In tasmanischen Höhen: Am Cradle Mountain

Schroff ragen die Steinsäulen in den tiefblauen Himmel, es riecht dank der weißen Blüten einer nicht identifizierten Blume intensiv nach Honig, und tief unter uns leuchtet blau der Dove Lake. Wir sind seit knapp zweieinhalb Stunden unterwegs, sind in zügigem Tempo über das Hochplateau gewandert und stehen (bzw. hängen an einem Felsbrocken) kurz vor dem Ziel.

Der Cradle Mountain ist mit 1.545 Metern der fünfthöchste Berg Tasmaniens, und liegt im Cradle Mountain-Lake St Clair National Park. Er besteht wie die anderen Berge in der Region aus Diabassäulen, und bietet eine absolut einmalige Flora.

Wegen seines markanten Doppelgipfels (eigentlich sind es vier Gipfel, wir können aber nur zwei ausmachen) ist der Berg ein beliebtes Fotomotiv. Doch der Cradle Mountain hat auch aus sportlicher Sicht viel zu bieten. Während die ersten Kilometer vor allem aufgrund der Schönheit der Landschaft wie im Flug vergehen, sind in der letzten dreiviertel Stunde alle vier Gliedmaßen gefragt. Wir bahnen uns unseren Weg durch riesige Felsbrocken, klettern Steinsäulen hoch und wundern uns, dass hier keine Sicherheitsseile gespannt sind.

Dann sind wir endlich oben, und die Gipfeleuphorie setzt ein. Wir schwitzen und staunen, schießen Foto um Foto, und genießen die unglaubliche Fernsicht. Die Berge haben uns gefehlt in den letzten Monaten, und wir dehnen das Gipfelpicknick aus, um das Gefühl ganz auskosten zu können.

Der Cradle Mountain ist definitiv ein Must See in Tasmanien, auch wenn der Weg dorthin etwas umständlich ist. Wir bereuen die fünfstündige An- und Rückfahrt keine Minute. Wenn man den Gipfel in’s Visier nimmt, dann sollte man trittsicher und konditionsstark sein. Wer an Höhenangst leidet, lässt die Besteigung des lieber bleiben, und genießt die Sauergraswiesen und farbenprächtige Vegetation des Hochplateaus. Den Gipfel sollte man nur bei guten Wetterbedingungen in Angriff nehmen, ist es nebelig oder regnerisch, dann gibt man sich ebenfalls besser mit der Umrundung des Dove Lakes oder einer Wanderung auf die Hochebene zufrieden. Und wer so wie wir am Ende des Tages noch eine mehrstündige Autofahrt vor sich hat, sollte um spätestens drei wieder beim Auto sein.

Ausgangspunkt: Es gibt mehrere Möglichkeiten, wir sind vom Parkplatz am Dove Lake los gewandert. Ist man früh genug dran, kann hier parken, für alle anderen gibt es einen Shuttle-Service vom Visitor Centre. Nicht vergessen, sich in das Tourenbuch einzutragen (und nach erfolgreicher Rückkehr wieder aus)! Das hilft den National Park Rangern, bei den ganzen Touristen im Park den Überblick zu behalten, und niemanden zu „verlieren“.

Runde: Dove Lake Parkplatz – Wombat Pool – Marion’s Lookout – Kitchen Hut – Cradle Mountain Summit – Abstieg je nach Zeit über den Lake Willis steil und direkt hinunter zum Dove Lake, oder über den Hansens Peak/Lake Rodway Track zurück zum Parkplatz (30 Minuten länger)

Zeit: veranschlagt sind 6-8 Stunden, wir haben insgesamt 4:20h gebraucht (sind aber auch wirklich schnell marschiert)

Kondition erforderlich, aber nicht das große Thema. Trittsicherheit unbedingt, die Wanderung ist nicht geeignet für Menschen, die an Höhenangst leiden. Die Kletterei auf den Gipfel ist anspruchsvoll, wer schon nach den ersten 15 Minuten ein ungutes Gefühl hat, sollte umdrehen – leichter wird’s nicht!

