Traumhaftes Tanna

„Wie lange habt ihr euch gekannt, bevor ihr geheiratet habt?“ Die Frauen schauen sich kurz an, und brechen dann in lautes Gelächter aus. „So funktioniert das hier nicht“, prustet Mata, „wir suchen uns unseren Mann nicht selbst aus.“ Ehen werden auf Tanna arrangiert, und damit das Geschlechterverhältnis in den verschiedenen Tribes ausgeglichen bleibt, werden Frauen getauscht. Mata klärt mich auf: „Heirate ich in den Tribe meines Mannes ein, dann wird für seine Schwester, Cousine oder eine andere weibliche Verwandte ein passender Mann in meinen Tribe gesucht. So wird verhindert, dass es in einem Dorf zu einem starken Übergewicht eines Geschlechts kommt.“ „Und bist du glücklich“, frage ich? „Ja“, antwortet Mata einfach. Und fügt nach ein paar Momenten der Stille hinzu: „Erick ist ein guter Mann. Er sorgt für uns, wir haben gute Kinder, und wir besprechen die wichtigen Entscheidungen.“ 

Im Falle von Mata und Erick scheinen die Eltern tatsächlich eine gute Entscheidung getroffen zu haben. Seit vier Tagen wohnen wir im Dorf, und die zwei gehen so miteinander um, wie man sich das von einem seit zwanzig Jahren verheirateten Ehepaar erwartet. Sie diskutieren, ergänzen die Sätze des jeweils anderen und lachen viel. Überhaupt ist es das Lachen, das von Tanna in Erinnerung bleibt: Es ist nicht verhalten, höflich oder künstlich, so wie man es oft aus westlichen Kulturen kennt. Hier nimmt das Lachen seinen Ursprung tief im Zwerchfell, und sprudelt ungezwungen aus offenem Mund an die Oberfläche. Es ist ansteckend, herzhaft, geht einher mit Tränen und Grimassen und wird großzügig jedem geschenkt, der sich darauf einlässt. Egal ob Kinder oder Erwachsene, Männer oder Frauen: Hier lacht man miteinander, übereinander und einfach so vor sich hin.

Das Lachen von Tanna

Dabei gäbe es hier auf Tanna genug, das einem das Lachen verderben könnte. In den Schulen sitzen die Kinder auf dem Betonboden, weil es nicht genug Pulte und Stühle gibt. Im den meisten Dörfern gibt es kein fließendes Wasser, gewaschen wird im Fluss. Fehlende Verhütung führt zu Großfamilien, und obwohl Schulpflicht herrscht und die Grundschule gratis ist, können viele Familien sich Stifte und Schulhefte nicht für alle Kinder leisten. Das größte medizinische Problem sind Krankheiten, die durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden.

Samson winkt uns zu, als wir die Staubstraße entlang wandern. Wir winken zurück und schon sind wir mitten im Gespräch. Samson ist Krankenpfleger und leitet seit 16 Jahren die kleine Krankenstation nur wenige hundert Meter vom Eingang zum Vulkan entfernt. Während tagtäglich Touristen aus aller Welt über 120 Dollar bezahlen, um eine Stunde auf dem Krater des Mt. Yasur zu verbringen und in den brodelnden Schlund zu schauen, kämpft Samson mit Herausforderungen der anderen Art. Zwei Frauen haben letzte Nacht hier entbunden, es ist alles gut gegangen. Wo die Frauen jetzt seien, wollen wir wissen. „Oh, die musste ich nach Hause schicken. Ich habe hier kein fließendes Wasser. Während der Geburt reichen Kübel mit Wasser aus dem Brunnen aus. Aber wenn das Baby da und die Geburt gut verlaufen ist, dann ist es für Mutter und Neugeborenes besser, direkt ins Dorf heimzukehren.“ 

