Wendy’s Secret Garden: Eine Stadtoase

Da sitzt er nun, der prächtige Kookaburra, knappe drei Meter von uns entfernt. Er legt seinen Kopf schief, scheint uns aus den Augenwinkeln zu beobachten. Und fliegt dann plötzlich auf uns zu, nur um wenige Zentimeter von Stefans Füßen entfernt zu landen. Dort verharrt er für einige Sekunden ganz ruhig, und schlägt dann mit höchster Geschwindigkeit seinen spitzen Schnabel in die Erde. Der Kookaburra kann tatsächlich eine im Erdreich vergrabene Larve hören! Die muss erst getötet werden, und der Vogel haut sie durch ruckartige Kopfbewegungen mehrmals gegen einen Stein. Wir beobachten gebannt das Schauspiel, bevor er die Larve dann schließlich verschluckt und auf den Ast eines ausladenden Eukalyptus fliegt.

Unsere Blicke folgen, und bleiben an der Harbour Bridge hängen. Die Natur hier ist so vollkommen, so wild, so üppig. Man könnte beinahe vergessen, dass man hier mitten in der Stadt ist, würde nicht immer wieder die Skyline von Sydney zwischen den Ästen hervorblitzen.

Wendy’s Secret Garden ist nicht wirklich geheim, aber ein Geheimtipp ist der Garten allemal. Nördlich der Harbour Bridge, in der Bucht mit dem klingenden Namen „Lavender Bay“ gelegen, lockt diese Stadtoase Kookaburras, Brush Turkeys und Besucher an, die Erholung und eine Auszeit vom Alltag brauchen. Jetzt im Spätsommer ist es das Sattgrün der Farne und Elefantenblätter, das einen wundervollen Kontrast zu den tiefroten Blättern eines uns unbekannten Bodenkriechers sorgt. Außerdem blühen Engelstrompeten, riesige Gummibäume ragen in den Himmel, und verborgene Ecken laden zum Hinsetzen ein.

Sitzgelegenheiten gibt es viele: In Form von Holzklötzen, rostigen Stühlen, Plastikhockern, Picknickbänken und sogar einen kleinen rosaroten Thron gibt es. Der Garten ist nicht zu gepflegt und nicht zu wild, eine gelungene Symbiose von Natur und Kunst.

Die Geschichte hinter diesem Kleinod ist spannend und inspirierend. Als Wendy Whitley’s geliebter Ehemann 1992 starb, machte sich die Künstlerin ans Aufräumen, um ihre Trauer zu überwinden. Genauer gesagt begann Wendy, das nicht genutzte Areal unterhalb ihres Hauses von Gebüsch und Rankpflanzen zu befreien – das allerdings nicht ihr gehörte, sondern dem städtischen Transportwesen. Die Stadt profitiert von Menschen, die sich einsetzen und Rückzugsorten, an denen man zur Ruhe kommen kann. Und den ein oder anderen Kookaburra beobachten.

 

In vollen Zügen… auf in ein Neues Jahr!

How to do an Australian Christmas… Wenn es nach der britischen Zeitschrift “The Guardian” geht, dann sind Garnelen, Mangos, Kirschen und jede Menge Booze (Alkohol) die Zutaten für ein gelungenes Weihnachten in Down Under. Das Stillste Fest des Jahres ist hier vor allem eines, nämlich die Zeit des grossen Essens – und so wie in Europa handelt es sich dabei meistens um Familienessen. Weil die sommerlichen Temperaturen es erlauben, wird draußen gefeiert, gerne auch bei einem Barbeque am Strand. Was der Guardian vergessen hat, laut unseren australischen Kontakten aber definitiv nicht fehlen darf, ist die Pavlova, eine Nachspeise, die zu 90% aus Zucker und Eiweiß besteht. Darauf kommen Schlagsahne und – um dem Ganzen wenigstens den Anschein von Gesundheit zu verleihen – frische Früchte. Australische Weihnachten sind außerdem Christmas Carols (das Singen von Weihnachtsliedern im großen Stil), lange Tage am Strand, ein Handtuch neben dem anderen am Bondi Beach, Campingausflüge mit der Familie, Socken am Kamin die am Morgen des 25. Dezembers gefüllt sind, Santa und sein Schlitten, der anstatt von Rentieren von Kängurus gezogen wird… Für uns fühlt sich die Zeit weniger nach Weihnachten an, mehr nach ausgelassenen Festen an warmen Sommerabenden. Die Feiertage verbringen wir vor allem am Strand und beim Wandern. Die meisten Unternehmen hier verhängen einen ‚forced leave‘, was bedeutet, dass die Büros in den zwei Wochen zwischen Weihnachten und dem Heilig-Drei-Königs-Tag im Jänner einfach zusperren. Uns ist der Zwangsurlaub recht, denn am 28. Dezember landet endlich unser erster Besuch – und die Familien-Weihnachtsfeiern können beginnen!

