Buschwanderung: Von Wattamolla zum Marley Beach

„Es gibt nur wenige unberührte und natürlich belassene Strände rund um Sydney, aber Marley Beach ist einer davon. Die Brandung hier ist gefährlich, und die Sanddünen, die hinter Marley Beach liegen, werden vom Wind unentwegt verschoben und verändert.“

Diese Beschreibung in unserem Wanderführer klingt so, als würde uns unser heutiges Ausflugsziel sehr gut gefallen. Und tatsächlich: Wir entdecken neue Lieblingsplätze im Royal National Park und verbringen einen wunderschönen, sonnigen, warmen Wintertag im Freien. Doch von vorne…

Es ist noch früh als wir in Wattamolla ankommen – das ist der Strand, über den wir schon mehrfach berichtet haben. Heute wollen wir aber nicht hier bleiben, sondern zum Marley Beach wandern. Der Ausdruck „Bushwalk“, den die Australier liebend gerne benutzen, beschreibt die erste Hälfte unserer Wanderung tatsächlich perfekt. Wir wandern durch Buschland, schauen über niedrige Banksiasträucher mit ihren dicken orangen Dolden hinaus auf scheinbar unendliche Wälder und fragen uns angesichts des tiefblauen Himmels und der milden Temperaturen, wo denn der Winter geblieben ist. Alles scheint zu blühen: Die Sträucher tragen neongelbe, zartviolette, schneeweiße Blüten. Fuchsien, Wachsblumen und Buschiris säumen den Weg. Die Blütendüfte erfreuen natürlich auch die vielen Vögel. Noch nie haben wir so viele Honeyeater (Honigfresser) auf einem Fleck gesehen!

Wir marschieren einen staubigen Fire Trail entlang, bis an einer Abzweigung der Deer Pool (Rotwild Schwimmbecken) ausgeschildert sind. Zwar liegt er nicht auf unserer Route, aber weil’s so schön ist, nehmen wir den Umweg gerne in Kauf. Und es lohnt sich – wir können uns ein erfrischendes Bad im Sommer lebhaft vorstellen. Es gibt hier, inmitten von Buschland und Wald, sogar einen kleinen Sandstrand, an dem man ganz hervorragend grillen oder sogar zelten könnte. Und weil wir gerade auf Inspirationssuche sind (immerhin haben sich inzwischen einige Besucher angemeldet, denen wir unsere schöne neue Heimat natürlich von der besten Seite zeigen wollen), landet dieser Platz auf unserer „Unbedingt Anschauen!“-Liste.

Zurück auf dem Hauptpfad, wo die Ausblicke besser und vor allem weiter sind, entdecken wir mit Schrecken einige gar nicht so harmlose Wolkenberge gar nicht so weit entfernt. Zudem ist ein Wind aufgekommen, der die dunkelgrauen Gewitterschwaden direkt in unsere Richtung zu treiben scheint. Von Blitz, Donner und Niederschlag war im Wetterbericht gar keine Rede – vorausgesagt war ein bewölkter Tag, allerdings mit einer Regenwahrscheinlichkeit von nur 20%. Doch wenn die Temperaturen im Juli 8 Grad über dem Durchschnitt liegen, dann passt ein Sommergewitter natürlich auch gut in einen allzu sommerlichen Tag.

Und so kommt’s, dass wir wie geplant genau um die Mittagszeit Marley Beach erreichen, unser Picknick aber unter den überhängenden Felsen am Ende des Strands verspeisen müssen. Aber wer will sich denn beklagen – immerhin kommt gleich nach der rund viertelstündigen Pause schon wieder die Sonne raus. Wir nutzen die Gelegenheit und erkunden die Lagune, die hinter dem Strand liegt. Hohe Sanddünen laden geradezu zum Herumrennen und Hüpfen ein. Wir schießen Foto um Foto und genießen die außergewöhnliche Landschaft – und machen uns dann um einen „Unbedingt Anschauen!“-Listeneintrag reicher auf den Rückweg.

