…what a wonderful world!

Wie gut, dass uns Mutter Erde manchmal ganz unverhofft daran erinnert, auf was für einem wunderschönen Planeten wir eigentlich leben… Vor allem, nachdem die Stimmung in den letzten Wochen ähnlich düster war wie das Wetter. Der berüchtigte Salzburger Schnürlregen scheint uns nach Sydney gefolgt zu sein. Nachdem es beinahe den ganzen März durchgeregnet hat, ist jetzt auch der Juni außergewöhnlich nass. Die letzten Wochenenden haben wir vor allem zu Hause verbracht, kein Wunder, dass uns hier langsam die Decke auf den Kopf fällt. Wie gut also, dass wenigstens für den vergangenen Montag – Queen’s Birthday, Feiertag, und damit langes Wochende – gutes Wetter vorhergesagt war. Wir haben kurzerhand Freunde, Kameras und Drohne eingepackt (genau genommen haben unsere Freunde uns die Rückbank ihres Autos zur Verfügung gestellt), und sind in den Royal National Park gefahren.

Nun ist die Migration der Buckelwale ja in vollem Gange. Seit Anfang Juni schwimmen die mächtigen Säugetiere zu Hunderten Richtung Norden. Dort, in den warmen subtropischen Gewässern vor der Küste Queensland, kalben die Walkühe, und machen sich dann Ende Oktober mit ihrem Neugeborenen wieder auf den Weg in die Antarktis. Wir haben in den vergangenen Wochen schon mehrfach Wale in großer Entfernung gesichtet (das heißt, irgendwo am Horizont eine Wasserfontäne aus dem Meer schießen sehen, auf Deutsch auch „der Blas“ genannt). Weil wir an’s Glück glauben, wählen wir eine Wanderung entlang der Klippen.

Wir marschieren los, zwei Drohnen im Gepäck, die Sonne im Gesicht und bis über beide Ohren strahlend, weil wir endlich mal wieder Frischluft schnuppern. Keine zehn Minuten später – ein Blas, nur wenige Hundert Meter von der Küste entfernt. Wir stürmen zur Kante der Klippe und tatsächlich: Da draußen schwimmen zwei, nein drei, nein vier Wale! Wir genießen das Spektakel, schießen Fotos, starten die Drohne. Es ist gar nicht so einfach, die Wale zu finden auf dem kleinen Handy-Bildschirm, auf den die Drohne die Videos überträgt. Wir suchen und navigieren, und haben endlich Glück. Eine Walkuh und ihr Kalb schieben sich gemächlich durch das Wasser, und scheinen die Sonne genauso zu genießen wie wir.

Wir machen uns wieder auf den Weg. Gegen Mittag erreichen wir eine Klippe, die beste Blicke auf’s Meer bietet, sich aber auch wunderbar zum Picknicken eignet. Wir lassen uns nieder, packen Muffins, Falafel, Obst und Nüsse aus – und trauen unseren Augen nicht. Eine Walfamilie schwimmt direkt auf unsere Klippe zu, die riesigen Tiere sind nur mehr knapp 100, 80, 60 Meter entfernt. Was für ein Spektakel der Sonderklasse!

Buckelwale werden bis zu 19 Meter lang und wiegen rund 36 Tonnen – so viel wie 24 VW Polos! Auf dem Weg Richtung Norden sind die Wale 5 – 15 Stundenkilometer schnell, und sie vertreiben sich ihre Reise mit aus dem Wasser springen (breaching), mit dem Kopf aus dem Wasser schauen (spy-hopping), und mit der Schwanzflosse auf das Wasser schlagen (lobtailing).

Ob es am guten Wetter liegt oder daran, dass sie ein äußerst dankbares Publikum haben – man weiß es nicht. Jedenfalls geben unsere Wale alles: Sie drehen sich um die eigene Achse, schlagen mit der Schwanzflosse immer wieder auf die Wasseroberfläche und bieten uns ausgiebig Gelegenheit, die mit Seepocken bedeckten Körper zu bewundern.

Uns wir? Wir lachen abwechselnd hysterisch auf und sind andächtig still angesichts dieses Naturspektakels. Wir staunen. Und realisieren mal wieder… what a wonderful world!

„Say Hello!“
Seepocken gehören zur Familie der Krebse, und bedecken häufig große Teile des Körpers der Buckelwale – unter anderem auch den Kopf, dem sie ein bärtiges Aussehen verleihen.
Das Herz eines Buckelwals kann beinahe 200 Kilogramm wiegen.
Bevor ein Buckelwal in größere Tiefen abtaucht, biegt er seinen Rücken, was ihm auch seinen Namen eingebracht hat.
„Und Tschüss!“ Buckelwale tauchen rund 200 Meter tief und können 30 Minuten lang unter Wasser bleiben.
Glückliche und überwältigte Walbeobachter :-)

 

Der Sonne entgegen

Seit Wochen regnet es in Sydney, dicke graue Wolken hängen zwischen den Hochhäusern im Stadtzentrum und das Meer ist aufgepeitscht. Zugegebenermaßen haben die verregneten Tage auch etwas: Wir fühlen uns nicht ständig unter Druck, etwas im Freien zu unternehmen. Wir schlafen endlich wieder gut, weil nicht nur die Tage, sondern auch die Nächte von 30 Grad auf 20 Grad Celsius abgekühlt haben. Und Stürme bringen in Sydney nicht nur faden grauen Regenschleier, sondern Windböen, Starkregen und andere aufregende Naturphänomene. Allerdings: Endlos-Regen drückt auf die Stimmung, die sonst so gut gelaunten Bedienungen in unserem Stammkaffee machen ein Gesicht wie 30 Tage Regenwetter und unsere Sommerbräune scheint eine ferne Erinnerung zu sein.

