Jede ist ihres Glückes Schmied… oder so

Heute: Sydney aus Ingrids Sicht

„Jede ist ihres Glückes Schmied“, besagt ein altes Sprichwort. In meinem Fall trifft eher zu: Jede ist ihres Silberrings Schmied. Und ein schöner Silberring hängt ja auch wieder zu einem gewissen Ausmaß mit Glück zusammen! Eine Großstadt hat viele Vorteile: Restaurants, die Essen aus aller Welt anbieten. Veranstaltungen nicht nur am Samstag, sondern an jedem einzelnen Tag der Woche. Supermärkte, die täglich von 6:30 bis 24 Uhr geöffnet sind. Und ein unerschöpfliches Angebot an Aus- und Weiterbildungen.

Hier wird endlich möglich, wovon ich schon lange träume: In einer Jewellery Class lerne ich wie man Metall bearbeitet, und nebenbei ganz viele englische Wörter, für die ich nicht mal das deutsche Pendant kenne. Annealing, soldering, ring mandrel… Sieben Wochen haben wir Zeit, um ein Design zu finden, das uns a) gefällt, und b) das wir im Beginnerkurs auch umsetzen können.

Ich mach es mir im Vergleich zu den anderen sehr einfach – nehm ich wenigstens an, als ich der Lehrerin ein Bild des Rings zeige, den ich gerne schmieden würde. Der kleine Jumpring bringt mich dann allerdings fast um den Verstand. Drei Stunden verbringe ich damit, kleine Ringe mit einem Durchmesser von ca. 7 Millimetern zu schmieden. Das Metall um einen sehr schmalen Ring Mandrel wickeln, den Ring zusammenbiegen, und mit einem winzigen Stück Lötdraht zusammenlöten. Nach 14 oder 15 Versuchen hab ich dann endlich zwei Ringchen, die ich als Zwischenstück verwenden kann. Man braucht viel Geduld, um etwas zu schmieden, das man in jedem Bastelladen um 30 Cent pro Stück kaufen kann…

Doch auch wenn er weit entfernt von einem perfekten Silberring ist – ich trage mein erstes selbstgeschmiedetes Schmuckstück jetzt seit zwei Wochen ununterbrochen. Immerhin passt der Ring perfekt auf meinen rechten Mittelfinger. Und er sieht fast so aus, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Nur feilen und polieren muss ich noch. Aber ein ganzer Schmuck-Schmiede-Abend liegt ja zum Glück noch vor mir. Und dann geht’s weiter mit dem Fortgeschrittenen-Kurs!

Das Wichtigste beim Schmuck-Schmieden ist das Annealen. Jedes Metall verkrampft sich, wenn es bearbeitet wird. Deshalb ist es wichtig, es immer wieder zu "entspannen", sprich: erhitzen.Das Wichtigste beim Schmuck-Schmieden ist das Annealen. Jedes Metall verkrampft sich, wenn es bearbeitet wird. Deshalb ist es wichtig, es immer wieder zu „entspannen“, sprich: erhitzen.

Abschließend wir der Ring am Ring Mendral in Form gehämmert. Das ist gar nicht so leicht, wenn man mit einem Zwischenstück arbeitet - weil man dann doppelt aufpassen muss, wohin man zielt!
Abschließend wir der Ring am Ring Mendral in Form gehämmert. Das ist gar nicht so leicht, wenn man mit einem Zwischenstück arbeitet – weil man dann doppelt aufpassen muss, wohin man zielt!
Mein erster selbstgeschmiedeter Ring! Die Lötstelle des kleinen Bronzerings muss noch abgefeilt werden, damit das Zwischenstück dann auch wirklich bronzefarben glänzt. Aber im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden - und der Ring sitzt perfekt, mit einem Innendurchmesser von 59 Millimetern, dem genauen Umfang meines rechten Mittelfingers.
Mein erster selbstgeschmiedeter Ring! Die Lötstelle des kleinen Bronzerings muss noch abgefeilt werden, damit das Zwischenstück dann auch wirklich bronzefarben glänzt. Ansonsten sitzt der Ring perfekt, mit einem Innendurchmesser von 59 Millimetern, dem genauen Umfang meines rechten Mittelfingers.

Der Winter ist da… und magisch

Lange hat der Winter auf sich warten lassen, bei nahezu ungetrübtem Sonnenschein und ungewöhnlich hohen Temperaturen – aber jetzt sind wir mittendrin in der kalten Jahreszeit. Auf Blättern und Fenster glitzert der Morgentau, es wir schon gegen 5 Uhr abends finster und in unserer Wohnung ist es wirklich eiskalt. Die Häuser hier sind nicht isoliert, die einfachen Fenster schützen nicht vor der Kälte und wir haben auch keine Heizung. So kommt’s, dass wir hier auf der Couch sitzen, ein Elektroheizkörper steht vor Stefan und Ingrid hält ihre Wärmflasche fest umklammert. Damit auch keiner auf falsche Gedanken kommt: nein, hier schneit es nicht. Zur Zeit hat es nachts zwischen 7 und 8 Grad Celsius, untertags klettert das Barometer auf 14 bis 16 Grad.