Mein Bruder Michi und seine Freundin Tina halten uns acht Tage lang auf Trab. Gemeinsam erkunden wir die Blue Mountains, füttern Kakadus im Royal National Park, holen uns in Jervis Bay einen Sonnenbrand, entdecken eine Python im Campingklo am Cave Beach, verbrennen uns in der Mittagssonne die Fußsohlen auf den Sanddünen von Myall Lakes, fotografieren Känguruhs vor unserem Ferienhaus im St George Basin View, bestaunen mit großen Augen das Silvester-Feuerwerk, grillen Känguruhwürstchen auf unserer Terasse in Bondi, wandern die Klippen entlang nach Coogee, schlendern durch den botanischen Garten und zum Opernhaus, und kühlen unsere erhitzten Kehlen mit kaltem Cider.

Es sind vollgepackte Weihnachtsferien, und wir haben gestern recht erschöpft wieder zum Arbeiten angefangen. Aber es ist die richtige Art von Erschöpfung. Die Art von Erschöpfung, die man nach spannenden Erlebnissen verspürt, die sonnenverbrannte Nasen und leuchtende Augen hinterlässt, die Lust weckt auf mehr Abenteuer. Es ist die Art von Erschöpfung, von der man im Leben nie genug kriegen kann.

Wir halten nicht viel von guten Vorsätzen für das Neue Jahr. Denn es geht meistens darum, auf etwas zu verzichten (zum Beispiel auf Alkohol, Zigaretten oder zuviel Süßigkeiten), oder etwas deutlich öfter zu tun (zum Beispiel Laufen oder in’s Theater zu gehen). Bevor der erste Monat des Jahres vorbei ist, sind diese Vorsätze auch schon wieder vergessen. Wie wäre es deshalb mit einem Vorsatz, bei dem es nicht um das “Tun”, sondern um das “Sein” geht?

Die intensiv gelebten Urlaubstage haben uns daran erinnert, das Leben jeden Tag intensiv zu nutzen. Zeit draußen zu verbringen, das Gesicht in die Sonne zu halten, im Regen zu tanzen, durch Erfahrungen immer wieder etwas Neues zu lernen. Den Tagen und Wochen nicht nur beim Vorbeifliegen zuzuschauen, sondern mit ganzem Herzen im Hier und Jetzt zu sein. Offen zu sein für die vielen kleinen und großen Abenteuer, die das Leben bereit hält. Präsent zu sein, dem jeweiligen Gesprächspartner hundertprozentige Aufmerksamkeit zu widmen. Lauthals über blöde Witze und tollpatschige Hunde zu lachen, Fremden zuzulächeln, und der Frau, die einem auf dem Gehsteig entgegen kommt, einfach einmal ein „Have a great day!“ entgegen zu schmettern.

Kurzum, zu leben, zu SEIN.

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Vorsatz 1: Freude zulassen, und einfach mal in die Luft springen.
Vorsatz 2: Fremde als Freunde zu sehen, die man nur noch nicht kennengelernt hat.
Vorsatz 3: Das Offensichtliche aus einer anderen Perspektive zu betrachten. 
Vorsatz 4: In allem das Schöne zu sehen.
Vorsatz 4: In allem das Schöne zu sehen.
Vorsatz 5: Einfach mal drauf los zu gehen, ohne zu wissen wohin es geht.
Vorsatz 5: Einfach mal drauf los zu gehen, ohne zu wissen wohin es geht.
Vorsatz 6: Ängste zu überwinden (das nennt man unter anderem auch Leben...).
Vorsatz 6: Ängste zu überwinden (das nennt man unter anderem auch Leben…).
Vorsatz 7: Gefühlen freien Lauf zu lassen.
Vorsatz 7: Nie aufhören zu staunen. 
Vorsatz 8: Zu lieben.
Vorsatz 8: Zu lieben.
Vorsatz 10: Zeit mit lieben Menschen zu verbringen, und sich ganz auf die anderen einzulassen.
Vorsatz 9: Zeit mit lieben Menschen zu verbringen, und sich ganz auf die anderen einzulassen.
Vorsatz 11: Altes einfach mal hinter sich zu lassen. Und dem Neuen freudig entgegengehen.
Vorsatz 10: Altes einfach mal hinter sich zu lassen. Und dem Neuen freudig entgegen zu gehen.