wissen seit heute, woher der Ausdruck "sich vor Angst in die Hosen sch***" kommt: Ausnahmslos alle Kormorane, denen wir uns nähern, entleeren ihren Darm ins Wasser, bevor sie hektisch abheben.
Schaut ähnlich aus, ist aber kein Darter, sondern ein kleiner schwarzer Kormoran. Und wir wissen seit heute, woher der Ausdruck „sich vor Angst in die Hosen sch***“ kommt: Ausnahmslos alle Kormorane, denen wir uns nähern, entleeren ihren Darm ins Wasser, bevor sie hektisch abheben.
Der häufig vorkommende New Holland Honeyeater ist in Kombination mit den orangen Blüten besonders fotogen - Merkmal sind die stechend hellblauen, beinahe weißen Augen.
Der häufig vorkommende New Holland Honeyeater ist in Kombination mit den orangen Blüten besonders fotogen – Merkmal sind die stechend hellblauen, beinahe weißen Augen.