Gestern haben wir beschlossen, dem Winter unsere Ehre zu erweisen und sind nach Katoomba gefahren, der größten Stadt in den Blue Mountains (und Ausblickspunkt auf die Three Sisters, wir haben den Ort in unserem 2009 Reiseblog schon mal beschrieben). Das dort alljährlich abgehaltene Blue Mountains Winter Magic Festival ist im Wesentlichen ein großer Jahrmarkt, oder auf gut österreichisch Kirtag. Es gibt Zuckerwatte, geröstete Mandeln, Paella, nepalesische Dumplings, Burger, Chips on a Stick (eine Kartoffel, die auf einen Spieß gesteckt, in Scheiben geschnitten und frittiert wird), Cupcakes und allerlei unaussprechliche Köstlichkeiten. Am allerbesten aber hat der heiße Chai Tee geschmeckt – in Katoomba ist nämlich wirklich Winter. Verkaufsstände säumen die Hauptstraßen, angeboten werden Kleidungsstücke (sehr alternativ), Schmuck, Honig, Windspiele aus alten Teekannen und Besteck, Lederwaren, Strickhauben/Strickschals/Strickhandschuhe, Teppiche, gefilztes Spielzeug und allerlei Krimskrams.

So weit, so gut – aber worin sich das Festival in Katoomba hier wirklich von einem Kirtag in Österreich unterscheidet, ist das Publikum. Ohne es genau zu wissen, würden wir darauf tippen, dass in Katoomba vor allem alternative ältere Menschen und aufgeschlossene junge Familien wohnen. Die Einheimischen scheinen zu 90 Prozent verkleidet zu sein (was bei den Temperaturen sehr praktisch ist. Wenn man einen Wetsuit anzieht, und darüber zwei, drei, vier Schichten bunte gefilzte Umhänge, und dazu eine sehr ausgefallenen Strickmütze, dann friert man garantiert weniger). Die Community wird hier großgeschrieben. An der Parade, einem Umzug durch die Stadt, beteiligen sich der Kinderhort, die Bauchtanzgruppe, die Inhaber eines neuen Restaurants, die Gegner von Jagd im Nationalpark, die Grundschule, die Jugendlichen, die Steampunk Bewegung Katoombas, die Polizeimusikkapelle, die Omas, die Eltern, die Kinder, die Alleinstehenden. Es ist bunt und lustig. Jeder hat sich in Kostüme gezwängt, die auch zur Persönlichkeit zu passen scheinen. Und jeder ist hier willkommen.

Der Winter wird magisch, scheint die Botschaft zu sein. Der Winter kann kommen und wir sind bereit. Auch wenn’s im Winter neblig und grau wird, wir hellen die Tage auf. Und überhaupt: es geht ja schon wieder aufwärts, die Sonnenwende war vorgestern, und ab jetzt scheint die Sonne wieder jeden Tag länger.

Verkaufsstände säumen die Hauptstraßen von Katoomba, und tausende Menschen genießen den (eiskalten) Tag.
Verkaufsstände säumen die Hauptstraßen von Katoomba, und tausende Menschen genießen den (eiskalten) Tag.
Hier wird jede Menge Krimskrams verkauft, zum Beispiel diese Windspiele aus altem Besteck und blechernen Teekannen. Doch die wahre Attraktion beim Magic Winter Festival sind die Menschen.
Hier wird jede Menge Krimskrams verkauft, zum Beispiel diese Windspiele aus altem Besteck und blechernen Teekannen. Doch die wahre Attraktion beim Magic Winter Festival sind die Menschen.
Wenn die Blue Mountains im Winter grau und neblig sind, dann übernehmen es halt die Menschen, Farbe in den Alltag zu bringen. Diese Gruppe hier singt und spielt für ein Community-Café, das in Kürze eröffnet wird.
Wenn die Blue Mountains im Winter grau und neblig sind, dann übernehmen es halt die Menschen, Farbe in den Alltag zu bringen. Diese Gruppe hier singt und spielt für ein Community-Café, das in Kürze eröffnet wird.
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Das coolste Kostüm des Tages: Das Mädchen, das sich als Bender aus Futurama verkleidet hat, nimmt zwar nicht an der Parade teil. Aber alle Paradeteilnehmer wollen ein Foto mit dem selbstverliebten, unmoralischen Roboter aus der in Australien sehr beliebten Fernsehserie machen.
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Die Zwei sind nicht nur super verkleidet, sondern auch sehr gute Schauspieler.
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Ich glaub, mich tritt ein Pferd…
Ein Regenbogen in Violett. Es bleibt die Frage: wo kann man nur so viele pinke, violette, lila Kleider kaufen?
Ein Regenbogen in Violett. Es bleibt die Frage: wo kann man nur so viele pinke, violette, lila Kleider kaufen?
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Irgendjemand muss das Ganze ja ernst nehmen. Dieser Herr schaut keine Sekunde lang fröhlicher drein. Aber die Mimik passt ja auch ganz wunderbar zum Zylinder und den supercoolen Sonnenbrillen.
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Steampunk ist eine Subkultur, die moderne und futuristische Technik mit Materialien und Kleidungsstücken aus dem viktorianischen Zeitalter verknüpft. Dieses Paar ist etwas extrem – die Steampunker ohne Gesichtsstrumpf schauen sehr viel freundlicher aus!