Wir wollen uns die Station genauer anschauen, und Samson gibt uns gerne eine kleine Führung. Stolz präsentiert er die nützliche Wandmalerei, mit der eine australische Touristin vor kurzem den Eingangsbereich verschönert hat. Große Tagethesblüten und die entsprechende Inschrift klären Besucher der Krankenstation darüber auf, dass die Blume nicht nur Zierde, sondern ein natürliches Anti-Mückenmittel ist, das erfolgreich die lästigen Überträger von Malaria fernhält. Die Krankenstation ist sauber und ordentlich, aber es fehlt am Allernotwendigsten. Ein kleiner Raum mit Betonwänden und einer Liege dient als Kreissaal, hier gibt es kein Waschbecken, keine Regale, keine Heizung oder Klimaanlage. Was der Krankenstation an Ausstattung fehlt, macht Samson durch sein Engagement wett. Gerade arbeitet er an einer handgezeichneten Landkarte, in der er alle Dörfer seines Zuständigkeitsbereichs einträgt. Außerdem hat er eine Art Volkszählung gestartet: In eine Tabelle trägt er ein, wieviele Menschen in der Umgebung leben, aufgeschlüsselt nach Altersgruppen und Geschlecht, sowie den unterschiedlichen Krankheiten, und wie oft diese aufgetreten sind. Medikamente bestellt Samson einmal im Monat im Krankenhaus in der kleinen, staubigen Hauptstadt der Insel. 

Tagethesblumen als natürliches Insektenschutzmittel: Aufklärungsarbeit in der Krankenstation
Eine handgezeichnete Landkarte der Gegend erleichtert Samson die Arbeit

Lenakel ist das Zentrum aller Geschäfte, die auf der 30,000-Einwohner-Insel geschlossen werden. Hier gibt es neben dem Krankenhaus auch Schulen, Geschäfte, eine Postfiliale, eine Western Union Niederlassung, ein kleines Internet-Café und einen kunterbunten Markt. Wir sitzen stundenlang im Schatten des großen Banyan-Baums, um den die Marktfrauen ihre Waren ausgebreitet haben. Zeit ist Gefühlssache auf Tanna, und der Transport, der für uns arrangiert worden ist, lässt auf sich warten. Wir nutzen die Zeit, um mit den Marktfrauen zu reden, frische Erdnüsse und Mandarinen zu kaufen und mitleidig die toten Flughunde zu begutachten, die vom Baum hängen und zum Verkauf angeboten werden. Es riecht nach Laplap, dem Nationalgericht, das aus Taro oder Maniok, Kokosnussmilch und Island-Cabbage, einer Art Spinat, zubereitet wird.

Ein typischer Supermarkt in Lenakel: Es gibt Reis, Brot und Dosen
Das auf dem Markt feilgebotene Gemüse wir kunstvoll präsentiert
Die Mandarine als Kunstwerk: Sauer, klein und voll mit Kernen, aber ein beliebter Snack

Eine junge Frau mit einem Neugeborenen im Arm setzt sich zögerlich neben mich, und bald schon siegt die Neugier über die Scheu. Sie erwidert mein Lächeln und fragt mich aus, über meinen Beziehungsstatus zu Stefan, ob ich gerne Kinder hätte, wie lange wir auf Tanna bleiben, was mein Lieblingsessen sei. Im Gegenzug erzählt mir Jenny von ihrem Leben. 25 Jahre ist sie alt, und seit 10 Jahren mit einem Mann aus dem Norden Tanna’s verheiratet. Sie kommt ursprünglich aus dem Süden und musste nach der Hochzeit erst mühsam den lokalen Dialekt erlernen. Ihr neunjähriger Sohn sei zu Hause geblieben bei ihrer Schwiegermutter, so habe sie mehr Zeit für’s Einkaufen. Ihre Tochter ist erst 6 Monate alt und deshalb auf dem Markt einfacher zu handhaben. Jenny freut sich über die Erdnüsse, die ich ihr anbiete. Die Mandarinen lehnt sie dankend ab, Zitrusfrüchte in der Stillzeit seien Tabu weil sie zu Ausschlag und Husten beim Baby führen können. Das scheint also Allgemeinwissen zu sein, das junge Mütter überall auf der Welt teilen.