Dann endlich macht der nasseste März seit 33 Jahren am heutigen Sonntag Pause. Der Himmel ist strahlend blau, die Temperaturen bringen den Sommer zurück und wir rasen so schnell es geht (dank australischen Tempolimits heißt das mit 110 Stundenkilometern) hinaus aus der Stadt, hinein in die Natur.

Ziel ist unser geliebter Royal National Park, allerdings wollen wir heute den südlichen Teil erkunden. Wir parken unser Auto an einem Lookout, der an sich schon einen Besuch wert ist, und marschieren zügig los. Nach einigen hundert Metern stehen wir am Rande einer Klippe, von der aus man beste Blicke Richtung Norden hat. Im Morgendunst zeichnen sich die Umrisse der Klippen ab, die überall im Royal National Park steil abfallen in’s Meer. Nachdem wir uns satt gesehen (und satt fotografiert) haben, wandern wir weiter. Der Royal National Park hält auch im Süden, was der Norden verspricht.

Jeder Kilometer hält neue Überraschungen bereit. Eine Weile folgen wir dem breiten Pfad durch Eukalyptuswälder, die auch nach den Regengüssen der letzten Wochen erstaunlich trocken wirken. Dann mischen sich immer mehr Palmbäume unter die Eukalyptusriesen, und schließlich müssen wir uns unseren weg durch hüfthohe Farne bahnen. Über mehrere hundert Meter gleicht der schmale Weg eher einem Bach, wir bleiben aber zum Glück von Blutegeln verschont, die uns in der Vergangenheit schon so manches mal in Panik versetzt haben. Schließlich lichtet sich der Wald und wir treten hinaus auf einen Steg, der durch blady grass hinauf auf einen Hügel führt, hinter dem eine Feriensiedlung liegt, über die wir schon vor einigen Monaten geschrieben haben.

Es wäre nur ein kurzer Abstecher zum berühmt-berüchtigten Figure 8 Pool (die fotogenen Felsenbäder in Form einer perfekten 8 locken massenhaft Touristen an. Der Figure 8 Pool ist inzwischen ein „Instagram-Place-to-Be“. Dass die 8 nur bei Ebbe und ruhiger See sichtbar und sicher begehbar ist, ignorieren viele.  Und weil das perfekte Foto wichtiger ist als die eigene Sicherheit, müssen immer wieder vor allem asiatische Ausflügler von dem Felsplateau gerettet werden.), aber wir beschließen, die Pools für heute auszulassen. Es liegen immerhin noch gute sieben Kilometer vor uns, außerdem ist gerade Flut, und die Wellen brechen wuchtig gegen die Felswände.

Dass das genau die richtige Entscheidung ist, zeigt sich spätestens, als wir den Rückweg antreten. Auf dem Weg zurück zum Auto kommen uns Busladungen an Menschen entgegen: Asiaten, die mehr Selfie-Sticks als Wasser dabei haben (Klischee olé!). Amerikanerinnen, die in Flip Flops den matschigen Weg hinunterrutschen. Deutsche, die die Wanderung gut gelaunt und rot gebrannt im Bikini in Angriff genommen haben. Wir erhöhen die Geschwindigkeit, um die Menschenmassen so schnell wie möglich hinter uns zu lassen. Mit verbrannten Nasen, einem breiten Lächeln, und hunderten neuen Eindrücken kommen wir nach 13 Kilometern zurück zum Ausgangspunkt.

Was für ein wunderschöner Spätsommertag! Und weil sich das Wetter über’s Wochenende noch einmal aufgerafft hat, bleibt der März 1870 mit 26 Regentagen der nasseste aller Zeiten. Status 26. März 2017: 21 Regentage, und ein wunderschöner sonniger Sonntag in unserem liebsten Naherholungsgebiet!

Wenn man weiß, dass ein sonniger Tag vor einem liegt, dann lassen sich solche Panoramen im Morgendunst gleich viel mehr genießen.
Die Rundwanderung von Otford zum Figure 8 Pool ist abwechslungsreich. Wir starten auf einem breiten Weg durch den Eukalyptuswald…
…aber bald schon wird aus dem Weg ein schmaler, von Palmen gesäumter Pfad.
Es ist dunkel und kühl, aber wenn sich die Sonne ihren Weg durch das dichte Laubdach sucht, dann scheinen die Strahlen wirklich eine Leiter in den Himmel zu sein.
Spinnennetz oder Kunstwerk?
Wir sehen sie nur aus der Ferne und in den frühen Morgenstunden: Irgendwo in diesen Felsplatten versteckt sich der fotogene Figure 8 Pool (nur wenige Augenblicke später flüchten die drei Touristen inklusive Selfie-Stick vor einer Monsterwelle).
Wir lassen den Wald hinter uns und schlendern gemütlich über einen aus Platten gelegten Pfad durch hüfthohe Grasbüschel. Was sich darin wohl alles versteckt?
…auf jeden Fall diese kleine Echse, die sich so wie wir die Sonne auf die Nase scheinen lässt, und die Wärme eindeutig genießt.
Obwohl Regentage in Sydney auch ihren Reiz haben: Bitte bleib noch ein bisschen, lieber Sommer! Und verwöhne uns mit Tagen wie diesen…