Der soll uns nicht durch’s Buschland im Landesinneren, sondern den Klippen entlangführen. Fazit: Dieser Walk wird mit jedem Meter spektakulärer! Das Panorama ist wirklich atemberaubend, die Vielfalt der Landschaften – Pools im Wald, hohe Sanddünen, unberührte Strände, tiefrot gefärbte Sandsteine, hohe ins Meer abfallende Klippen – ist unglaublich. Als wir nach rund 5 Stunden Wanderung wieder am Auto ankommen, sind wir erschöpft, nicht nur körperlich, sondern vor allem auch mental. Die Eindrücke müssen erst mal verarbeitet werden. Zur Entspannung machen wir auf der Rückfahrt nach Sydney noch Stopp bei unseren besonderen Freunden, den Gelbhaubenkakadus in Audley. Die scheinen im Winter definitiv ausgehungerter als im Sommer und im Herbst, und beharren darauf, dass wir eine halbe Packung Toast an sie verfüttern (obwohl wir uns sehr wohl bewusst sind, dass das den Tieren nicht gut tun kann, können wir uns gegen Schnäbel, die uns in Hände, Schultern und Ohren picken, einfach nicht anders wehren). Ausgehungerte freche Kakadus: definitiv auch ein „Unbedingt Anschauen!“

Es ist wirklich schwer, so viel Schönheit auf einem Foto einzufangen… Das merkt man auch an der Auswahl der heutigen Bilder – wir konnten uns einfach nicht entscheiden, und laden deshalb einfach ein paar mehr hoch. In diesem Sinne: Viel Spaß beim Bilder-Schauen!

Dieses Buschland durchqueren wir - wenigstens 10 Kilometer davon. Und fühlen uns schon gleich beim Start wie die Könige der Welt!
Dieses Buschland durchqueren wir – wenigstens 10 Kilometer davon. Und fühlen uns schon gleich beim Start wie die Könige der Welt!
Über Stock und Stein und Bäche führt der Wanderweg durchs Hinterland. Gut für die Fitness, gut für die Laune!
Über Stock und Stein und Bäche führt der Wanderweg durchs Hinterland. Gut für die Fitness, gut für die Laune!
Viele Büsche und Sträucher stehen in voller Blüte. Auch wo man es nicht vermutet - nämlich auf staubtrockener Erde - wachsen Blumen, hier eine Busch-Iris.
Viele Büsche und Sträucher stehen in voller Blüte. Diese Busch-Iris wächst aus staubtrockener Erde.
Die Deer Pools bieten im Sommer sicher willkommene Gelegenheit für eine Abkühlung. Im Winter genießt man am besten einfach die Stille und die warmen Sonnenstrahlen.
Der Deer Pool bietet im Sommer sicher willkommene Gelegenheit für eine Abkühlung. Im Winter genießt man am besten einfach die Stille und die warmen Sonnenstrahlen.
Ständige Begleiter auf dem Weg: die New Holland Honeyeater. Das beeindruckendste an diesen Nektarfressern sind ihre glasblauen Augen - und die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der sie sich auf den nächsten Banksia-Strauch stürzen.
Ständige Begleiter auf dem Weg: die New Holland Honeyeater. Das beeindruckendste an diesen Nektarfressern sind ihre glasblauen Augen – und die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der sie sich auf den nächsten Banksia-Strauch stürzen.
Aber auch zahlreiche andere Vogelarten tummeln sich in den Büschen entlang des Weges. Leider konnten wir noch nicht herausfinden, wie dieser kleine Geselle heißt.
Aber auch zahlreiche andere Vogelarten tummeln sich in den Büschen entlang des Weges. Leider konnten wir noch nicht herausfinden, wie dieser kleine Geselle heißt.
Nach rund zweieinhalb Stunden erreichen wir Marley Beach, einen kleinen unberührten Sandstrand, der nur zu Fuß erreichbar ist.
Nach rund zweieinhalb Stunden erreichen wir Marley Beach, einen unberührten Sandstrand, der nur zu Fuß erreichbar ist.
Hinter dem Strand liegen Sanddünen, die vom Wind immer wieder verschoben und neu geschichtet werden. Die dunklen Wolken im Hintergrund sorgen für eine viertelstündige "Regenzeit", genau als wir unser Mittagessen auspacken.
Hinter dem Strand liegen Sanddünen, die vom Wind immer wieder verschoben und neu geschichtet werden. Die dunklen Wolken im Hintergrund sorgen für eine viertelstündige „Regenzeit“ beim Mittagessen.
Nach dem Essen herrscht dann wieder eitel Sonnenschein, und wir können gar nicht genug bekommen von der Wüstenlandschaft unterm tiefblauen Himmel.
Nach dem Essen herrscht dann wieder eitel Sonnenschein, und wir können gar nicht genug bekommen von der Wüstenlandschaft unterm tiefblauen Himmel.
Am frühen Nachmittag machen wir uns auf dem Heimweg, der uns an der Küste entlang führt.
Am frühen Nachmittag machen wir uns auf dem Heimweg, der uns an der Küste entlang führt.
Die Landschaft ist höchst abwechslungsreich: Flüsse, die ins Meer fließen...
Die Landschaft ist höchst abwechslungsreich: Flüsse, die ins Meer fließen…
...und Blumenteppiche, die den Sand am Little Marley Beach, also der kleinen Schwester unseres neuentdeckten Traumstrandes, bedecken.
…und Blumenteppiche, die den Sand am Little Marley Beach, also der kleinen Schwester unseres neuentdeckten Traumstrandes, bedecken.
Dann wieder Felsen, die dem Übernamen Australiens alle Ehre machen: Der Rote Kontinent zeigt sich hier im Royal National Park von seiner besten Seite.
Dann wieder Felsen, die dem Übernamen Australiens alle Ehre machen: Der Rote Kontinent zeigt sich hier im Royal National Park von seiner besten Seite.
Der Kakadu-Flüsterer. Ein paar Scheiben Toastbrot machen's möglich!
Der Kakadu-Flüsterer. Ein paar Scheiben Toastbrot machen’s möglich! 