Jeder Wanderer muss sich vor Start in eine Liste eintragen, inklusive voraussichtlichem Ausflugsziel und Startzeit.
Unser Ziel, der Cradle Mountain Summit, vom Parkplatz am Dove Lake aus gesehen.
Der Weg hinauf führt über eine Hochebene, die markanten Zwillingsgipfel des Cradle Mountain immer im Blick.
Die Vegetation auf dem Hochplateau ist vielfältig, und leuchtet in allen Grüntönen.
Die blühenden Büsche, die wir leider nicht bestimmen können, sind eine Augenweide.
Es blühen die schönsten „Alpenblumen“ entlang der gut ausgebauten Wege.
Dann geht es bergauf. Nur mehr 45 Minuten zum Gipfel, aber die haben es in sich!
Die Steine, die uns hier im Weg liegen, sind RIESIG!
Langsam aber stetig bahnen wir uns unseren Weg nach oben…
Und landen teilweise in luftigen Höhen…
Aber der Weg ist jeden Schweißtropfen wert – vor allem wenn man inmitten duftender Blumenteppiche Rast machen kann.
Und dann, endlich, sind wir oben. Was für eine Aussicht!
Die Gipfelpause ist redlich verdient, und die warmen Sonnenstrahlen sind eine Wohltat, nachdem wir am Morgen in Skiunterwäsche aufgebrochen sind.
Tief unter uns liegt der Dove Lake, unser Ausgangspunkt.
Der Abstieg dauert erstaunlich lange, obwohl es nur knapp über 900 Höhenmeter sind, die uns vom Parkplatz trennen.
Fast geschafft… Endlich!
Erste Zeile, erfolgreich zurückgekehrt. It was awesome!

Wildes schönes Tasmanien

Schattige Farnwälder, kristallklares Wasser, abgeerntete Getreidefelder, schroffe Bergketten, weiße Sandstrände, moorige Seen, biertrinkende Schweine, würziger Cheddar-Käse, süßlicher Riesling, duftende Lavendelfelder, freundliche Einheimische. All das und noch mehr ist Tassie.

Tasmanien liegt ungefähr 240 km südlich des australischen Festlands. Nur 514.000 Menschen leben auf der Insel, das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 7,5 Einwohnern pro Quadratkilometer (zum Vergleich: In Österreich leben 104 Menschen auf einem Quadratkilometer, in Italien sind es 201, und in Deutschland 230). Fast 60% aller Tasmanier wohnen entweder in der Hauptstadt Hobart oder in Launceston. Das bedeutet für den Reisenden: Völlige Einsamkeit, wenn man sich abseits der ausgetretenen Touristenpfade bewegt. Die legendäre “Tasmanian Wilderness” ist es auch, was die meisten Besucherinnen und Besucher auf die Insel lockt.

Hunderte Kilometer Wanderwege warten darauf, begangen zu werden. In einsamen Buchten schwimmt man ganz alleine im türkisen Wasser, vorausgesetzt man trotz der Kälte des Indischen Ozeans. Es gibt Highways, die nicht geteert sind, dann rattert man über holprige Schotterstraßen durch karge tasmanische Landschaften. Die Vegetation Tasmaniens scheint einer botanischen Enzyklopädie entnommen zu sein, es gibt Gräser, Bäume und Blumen in allen Farben und Formen. Dass die Insel auch über eine interessante Tierwelt verfügt, nehmen wir aufgrund der vielen toten Tiere am Straßenrand zwar an, haben aber leider nicht viel Glück mit „Lebendsichtungen“. Der viele Roadkill sei ganz alleine den Grünen zu verdanken, die in Tassie seit einigen Jahren regieren, meint unser charmanter Vermieter Paul. Denn die hätten das Jagen verboten, und das Abholzen des Waldes, und deshalb gäbe es viel zu viele Wildtiere. (Außerdem gibt es in Tasmanien keine gratis Plastiktüten in den Supermärkten, und so viele Solarzellen wie hier haben wir in Australien noch nicht gesehen.)

Müßte man Tasmanien kategorisieren, dann ließe sich die Insel wohl einteilen in das Postkarten-Paradies für Strandurlauber an der Ostküste, Genuss entlang der Weinstraße im Norden, die tasmanische Wildnis für Abenteurer und Wanderer im Westen, und Streifzüge durch das kulturelle Erbe im Süden.

Die Hauptstadt Hobart hat mehr zu bieten, als der erste Blick vermuten lässt. Das renommierte Museum für Neue und Alte Kunst (kurz MONA genannt) lockt Kunstliebhaber aus aller Welt nach Tasmanien, bietet aber auch Kunstlaien wie uns genug Unterhaltung für einen dreistündigen Aufenthalt. Vom Mount Wellington eröffenen sich wunderbare Ausblicke auf die vielen Buchten und Meeresarme, die Hobart einrahmen. Im Hafen kann man am Steg ankernden Imbissständen frischen oder frisch zubereiteten Fisch kaufen. Die vielen Bars am Salamanca-Platz (auf dem jeden Samstag ein bunter Markt stattfindet, den wir leider verpasst haben) laden zum Verweilen ein, und das Glas tasmanischer Wein schmeckt mit Blick auf die Fassaden der alten Stadthäuser noch besser. Die vielen Parks leuchten dank regelmäßigen Niederschlags in sattem Grün.

