Wir schwitzen…

Heiße Tage, schwüle Nächte – es ist Hochsommer in Australien, und Sydney hat sich klimamäßig an die Städte in den Tropen angepasst. Wir schwitzen selbst auf dem kurzen Weg zum Supermarkt, die Luftfeuchtigkeit liegt bei 85%, und wir haben seit kurzem eine Klimaanlage. Am liebsten würden wir den hässliche Kasten, der mitten im Wohnzimmer steht, jedes Mal im Vorbeigehen kurz tätscheln – sorgt er abends doch wenigstens kurz für Erleichterung und lässt uns einschlafen. Der Klimawandel ist kein Spaß!
Doch natürlich hat der Sommer auch seine Sonnenseiten: Das lange Wochenende haben wir großteils am Pool, im Meer und in den Blue Mountains verbracht.
Den Australia Day am Freitag haben wir stilecht mit Freunden, Barbeque und kühlem Bier gefeiert. Zwar ist der Staatsfeiertag höchst kontrovers (immerhin wird die Übernahme von Aboriginal-Land durch die europäischen Besatzer gefeiert), aber gegen einen freien Tag hat hier kaum jemand etwas einzuwenden.
Heute sind wir endlich wieder mal in die Blue Mountains gefahren. Die zweistündige Wanderung zur Red Hands Cave führt durch dichten Buschwald, doch selbst im Schatten ist es keineswegs kühl. Unsere Anstrengungen werden belohnt, als sich plötzlich einige Meter vor uns auf dem schmalen Pfad ein Lyrebird-Paar einem Balztanz hingeben. Wir sind hin und weg von diesen grazilen Bodenbrütern, die es ohne Mühe schaffen, den Erdboden einer Baugrube gleich zu machen…
Die Red Hands Cave ist eine der ältesten Aboriginal-Kunststätten in NSW: Seit 1.600 Jahren hinterlassen Angehörige des Darug-Clans hier ihre ockernen Handabdrücke an der Decke eines Felsenüberhangs.
Wir beenden unsere Wanderung mit einem Picknick auf den Klippen in der Nähe von Glenbrook. Was für spektakuläre Ausblicke… da vergessen wir beinahe den Schweiß, der uns noch immer von der Stirn tropft.
Ab Mittwoch ist Erleichterung angesagt, es soll dann endlich mal wieder regnen. Inzwischen springen wir wohl noch ein paar Mal in’s Meer und ertragen beim Einschlafen das Rattern der Klimaanlage!
Party Pies gehören zum Australia Day wie Vanillekipferl zu Weihnachten.
Eine 4-Kilometer-Wanderung fühlt sich bei dem Wetter an wie ein Ganztagesmarsch.
Die Red Hands Cave ist Zeugin jahrhundertealter Aboriginal-Kunst.
Weil es am Rande einer Klippe nichts besseres zu tun gibt…

…what a wonderful world!

Wie gut, dass uns Mutter Erde manchmal ganz unverhofft daran erinnert, auf was für einem wunderschönen Planeten wir eigentlich leben… Vor allem, nachdem die Stimmung in den letzten Wochen ähnlich düster war wie das Wetter. Der berüchtigte Salzburger Schnürlregen scheint uns nach Sydney gefolgt zu sein. Nachdem es beinahe den ganzen März durchgeregnet hat, ist jetzt auch der Juni außergewöhnlich nass. Die letzten Wochenenden haben wir vor allem zu Hause verbracht, kein Wunder, dass uns hier langsam die Decke auf den Kopf fällt. Wie gut also, dass wenigstens für den vergangenen Montag – Queen’s Birthday, Feiertag, und damit langes Wochende – gutes Wetter vorhergesagt war. Wir haben kurzerhand Freunde, Kameras und Drohne eingepackt (genau genommen haben unsere Freunde uns die Rückbank ihres Autos zur Verfügung gestellt), und sind in den Royal National Park gefahren.

Nun ist die Migration der Buckelwale ja in vollem Gange. Seit Anfang Juni schwimmen die mächtigen Säugetiere zu Hunderten Richtung Norden. Dort, in den warmen subtropischen Gewässern vor der Küste Queensland, kalben die Walkühe, und machen sich dann Ende Oktober mit ihrem Neugeborenen wieder auf den Weg in die Antarktis. Wir haben in den vergangenen Wochen schon mehrfach Wale in großer Entfernung gesichtet (das heißt, irgendwo am Horizont eine Wasserfontäne aus dem Meer schießen sehen, auf Deutsch auch „der Blas“ genannt). Weil wir an’s Glück glauben, wählen wir eine Wanderung entlang der Klippen.

Wir marschieren los, zwei Drohnen im Gepäck, die Sonne im Gesicht und bis über beide Ohren strahlend, weil wir endlich mal wieder Frischluft schnuppern. Keine zehn Minuten später – ein Blas, nur wenige Hundert Meter von der Küste entfernt. Wir stürmen zur Kante der Klippe und tatsächlich: Da draußen schwimmen zwei, nein drei, nein vier Wale! Wir genießen das Spektakel, schießen Fotos, starten die Drohne. Es ist gar nicht so einfach, die Wale zu finden auf dem kleinen Handy-Bildschirm, auf den die Drohne die Videos überträgt. Wir suchen und navigieren, und haben endlich Glück. Eine Walkuh und ihr Kalb schieben sich gemächlich durch das Wasser, und scheinen die Sonne genauso zu genießen wie wir.

Wir machen uns wieder auf den Weg. Gegen Mittag erreichen wir eine Klippe, die beste Blicke auf’s Meer bietet, sich aber auch wunderbar zum Picknicken eignet. Wir lassen uns nieder, packen Muffins, Falafel, Obst und Nüsse aus – und trauen unseren Augen nicht. Eine Walfamilie schwimmt direkt auf unsere Klippe zu, die riesigen Tiere sind nur mehr knapp 100, 80, 60 Meter entfernt. Was für ein Spektakel der Sonderklasse!

Buckelwale werden bis zu 19 Meter lang und wiegen rund 36 Tonnen – so viel wie 24 VW Polos! Auf dem Weg Richtung Norden sind die Wale 5 – 15 Stundenkilometer schnell, und sie vertreiben sich ihre Reise mit aus dem Wasser springen (breaching), mit dem Kopf aus dem Wasser schauen (spy-hopping), und mit der Schwanzflosse auf das Wasser schlagen (lobtailing).

Ob es am guten Wetter liegt oder daran, dass sie ein äußerst dankbares Publikum haben – man weiß es nicht. Jedenfalls geben unsere Wale alles: Sie drehen sich um die eigene Achse, schlagen mit der Schwanzflosse immer wieder auf die Wasseroberfläche und bieten uns ausgiebig Gelegenheit, die mit Seepocken bedeckten Körper zu bewundern.

Uns wir? Wir lachen abwechselnd hysterisch auf und sind andächtig still angesichts dieses Naturspektakels. Wir staunen. Und realisieren mal wieder… what a wonderful world!

„Say Hello!“
Seepocken gehören zur Familie der Krebse, und bedecken häufig große Teile des Körpers der Buckelwale – unter anderem auch den Kopf, dem sie ein bärtiges Aussehen verleihen.
Das Herz eines Buckelwals kann beinahe 200 Kilogramm wiegen.
Bevor ein Buckelwal in größere Tiefen abtaucht, biegt er seinen Rücken, was ihm auch seinen Namen eingebracht hat.
„Und Tschüss!“ Buckelwale tauchen rund 200 Meter tief und können 30 Minuten lang unter Wasser bleiben.
Glückliche und überwältigte Walbeobachter :-)