Lautes Hupen reißt uns aus dem Gespräch, unser Transport ist endlich hier. Ich darf auf die Rückbank des Pickups, Stefan teilt sich die Ladefläche mit drei anderen Fahrgästen und einem Schwein, dem es gar nicht zu gefallen scheint, dass es an Vorder- und Hinterbeinen gefesselt ist. Als wir nach einer halbstündigen und staubigen Fahrt über eine Buckelpiste endlich im Dorf ankommen, ist nicht nur das Schwein erleichtert. Dankbar nehme ich Marilines Einladung an, mit an den Fluss zu kommen, um dort den Staub aus den Kleidern, Haaren und vom Körper zu waschen. Wir marschieren durch den Dschungel, an kleinen Gemüsegärten vorbei, einen engen steilen Pfad nach unten Richtung Fluss. An einer Kreuzung nehmen die Buben Stefan an die Hand: „Women only“. Ich folge Mariline, und nach wenigen Minuten stehen wir am Ufer des Flusses. Andere Frauen des Dorfes sind bereits da, sie begrüßen mich mit lautem Hallo und einem freundlichen Lächeln. Die Kinder begutachten mich vorsichtig von der anderen Seite des Flusses, rufen und lachen. Als ich mein Kleid ausziehe, um in das Wasser zu waten, wird es erst mal ganz still. Dass nicht nur meine Arme und mein Gesicht weiß sind, sondern auch mein Körper, scheint unerwartet zu sein. Doch die Überraschung ist bald überwunden, und schon wird geplantscht und gewaschen was das Zeug hält. Mariline schrubbt ihre Füße am Felsen und gluckst vergnügt vor sich hin, während sie mir erklärt, dass der Felsen gleichzeitig als Waschbrett, Hornhautentferner und Sitzwanne dient.

Der Fluss ist nicht nur Waschküche, sondern auch Spielplatz

Am Fluss werden die Schatten länger und das Wasser ist kalt. Mit klappernden Zähnen trocknen wir uns ab und steigen schnell in die Kleider, als von weiter oben auch schon die Rufe der Männer erklingen. „Wo seid ihr denn, Frauen? Wollt ihr eine Kokosnuss?“ Wir bejahen, und bevor ich begreife was passiert, läuft einer der Männer auch schon den Palmenstamm hinauf. Mit heftigen Tritten stoßt er drei junge Kokosnüsse nach unten, wo unser Gastgeber Rex mit der Machete sogleich ein Loch in die Nuss hackt. Inzwischen hat einer seiner Sohne ein Schilfrohr aus dem Dschungel geholt, das als natürlicher Strohhalm das Trinken erleichtert.

Eine köstliche junge Kokosnuss, frisch vom Baum

Dschungel ist hier Lebensmittelladen, Apotheke und geheimnisvoller Rückzugsort, aus dem in der Dämmerung der Ton der Muschelhörner erklingt. Der dumpfe, melodische Klang sorgt für Gänsehaut – vor allem, nachdem uns Erick erklärt, warum die Muschelhörner geblasen werden: Der Klang der Muschelhörner signalisiert den Dorfbewohnern, dass die Vorbereitungen auf eine Beschneidungszeremonie laufen, und ist gleichzeitig ein Warnton für Frauen, sich fernzuhalten. Die drei- bis vierjährigen Buben, bei denen in Kürze die Beschneidung vorgenommen wird, leben einen ganzen Monat lang fernab von Mutter und Vater im Dschungel. Sie lernen, aus Kokosnussblättern einen so genannten „Beschneidungsknoten“ zu flechten, den sie nach erfolgreicher Zeremonie mit nach Hause bringen. Das ist für die Dorfbewohner Zeichen, dass das Kind jetzt ganzwertiger Teil des Tribes ist.