Mehr vom Winter am Meer

Es ist nahezu menschenleer am Bondi Beach, wenn man in diesen Wochen abends am Strand entlang spaziert. Die Geschäfte sperren früh zu, in den Restaurants sitzen nur wenige Menschen, und auf der Promenade trifft man vor allem Hundebesitzer, die noch einmal hinaus müssen mit ihrem Vierbeiner.

Morgens zeigt sich der Strand ähnlich leergefegt, aber es gibt auch jetzt Hartgesottene, die sich zum Sonnenaufgang ins 17,5°C kalte Wasser wagen. Wir genießen die Ausblicke von unserer geschützten Stelle unter den Felsen in South Bondi aus und lassen die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf unsere Gesichter scheinen.

Gut nur, dass die Sonne hier in Australien im Moment ohnehin erst um 7 Uhr aufgeht. Das bedeutet, dass man auch ohne Schlafentzug in den Genuss dieser wertvollen Stunden kommt. Zum Glück gibt’s wohl nirgends auf der Welt so viele Kaffees und Bars wie hier. Und wir belohnen uns für’s Frühaufstehen am Wochenende mit einem köstlichen Kaffee und wunderbaren pochierten Eiern mit Lachs und Avocado (bzw. für die süßen Gelüste gibt’s Pfirsiche und Rhabarberkompott mit Ahornsirup auf Ricotta auf getoastetem Croissant). Einen schönen guten Morgen!

Wenn sich die ersten Sonnenstrahlen über Ben Buckler, die Landspitze in North Bondi, schieben, dann geht es schnell: in wenigen Minuten ist der ganze Strand beleuchtet.
Wenn sich die ersten Sonnenstrahlen über Ben Buckler, die Landspitze in North Bondi, schieben, dann geht es schnell: in wenigen Minuten ist der ganze Strand beleuchtet.
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Wir kauern uns unter „unsere“ Felsen in South Bondi, die im Morgenlicht ganz rot erscheinen.
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Hartgesotten: Während die Surfer und die meisten Schwimmer sich mit einem Wetsuit vor dem 17,5°C kalten Wasser schützen, nimmt diese Schwimmerin die „winterlichen“ Verhältnisse sportlich.
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Im Morgenlicht lässt sich’s gut fotografieren…
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„A summer body is made in winter“ – das ist das Motto der meisten Bewohner von Bondi. Diese „Boxing Mums“ arbeiten hart daran, ihre ohnehin makellosen Bikini Bodies in Schuss zu halten.
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Wir halten’s wie der Kakadu, und gehen den Tag gemütlich an. Einfach da sitzen und genießen…
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Auch im Winter blüht’s in Bondi – im Moment halt robustere Blumen.