Tasmanien ist berüchtigt dafür, in einer Stunde alle vier Jahreszeiten zu durchlaufen. Es kann hier auch im Sommer klirrend kalt werden, Regen und Sonne wechseln sich ab, und starke Windböen haben uns fast vom Mount Wellington geweht. Doch insgesamt haben wir Glück, und als Reisende wissen wir die fünf Sonnentage, die Tasmanien für uns bereithält, sehr zu schätzen (vor allem als wir über die Hochebenen im Cradle Mountain National Park wandern, mehr dazu gibt es bald in einem separaten Blogpost!).

Fazit eines leider viel zu kurzen Ausflugs über das lange Australia Day Wochenende: We’re in love! Mit den Landschaften, den Menschen, der Einsamkeit. So sehr, dass wir schon Hauspreise recherchiert haben, die uns im positiven Sinne vom Hocker gehaut haben. Während Sydney auf der Liste der unleistbarsten Städte der Welt gerade auf den zweiten Platz hoch geklettert ist, kann man sich in Tasmanien für einen durchaus vertretbaren Preis viele Hektar Land am Meer oder ein Haus mit Meeresblick leisten. Leider gibt es hier nicht viele Arbeitsplätze, weshalb das Durchschnittsalter auf der Insel mit knapp über 40 Jahren das höchste Australiens ist. Aber wer weiss… Die Pensionierung kommt bestimmt!

30 Jahre nach der Besiedelung Australiens durch britische Strafgefangene kamen die ersten Besatzer auf die tasmanische Insel. Einige Zeitzeugen gibt es immer noch…
Inzwischen hat sich vor allem Hobart weit entwickelt. Kunst und Kultur prägen das Gesicht der Hauptstadt – hier ein Schnappschuss aus dem renommierten MONA.
Doch der Reiz Tasmaniens liegt vor allem in der Einsamkeit, und den stetigen wechselnden Landschaften – hier der Dove Lake am Fuße des Cradle Mountains.
Karge Felder schmiegen sich an Weinberge, Seen und Wälder.
Die Städte schmiegen sich in die Landschaft, und immer hat man das Gefühl, sich mitten in der Natur zu befinden.
Lavendelfelder soweit das Auge reicht, die Stauden wachsen in roter australischer Erde.
Dieser Duft! Tasmanien ist ein Fest für die Sinne (und die Bronchien!)
Und immer wieder verborgene Naturwunder am Straßenrand – so wie diese Höhle, die wir am liebsten besiedelt hätten (war schon besetzt, ein Schwalbenpaar hat hier sein Nest aufgebaut).
Wer’s eiskalt mag, dem bietet die Insel kristallklares Wasser – diese kurze Erfrischung musste einfach sein, trotz beinahe folgenden Frostschäden an Fingern und Zehen ;-)
Aber wie kann man denn diesem Anblick widerstehen? Das Meer schreit förmlich danach, als Badewanne zu dienen…
Die Farnwälder laden zum Staunen ein. Hier ist es still und kühl, und es würde nicht verwundern, würde plötzlich ein Dinosaurier um’s Eck biegen.
Zum Glück sehen wir keinen Tyrannosaurus Rex, sondern nur diesen Waldbewohner: das Pinkkehlchen (heißt wirklich so!).
Und dieser Australier hat es uns auch angetan: Pinky, das biertrinkende Schwein. In Nullkommanix leert Pinky ein paar Halbe, und dann ist erst mal ein Mittagsschläfchen angesagt.
Wir schließen uns Pinky an. Ein Bierchen ist das wichtigste am Abendessen nach einem langen, aufregenden Tag (irgendwie müssen die Kalorienspeicher wieder aufgefüllt werden, wenn der einzige Supermarkt im Umkreis von 100 Kilometern schon geschlossen hat, und nur mehr ein Stück Brot vom Vortag und Nüsse übrig sind). Uns schmeckt’s, auf unserer herrlich gemütlichen Terasse!
Die Sonne geht unter über Tasmanien… aber weitere Einträge folgen!