Der Beschneidungsknoten ist Zeichen, dass ein Bub erfolgreich initiiert wurde
Gänsehautmomente, wenn aus dem Dschungel die Muschelhörner ertönen

Noch tönen die Hörner nicht, und wir wandern zurück ins Dorf, wo erstmal gekocht wird. Wir reiben die Tarowurzel, die Mariline auf dem Heimweg vom Feld geholt hat, an einem Stock, dessen Dornen als natürliche Reibe dienen. Rex hackt die Kokosnüsse in zwei Hälften, wir pressen das Fruchtfleisch in unseren Händen, um frischeste Kokosnussmilch zu gewinnen. Die Masse wird in Bananenblätter gewickelt und auf offenem Feuer gekocht. Eine Stunde später wickeln wir das dampfende und duftende Laplap aus, das gerecht geteilt wird.

Das Teilen ist eine eigene Erwähnung wert. Als wir wenige Tage später im Süden der Insel der Köchin in unserer Unterkunft ein Stück Schokolade anbieten, isst sie das nicht gleich auf. Stattdessen beobachten wir, wie sie das Schokoladestück in der Küche in drei Stücke teilt: Eines für sich selbst, eines für ihren Sohn, und eines für die zweite Frau, die sie in der Küche unterstützt. Das ist nicht etwa ein Einzelfall: Acht Buben teilen gerecht einen Laib Brot untereinander, den wir in der Hauptstadt Lenakel gekauft und mitgebracht haben. Und als ich für eines der Kinder ein buntes Armband knüpfe, tippt mir das Mädchen auf die Schulter und zeigt auf ihre Freundin: „Bekommt sie auch eines?“

Tanna ist herzerwärmend. Tanna ist überwältigend. Tanna ist staubig und fruchtbar. Tanna regt uns an zum Denken, zum Reflektieren, zum Staunen. Tanna ist die Insel, die vor zwei Jahren von einem Zyklon plattgewälzt wurde, und auf der die Menschen eine unglaublichen Lebenswillen an den Tag leben. Auf Tanna gibt es keinen einzigen Bankomaten, und eine Dorfgemeinschaft teilt sich ein Auto. Auf Tanna kommt eine junge Frau nicht nur mit ihrem eigenen Neugeborenen aus dem Krankenhaus, sondern nimmt auf Bitten der Verwandten ein zweites Baby auf, dessen Mutter bei der Geburt gestorben ist. Auf Tanna haben Frauen wenig zum Sagen und Ehen werden arrangiert. Tanna ist widersprüchlich. Tanna ist traumhaft. Tanna ist Erinnerung daran, was Menschlich-Sein bedeutet.

Unser Dorf in Tanna aus der Vogelperspektive
Der Sonnenaufgang markiert in Tanna den Start des Tagesgeschäfts
Unsere Streifzüge über die Insel führen uns immer wieder durch bunte, kleine Dörfer
Eine Kokosnuss versorgt Menschen wie Tiere gleichermaßen

Vanuatu, der Inselstaat im Nirgendwo

Begonnen hat unsere Beziehung zu Vanuatu vor zwölf Jahren, in einem unserer ersten gemeinsamen Urlaube. Wir hatten in einem kleinen kroatischen Gasthaus zu Abend gegessen und wohl das ein oder andere Glas Wein getrunken. Jedenfalls kann ich mich daran erinnern, dass wir lachend die kleine Gasse mit den Pflastersteinen entlang schlenderten, und das Kennzeichen auf einem großen schwarzen Auto richtig lustig fanden. Eine Autonummer mit nur vier Buchstaben, wo gibt es das schon? Bei näherer Inspektion stellte sich heraus: in Vanuatu, „the happiest place on Earth“. Vanu-was? Wir hatten noch nie von dem Inselstaat im Pazifik gehört, aber eine Google-Suche bestätigte: Vanuatu liegt vier Flugstunden östlich von Australien, besteht aus unzähligen kleinen Inseln und ist laut „Happy Planet Index“ das glücklichste Land der Welt.

Zwölf Jahre später in Port Vila, Vanuatu: Wir lassen die 17 Tage, die hinter uns liegen, Revue passieren. Wir haben so viel erlebt, so viel gesehen und so viel gelernt. Das alles in Worte zu fassen bedarf mehr als nur einen Blogeintrag, so viel ist klar. Doch wo anfangen? Erst einmal ausgiebig frühstücken am Markt. Eine geschäftige alte Ni-Vanuatu (so nennen sich die Einwohner Vanuatu’s selbst) gießt uns dünne, heiße Schokolade in zwei Halb-Liter-Bierkrüge. Dazu gibt es drei Scheiben Weißbrot für jeden von uns, dick mit Butter, Erdnussbutter und Marmelade bestrichen, und jede Scheibe liebevoll in zwei Hälften geteilt. Frühstück auf südpazifisch, kein Wunder, dass hier so viele Menschen übergewichtig sind.

Beim Frühstücken schmieden wir unseren Schlachtplan: Wenn wir zu Hause ankommen, sortieren wir zuerst die Fotos aus. Das hilft auch, die Gedanken zu ordnen. Dann schreiben wir drei Blogeinträge: Einen zu Vanuatu im Allgemeinen. Einen zu Tanna und den freundlichsten Menschen auf diesem Planeten. Einen zum Vulkan, der brodelt und grummelt und Lava in den Himmel schießt. Und ganz zum Schluss schneiden wir einen Film aus den vielen Minuten Material.

Drei Wochen später, daheim in Sydney. Wir sind immer noch beim Gedanken sortieren. Beim Fotos ordnen. Beim Notizen durchlesen. Wir haben eine erste Email aus dem Paradies bekommen: „Hi Ingrid and Stefan, This is Tom at Fetukai Primary School on Tanna island in Vanuatu. I am just dropping in to say hi and check you out. I went to our local post office to create a box number but unfortunately I wasn’t lucky. If I have the chance to visit again and pay for a mail box then I’ll let you know. Bye and hope to hear from you soon.“ Wir können es nicht erwarten, euch allen von Vanuatu zu erzählen. Aber wir realisieren auch, dass es wichtiger ist, zuerst unsere Versprechen einzulösen, und den unglaublich freundlichen Menschen einen Karton mit Seifen, Zahnbürsten und Buntstiften zu schicken.

Deshalb, liebe Leserinnen und Leser, geduldet euch bitte noch ein bisschen. Wir versprechen, es ist das Warten wert! Einen kleinen Vorgeschmack gibt es aber schon. Einen Vorgeschmack auf Vanuatu, den Inselstaat im Nirgendwo.

Vanuatu von oben. Die ersten Nächte verbringen wir auf Pele Island. Wir haben keine warme Dusche, keine Elektrizität und keinen Kühlschrank. Dafür aber einen wunderschönen Strand ganz für uns allein, einen Papaya-Hain hinter unserer Hütte und warmes Bier am Lagerfeuer unter einem massiven Sternenhimmel.
Unser Gastgeber Charlie ist gleichzeitig unser Koch, Tour-Guide und Gärtner… und zeigt uns, dass sich in einer austreibenden Kokosnuss eine Delikatesse versteckt. Der „Coconut-Sponge“ schmeckt super gut, und wir sehen junge Kokosnüsse jetzt mit anderen (hungrigeren) Augen.
Für uns geht es nach ein paar Nächten im Strandparadies weiter nach Tanna – man beachte die hangeschriebenen Flugtickets. Auf Tanna gibt es unter anderem einen aktiven Vulkan; einen legendären John-Frum-Cargo-Kult (die Gläubigen verehren einen amerikanischen Soldaten); und die absolut freundlichsten Menschen der Welt.
Das absolut Beste an Tanna sind die Menschen. Wir fühlen uns sehr willkommen, unsere Gesichtsmuskeln schmerzen am ersten Abend vom vielen Lächeln, und unsere Herzen fliegen den wunderbaren Einwohner von Tanna zu.
„Freunde machen fällt nicht schwer, kommst du mit der Drohne her.“ Für die Kinder ist das seltsame Flugobjekt eine Sensation. Als sie merken, dass sie gefilmt werden, kennen sie keine Grenzen mehr. Da wird gelacht, gejubelt und getanzt – und dann gemeinsam Film geschaut.
Die Vegetation auf Tanna ist üppig, hier wachsen vor allem Wurzelgemüse, wilder Spinat und Papaya. Uns haben es aber die Baumriesen angetan. Die Luftwurzeln der Banyan-Bäume werden zu neuen Stämmen, und die Bäume nehmen teilweise die Fläche eines Hauses ein.
Auf dem Markt ist das Angebot entsprechend üppig. Es gibt Karotten, Erdnüsse, Taro, Cassava, Kokosnüsse, Kohl, Bananen, Mandarinen, Bananen – und jede Menge Farben!
Wer Durst hat, kraxelt auf eine Palme. Für uns Gäste erledigen das die Kinder. Wendig und scheinbar mühelos erklimmen sie die Baumkronen und stoßen die Kokosnüsse nach unten, wo schon jemand mit der Machete wartet, um die erfrischende Köstlichkeit für uns zu öffnen.
Kokosnüsse werden auch gerne und viel zum Kochen verwendet. Kokosnussmilch in Dosen? Fehlanzeige. Stattdessen wird das Fruchtfleisch ausgepresst, und die frische Milch über Gemüse oder über das Nationalgericht Laplap geträufelt, das traditionell unter heißen Steinen gekocht wird.
Auf unseren Streifzügen über die Insel kommen wir an Schulen vorbei, in die wir sofort eingeladen werden. Die Kinder schauen uns mit großen Augen an, und die Lehrerinnen und Lehrer freuen sich über unseren Besuch. Woran es denn am meisten fehle, fragen wir angesichts der auf dem Boden sitzenden Kinder. An Seifen, antwortet Lehrerin Meriam. Es gibt nur zehn für insgesamt 253 Kinder.
Oberflächlich betrachtet unterscheiden sich die Kinder von Tanna wenig von unseren. Die meisten Kinder gehen gerne zur Schule, lieben entweder Englisch- oder Mathematikunterricht, und treffen sich nach der Schule zum Spielen mit Freunden. Schaut man hinter die Fassade, dann geht einem in Tanna das Herz auf: Hier wird alles unaufgefordert und gerecht geteilt, kleine Geschenke werden sehr geschätzt und die Kinder übernehmen schon früh Verantwortung.
Der Besuch im Kastom-Village beeindruckt uns sehr. Die Einwohner leben ohne Einfluss der westlichen Zivilisation. Sie entfachen Feuer, indem sie Holzstücke aneinander reiben und tragen traditionelle Kleidung, die für Männer aus einem Penisköcher und für Frauen aus einem Bastrock besteht. Wir werden auch hier freundlich empfangen und können uns nicht sattsehen an dieser traditionellen Lebensart.
Ein Highlight unserer Reise ist der Sonnenaufgang auf dem Vulkan. Vor uns der Krater und die aufgehende Sonne, über uns die Rauchschwaden und unter uns das Grollen im Bauch der Erde.
Die Natur ist mächtig und wunderbar. Die Blue Cave ist eine Mutprobe. Überwindet man sich, und taucht unter den schwarzen Felsen durch, warten im Inneren eine große Höhle mit klarem Wasser und viele neugierige Fische.
Wasserfälle im Dschungel. Kann diese Reise noch besser werden? Wir wissen es nicht… Beim Durchschauen der Fotos realisieren wir erst, wie viel Einmaliges wir in unseren 17 Tagen auf Vanuatu gesehen haben. Die Mele-Cascades nur wenige Kilometer außerhalb der Hauptstadt Tanna gehören definitiv auch dazu.
Zu guter Letzt: Seesterne. Keine kleinen, unauffälligen. Sondern handtellergroße (und wir sprechen hier von Stefans Handtellern!) rote, braune und gelbe. Seesterne soweit das Auge reicht…